McDonald's in Crissier

Räume für flexibles Arbeiten

New Work bedeutet vor allem eine Flexibilisierung von Arbeitsweisen. Mitarbeitende arbeiten mal im Büro, mal von Zuhause, besprechen sich analog und digital, suchen Austausch oder Ruhe. Das ist heute Standard nicht nur in kleinen Kreativagenturen, sondern in fast allen Geschäftsfeldern und großen Konzernen. Doch bei McDonald's in Crissier arbeiteten die Teams bis 2024 in Zellenbüros, die sich auf jedem Geschoss entlang zweier Flure reihten, so wie es typisch war für die Bauzeit des vierzig Jahre alten Gebäudes. Ein gestalterisches, technisches und funktionales Update der Büros war also überfällig. Das übernahm das Zürcher Strategie- und Planungsbüro Mint Architecture, das sich auf die Transformation von Räumen für heutige und zukünftige Arbeits- und Lebensweisen spezialisiert hat.

Das vierzig Jahre alte Gebäude bekam eine neue Glasfassade, neue Technik und ein neues Interior-Design.
Das Designteam von Mint Architecture setzte dabei auf weite, helle Räume, Holz, Pflanzen und die CI-Farben.
Der Gebäudekern in der Mitte ist mit gelochtem Wellblech verkleidet und akustisch wirksam.

Offene Grundrisse statt Zellenbüros

Statt in einzelnen Raumzellen sitzen die Mitarbeitenden in Crissier nun auf allen drei Etagen des Gebäudes im Open-Space-Büro. Das gliedert sich in verschiedene Nutzungszonen, wie Arbeiten, Besprechen, Entspannen oder Feiern, die sich entlang des ehemals dreibündigen Bürogrundrisses verteilen: So liegen auf den beiden äußeren Flächen offen gestaltete Arbeitsplätze für je vier bis zwölf Mitarbeitende sowie einige wenige Einzelbüros. Mittig im Gebäude, rund um den Gebäudekern, befinden sich kleine Besprechungsräume, die auch als Telefon- oder Lesekabinen, sogenannte Fokusräume, dienen. An den Stirnseiten der mittigen Zone gibt es Gemeinschaftsbereiche mit Sofas und Stehtischen. Hier können sich die Teams entspannen oder im informellen Rahmen besprechen. Im erste Obergeschoss belegen die Kantine und ein großer Besprechungsraum die Hälfte der Fläche – durch eine gläserne Faltwand voneinander getrennt. Die lässt sich nach Bedarf aufklappen, sodass ein großer Veranstaltungsraum entsteht. 

Raumkonditionen im Open-Space-Büro

Damit Arbeiten im Open-Space gut funktioniert, sind die Raumkonditionen, wie Akustik, Belichtung und Temperierung, essenziell. Die Glasfassade des Gebäudes wurde ausgetauscht und durch ein Smart Glas ersetzt. Das schaltet sich bei starkem Lichteinfall automatisch von transparent zu opak. So werden der solare Wärmeeintrag und mögliche Blendeffekte reduziert. Ebenfalls nach Bedarf lässt sich das Lichtsystem digital und individuell steuern. Lärmdämpfend wirken die Akustikpaneele an den Decken, der Teppichboden, die Vorhänge und – als gestalterisches Gegenüber – das gelochte Wellblech, das den Gebäudekern wie ein Vorhang ummantelt. Das Open-Space funktioniert aber vor allem, wenn die unterschiedlichen Arbeitsprozesse Berücksichtigung finden. Daher liegen die Fokusräume hinter schalldämpfenden Glastrennwänden und bieten mit Holz, Polstermöbeln und schalldämpfenden Riffelbekleidungen einen ruhigen, atmosphärisch warmen Rückzugsbereich. Hier kann arbeiten, wer sich gerade besonders konzentrieren muss oder wer sich mit anderen ungestört besprechen möchte. 

