Messenachbericht Cevisama 2019

Trends und Neuheiten der spanischen Fliesenbranche

Immer zu Jahresbeginn lockt das spanische Valencia nicht nur mit mildem Frühlingswetter, der Nähe zum Mittelmeer und toller Architektur, sondern auch mit der Fliesenfachmesse Cevisama. Vom 28. Januar bis zum 1. Februar 2019 informierten sich gut 91.000 Besucher aus 155 Ländern über aktuelle Trends der spanischen Keramikbranche. Auch die Baunetz Wissen-Redaktion war vor Ort, um die spannendsten Neuheiten aufzuspüren. Entdeckt haben wir erfreulicherweise wieder mehr Farbe sowie – für Nord- und Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig – Gold und Glitzer. Dazu viele Kleinformate und besondere Oberflächenbeschaffenheiten, die zeigen, dass Fliesen mehr können als Grau, Groß und so aussehen wie Naturstein.

Die mit ihren unebenen Oberflächen und Kanten traditionell anmutenden Serien Provenza und Antic können auf Wunsch in sämtlichen RAL- oder Pantone-Farben gefertigt werden.
Messenachbericht Cevisama 2019
Aus der Zusammenarbeit mit den Schmuckdesignerinnen von BeYou entstand die Kollektion BeColors.

Kleines und Buntes
Aus der Verbannung in die hinteren Bereichen der Messestände befreit, wurden die kleinformatigen Fliesen in diesem Jahr vielerorts als Highlights gut sichtbar präsentiert. Dabei dominierten insbesondere Riemchen und quadratische Fliesen mit Kantenlängen von unter 20 cm. Am vergleichsweise kleinen Stand von Cevica wurde geradezu ein Fest der Formen und Farben gefeiert. Das 1986 gegründete Familienunternehmen fertigt in Handarbeit u.a. die mit ihren unebenen Oberflächen und Kanten traditionell anmutenden Serien Provenza und Antic, die auf Wunsch in sämtlichen RAL- oder Pantone-Farben erhältlich sind. In Zusammenarbeit mit den Schmuckdesignerinnen von BeYou entwickelte der Hersteller die Kollektion BeColors, die zwei sich ergänzende Formate, ein Stern und ein Kreuz, in sechs Farben umfasst – darunter Coral, die Trendfarbe des Jahres.

Etwas gedämpfter sind die sieben Farben der Serie Hanami, die Vives in Valencia vorstellte. Dafür umfasst sie 16 Muster, die von fein liniert über schimmernde Bögen bis hin zu marmoriert reichen. Die Fliesen haben die Maße 23 x 33,5 cm, sind jedoch über Scheinfugen in sechs kleine, quadratische Fliesen unterteilt. Im Unterschied zu vielen anderen Herstellern, wo sich dieser Trend ebenfalls beobachten ließ, sind die Fugen hier unglasiert, sodass sie bei entsprechend sauberer Verlegung so gut wie gar nicht von den echten Fugen zu unterschieden sind. Werden die Scheinfugen hingegen glasiert, ist die Täuschung nur aus der Entfernung überzeugend und es stellt sich die Frage, warum dann nicht gänzlich darauf verzichtet oder eben ein entsprechend kleineres Format produziert wird – auch wenn dies auf Kosten der schnelleren Verlegbarkeit geht.

Die unglasierten Fliesen der Kollektion Lumier von Gayafores sind von traditionellen Zementfliesen inspiriert. Sie sind in den Maßen 16,5 x 16,5 cm in kräftigen sowie in zwei dezenteren Varianten, Blau-Weiß oder Schwarz-Weiß, erhältlich. Der Trend zu diesen Fliesennachbildungen hat jedoch deutlich nachgelassen. Nicht aber der Vintage-Boom. Peronda beispielsweise stellte auf großer Fläche und enorm aufwendig seine neue Kollektion FS Ivy mit historisierendem Motiv eines Edelweißes vor, das an florale Motive des ausgehenden 19. Jahrhunderts erinnert. Die 45 x 45 cm großen Fliesen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Designer Francisco Segarra. Sie sind ebenfalls mit Scheinfugen in vier kleinere Quadrate unterteilt und zeichnen sich durch abgestoßene Kanten und gedeckte Farben aus. Zur Auswahl stehen Schwarz, Blau und Grün.

