Mensa am Park in Weimar
Sanierung an der Bauhaus-Universität
Die Bauhaus-Universität gehört sicher zu den Hauptattraktionen Weimars. Jedes Jahr lassen sich zahlreiche Tourist*innen durch den Van-der-Velde-Bau und das Hauptgebäude mit den großen Dachfenstern führen. Das Ensemble ist sogar in der UNESCO-Welterbeliste zu finden. Weniger Aufmerksamkeit bekommt ein graues, kastenartiges Gebäude, das sich auf der anderen Seite der Belvederer Allee in den Ilmpark schiebt: die 1982 in Betrieb genommene Mensa. Nach Plänen von Thoma Architekten wurde sie umfangreich saniert und 2022 wiedereröffnet.
Es handelt sich um einen Skelettbau, dessen zurückgesetztes Erdgeschoss mit anthrazitfarbenem Terrazzo bekleidet ist. Das umlaufend auskragende Obergeschoss hingegen kennzeichnen hohe Glasflächen und eine Bekleidung aus Waschbetonplatten. Dort befindet sich der Speisesaal. Südwestlich erweitert eine Terrasse die Cafeteria und orientiert sich zum Park. L-förmig schließt im Norden ein Instituts- und Hörsaalgebäude an und ist über eine Brücke mit dem Nachbargebäude der Mensa verbunden. Mit dieser städtebaulichen Figur umschließen die Bauten einen kleinen rechteckigen Platz.
Sowohl von diesem Platz als auch von der Marienstraße kommend kann das Erdgeschoss betreten werden. Das weitläufige Foyer und die Cafeteria rahmen einen annähernd quadratischen „Backstage-Bereich“ mit Anlieferzone, Lager, Personal- und Sanitärräumen. Über die Jahre füllten eine Kaffeebar, Garderoben und eine Infostelle die niedrige Eingangshalle. Im Obergeschoss erlaubt eine gestaffelte Glasfassade den Blick in die Baumkronen, während über den Speisenden eine modulare Konstruktion aus Stahlrohren und Glaskugeln für eine feierliche Lichtstimmung sorgt. Die gleiche Beleuchtung findet sich in dem kleineren, früher als Nudelbar bekannten Speiseraum an der Südseite. In der Grundrissmitte liegt die Essensausgabe, rückwärtig die Küche.
Erhalten und aufräumen
Die Mensa rückte 2009 in den Fokus der Öffentlichkeit, als sie für einen Neubau des Bauhaus-Museums Platz machen sollte. Es gelang jedoch, das Gebäude zu erhalten und 2011 unter Denkmalschutz zu stellen. 2018 nahmen die Architekt*innen in Absprache mit dem Thüringischen Landesdenkmalamt (TLDA) ihre Arbeit auf. Aus hygienischer, energetischer und gebäudetechnischer Sicht war das Gebäude nicht mehr zeitgemäß. Notwendig waren darüber hinaus eine Verbesserung des Brandschutzes, der Flucht- und Rettungswegesituation, der Erschließung und der Barrierefreiheit. Nicht zuletzt wurden Mängel an der Gebäudehülle festgestellt.
In dem nun freigeräumten Foyer steht das bauzeitliche, terrassierte Podest wieder im Fokus. Küche und Essensausgabe im Obergeschoss wurden umorganisiert. Statt wie früher an der langen Theke Schlange zu stehen, zirkulieren die Studierenden heute um verschiedene Ausgabeinseln und Selbstbedienungstheken. Die Küche ist auf 2.000 Portionen pro Tag ausgelegt, die Kapazität der Sitzplätze sank von 725 auf 500, davon 382 im großen Speisesaal.
Betonwerkstein und Waschbeton
Materialität und Erscheinungsbild der Fassade sollten in großen Teilen erhalten bleiben. Das galt insbesondere für die Verkleidung im Erd- und Obergeschoss, für Teilung, Material und Farbe der Fenster, für den Eingangsbereich an der Südseite und für die Putzflächen des zurückspringenden Lüftergeschosses.
Im Erdgeschoss waren die 50 mm dicken, anthrazitfarbenen Platten aus Betonwerkstein den Massivwänden und Stahlstützen ohne Dämmung vorgesetzt. Da ihre rückseitigen Ankerbügel direkt eingemörtelt bzw. angeschweißt waren, gab es speziell im Stützenbereich größere Wärmebrücken, die sich auch im Zuge der Sanierung nicht ganz beheben ließen. In den überdachten Bereichen waren die Platten in einem guten Zustand, die Oberflächen an der ungeschützten Nordost-Fassade jedoch stark verwittert. Vor allem in den Eckbereichen hatte die Korrosion an den Haltern zu Bruchstellen geführt.
Die 80 mm starken Waschbetonplatten im Obergeschoss waren direkt vorgehängt und ebenfalls ungedämmt. Die Rastermaße sind auf die Fensterelemente und Gebäudeachsen abgestimmt. Auch die Waschbetonplatten waren augenscheinlich gut erhalten, wiesen jedoch kleinere Beschädigungen und Abplatzungen auf. Aufgrund des Alters und der freien Bewitterung wurde eine Karbonatisierungstiefe von 2 bis 3 cm angenommen sowie eine beginnende Korrosion der äußeren Bewehrung.
Gereinigt und gedämmt
Durch die eingemörtelten oder angeschweißten Verankerungen waren die Betonwerkstein- und Waschbetonplatten nicht demontierbar. Sie wurden daher direkt am Gebäude gereinigt und aufgearbeitet. Die Fugen der Waschbetonplatten und Fenster waren mit dem asbesthaltigen Dichtstoff Morinol gefüllt und mussten daher ebenfalls saniert werden. Die Außenputzflächen am Lüftergeschoss wurden aufgearbeitet und erhielten einen neuen, grauen Anstrich. Auf geschlossene Wandflächen der Obergeschosse wurde ein 40 mm starker Wärmedämmputz aufgebracht.
Auch die geschweißten Stahlrahmenkonstruktionen der Fenster wurden aufgearbeitet, während eine neue Zwei-Scheiben-Isolierverglasung die alte Zweifachverglasung ersetzte. In den Brüstungsbereichen sind die Gläser absturzsichernd ausgeführt.
Bautafel
Architektur: Projektierungsbüro des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (Bestand 1982); thoma architekten, Zeulenroda-Triebes (Sanierung und Umbau 2022)
Projektbeteiligte: ARGE TGA Mensa Weimar, Jena (Technische Gebäudeausrüstung); Milan-Ingenieurbüro, Berlin (Küchentechnik)
Bauherr*in: Studierendenwerk Thüringen, Jena
Fertigstellung: 2022
Standort: Marienstraße 15b, 99423 Weimar
Bildnachweis: Rainer Taepper (Fotos); thoma architekten (Baustellenfotos und Pläne)
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