Bedürfnisgerechte Bürowelt

Um zu wissen, wie die Mitarbeitenden im Detail arbeiten, wie viel Ruhe und Austausch sie benötigen, begann das Projekt mit einem Beteiligungsprozess. So zeigten sich die unterschiedlichen Arbeitsweisen und die damit verbundenen Bedürfnisse. Die Befragung erfolgte mit Tools, die im Planungsbüro „auf Basis demografischer, soziografischer sowie wissenschaftlicher Methoden“ selbst entwickelt wurden und „die einen methodischen Rahmen bieten, um Themen wie Visionen, Ziele, Tätigkeiten, die Zusammenarbeit, Marke und Kultur etc. systematisch zu analysieren“, erklärt Tiziana Meletta, Senior Strategic Designer bei Mint Architecture. Die Umfrage fand über persönliche Gespräche statt; die Ergebnisse wurden anschließend digital ausgewertet. Anhand einer Matrix ließen sich so verschiedene Aufgaben, Wünsche und Ziele, sowie geeignete Werkzeuge zur Umsetzung zuordnen.

Diese analytische Herangehensweise begleitete das Projekt über die Leistungsphasen und ist typisch für das Architekturbüro: Für das Projektmanagement nutzt es bei jedem Planungsvorhaben eine digitale Plattform, auf der es alle Daten zu Akquise und Projektablauf bündelt. Üblicherweise erfolgt auch die Zeitplanung, Aufgabenverteilung, das Team- und Ressourcenmanagement sowie die Dokumentation des jeweiligen Projektabschlusses über das Tool. Eine integrierte Arbeits- und Projektzeiterfassung ist mit jedem Projekt verknüpft und ermöglicht ein besseres Controlling des Planungsbüros. Der gemeinsame Server optimiert den Datenaustausch zwischen allen Beteiligten.

Von Designstories zu Desk-Sharing

Die Entwurfsarbeit für McDonald‘s erfolgte anhand sogenannter Designstories, die in Workshops entwickelt und anschließend in konkrete Gestaltungen eingebracht wurden. „Die Designstories“, so die Planenden, „widerspiegeln neben funktionalen auch die emotionalen Aspekte in den Arbeitsräumen.“ Der Gedanke: Ein Arbeitsplatz, an dem Mitarbeitende sich wohl und mit dem sie sich emotional verbunden fühlen, motiviert zu mehr Präsenz im Büro, mehr Austausch im Team und führt am Ende zu besseren Ergebnissen. Daher war die Auswertung der Befragung entwurfsentscheidend.

Aber auch die Geschichte und die CI des Unternehmens sowie seine Nachhaltigkeitsziele fließen in das sogenannten „narrative Design“. Der Arbeitsplatz soll unverwechselbar sein, unterschiedliche Erlebnisse bieten, Identifikation stiften. So finden sich in den Gemeinschaftsbereichen dezente Details in den CI-Farben, wie die roten Akustik-Baffeln, die gelben Stahlgestelle der Hocker oder – etwas plakativer – die an Pommes erinnernde gelbe Pendelleuchte. Schwarz-Weiß-Fotos auf den Faltglastüren erinnern an die Firmengeschichte und Grünpflanzen und Holzmöbel an die Nachhaltigkeitsziele. Dank Desk-Sharing, hybrider Arbeitsweise und den unterschiedlichen Raumzonen ist der Arbeitsplatz nun flexibler und jeden Tag ein bisschen anders.

Bautafel

Architektur: Mint Architecture, Zürich / Schweiz (Workplace Strategie, Design und Innenarchitektur, Baumanagement und Bauleitung)
Projektbeteiligte: Christophe Lebet, Pully / Schweiz (Baumanagement und Bauleitung), Mebatech, Baden / Schweiz (Fassadenplanung), R+B Engineering, Brugg / Schweiz + JR Engineering, Rotkreuz / Schweiz (Elektroplanung), Weinmann Energies, Echallens / Schweiz (TGA- und Sanitär-Planung), Ignis Salutem,St-Légier / Schweiz (Brandschutzplanung)
Bauherrin: McDonald’s Suisse Development
Fertigstellung: 2024
Standort: Rue de Morges 23, 1023 Crissier / Schweiz
Bildnachweis: Mint Architecture / Oliver Rust, Zürich / Schweiz

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