Mit Tangram setzt Aleluia Cerâmicas ebenfalls auf ein kleinformatiges Quadrat. Die 14 x 14 cm große, zweifarbige Keramik (Weiß mit Schwarz, Blau oder Rot) kommt allerdings sehr grafisch und modern daher. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem die Serie Dash der zur Peronda-Famile gehörenden Marke Harmony. Hier trifft das Quadrat in dunklen, matten Farben auf konstrastierende, glänzende Streifen – edel und verspielt zugleich. Natucer entschied sich bei den Kollektionen Mare Nostrum und Figures weg vom Viereck, hin zu Dreieck und Raute. Figures gibt es in einer großen Bandbreite an Farben, darunter Bronze, Gold und Platin.

Ein abslouter Hingucker, aber in deutschen Wohnungen kaum vorstellbar, sind die Wandbilder von Bestile. Die Serie Flamingo zeigt den Vogel nebst Palmen im Rapport, bei Manila ergeben erst 24 der 30 x 30 cm große Fliesen das ganze Bild: eine 240 cm hohe, zartviolette Blume. Individualisten kommen hingegen mit Emotile von Ceracasa voll auf ihre Kosten. Der Hersteller druckt Fotos der Kunden auf Fliesen – so wird der Urlaubsschnappschuss zum keramischen Wandbild.

Terrazzo: Mikro wird Makro
Gleich eine ganze Reihe an Trends vereint Aparaci mit Stracciatella. Die sechseckige Porzellanfliese (25 x 29 cm) kombiniert eine konfettifarbene Terrazzoptik mit grafischen Formen in Pastelltönen. Grundsätzlich waren Terrazzonachbildungen zwar nicht mehr ganz so häufig anzutreffen wie im Vorjahr, dafür aber in vielen kreativen Varianten. Diese entfernten sich bezüglich der Größenrelationen teilweise jedoch weit von der jahundertealten, venezianischen Technik, bei der kleine farbige Marmorstückchen und Zement vermischt werden. Aus dem eigentlichen Mikromuster wurde häufig ein Makromuster. Arcana hüllte gleich den ganzen Messestand in seine Terrazzokollektion, die ebenfalls Stracciatella heißt. Die bunten Einsprengsel der entweder weißen oder grauen, 20 x 20 cm großen Fliesen sind hier mehrere Zentimeter groß. Vergleichbares, auf Hochglanz poliert fand sich auch bei Peronda. Mit ungefährer Schulheftgröße dürften die vermeintlichen Marmorstücke bei den Bodenfliesen Nikoi von Vives im Format 120 x 120 cm wohl zu den größten gehören.

Imitate: Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung
Wie schon seit Jahren dominierten an vielen Ständen großformatige Natursteinimitate, allen voran Granit- und Marmornachbildungen. Ausführlich beschrieben werden sie von unserem Autor Michael Spohr im Messenachbericht zur Cersaie 2018 (siehe Artikel zum Thema). Weiter auf dem Rückzug sind auch die Holzoptikfliesen, obwohl noch einige Hersteller an der immer vollkommeneren Täuschung arbeiten. Exemplarisch sei hier Gayafores‘ Kollektion Belsize genannt, die es in den vier Farben Blanco, Almond, Miel und Natural gibt. Mittlerweile ist es u.a. aufgrund der strukturierten Oberfläche fast unmöglich, die Imitation von ihrem natürlichen Vorbild zu unterscheiden. Als Beispiel sei hier die Variante Ribbon aus der Artwood-Serie von Ibero genannt. Die dreidimensionalen, 60 x 120 cm großen Porzellanfliesen wirken wie schmale, auf Lücke gesetzte Holzdielen.

Überrascht haben uns die wieder zunehmenden Sichtbetonnachbildungen. Auch hier konnte Gayafores mit seiner Kollektion Studio übezeugen. Die Fliesen bilden in sägerauen Brettern geschalten Beton nach und sind in vier verschiedenen Grautönen verfügbar. Daneben wurden großformatige Platten gezeigt, die glatten Sichtbeton mit Ankerlöchern imitieren, die als tatsächliche dreidimensionale Vertiefungen (z.B. Cemento von Panel Piedra, 63 x 128 cm) oder als gedruckte Schatten (z.B. Moma von Grespania, bis 300 cm) in Erscheinung treten.

Besonderheiten
Bei der diesjährigen Cevisama gab es darüber hinaus einzigartige Neuheiten zu entdecken. So stellte Rocersa sein neu entwickeltes Verfahren Dry Digital System (DDS) vor. Dabei handelt es sich um eine Doppelpressung, bei der zunächst der Scherben in Form gepresst und dann in einem zweiten Durchlauf mit einer 2 mm starken Schicht Trockenglasur verpresst wird. So erhält man, dank digitaler Steuerung, eine äußerst strapazierfähige und durchgefärbte Fliese im Wunschdesign. Da sich Glasuren in stark frequentierten Bereichen ablaufen und unglasierte Fliesen nur mit eingeschränkter Gestaltungsvielfalt herstellbar sind, stellt das System laut Hersteller die perfekte Symbiose aus Design und Leistung dar.

Einmalig ist auch die 30 mm starke Platte Thick30mm des Herstellers Bestile. Sie ist speziell für den Außenbereich konzipiert und in fünf Kollektionen mit je sieben Größen von bis zu 60 x 120 cm erhältlich. Aufgrund des hohen Gewichts von bis zu 50 kg lassen sich die Platten auch lose verlegen.

Ebenfalls für den Außenbereich entwickelt sind die zwölf Kollektionen der Marke Small Size. Es handelt sich ausschließlich um Natursteinnachbildungen, die in nur je zwei Kleinformaten (20 x 20 cm und 20 x 30 cm) mit einer Stärke von 20 mm angeboten werden. Die Fliesen werden bei 1.200 Grad gebrannt, wodurch sie sich stark verdichten, was sie schmutzabweisend macht. Das kleine Format bei 20 mm Dicke sorgt außerdem für extreme Widerstandsfähigkeit; weitere Vorteile sind die hohe Rutschfestigkeit (R11 bis R13) und absolute Frostbeständigkeit. Die Fliesen können trocken oder mit Fliesenkleber verlegt werden und punkten insbesondere durch absolut echt wirkende Oberflächen und die überraschend warme Haptik.

Messestände
Im Vergleich zu den Vorjahren beeindruckten uns dieses Jahr viele Messestände nachhaltig. Sie waren zum Teil so aufwendig gestaltet, dass sie den Exponaten den Rang abzulaufen drohten. An erster Stelle muss hier der Stand von Vives genannte werden. Mobiliar im Art déco-Stil und eine Wandgestaltung mit geometrischen Formen oder Scheinarchitekturen aus ausgeschnittenen Fliesen des Herstellers in Kombination mit einer Farbpalette von Petrol über Rosa und Orange bis hin zu Messing ließen wohl kaum einen Besucher ohne Aufzumerken vorbeilaufen. Art déco-Elemente und Pastellfarben sowie samtene Vorhänge fanden sich auch bei Gayafores.

Bei Casainfinita stand der Messeauftritt unter dem Motto Märchen. So verwiesen unter Glasglocken ausgestellte rote Schuhe und Fotografien von Judy Garland in der Rolle der Dorothy Gale eindeutig auf den Zauberer von Oz. Auch Peronda zeigte sich verspielt und retrospektiv und präsentierte seine neue Kollektion FS Ivy in einem Gewächshauscafé im viktorianischen Stil.

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