Maersk Tower in Kopenhagen

Kupferkleid als Sonnenschutz und historische Referenz

Der Neubau eines Hochhauses geht oft mit Superlativen einher. Ging es früher allein um die größtmögliche Höhe, so scheinen heute Aspekte der Nachhaltigkeit zumindest ebenso relevant für die Vermarktung und letztlich den Erfolg eines Projektes zu sein. Und dies umso mehr, wenn die Bauherrin eine Forschungsinstitution ist, für die Innovation, Experiment und Zukunft wesentliche Identifikationsthemen sind. Die Fakultät für Gesundheit und Medizinische Wissenschaften der Universität Kopenhagen verfügt seit Kurzem über ein solches nachhaltiges Hochhaus. Den Architekten C.F. Møller gelang es mithilfe des markanten Sonnenschutzes nicht nur, den Titel des nachhaltigsten Laborgebäudes Dänemarks einzufahren, sondern der Stadt auch zu einer neuen Silhouette zu verhelfen.

Geschosshohe Sonnenschutzelemente verhindern Einblicke in das Gebäude
Nur vor den Science Plazas an der Ostseite des Hochhauses wurde der Sonnenschutz ausgelassen
Um den Gebäudekomplex wurde ein neuer Campuspark angelegt

Die in einen ebenfalls neu angelegten Campuspark eingebettete Anlage besteht aus dem 15-geschossigen Maersk Tower und einigen niedrigen Nebengebäuden, die sich am Fuß des Hochhauses überlagern und so dessen Sockel bilden. Über diesen Sockel, in dem sich Auditorien, Konferenzsäle und der offene Eingangsbereich befinden, ist der Komplex mit dem alten Institutsgebäude verbunden. Das „Panum“, ein brutalistischer Großbau aus den 1970er und -80er Jahren, riegelt das Areal nordöstlich zum Stadtraum ab. Dieser Introvertiertheit begegnet der Turm mit subtiler Transparenz. Erzeugt wird sie durch vertikale Kupferelemente, die der Glasfassade vorgelagert sind und den Turm fast vollständig umfangen. Ihre Tiefe und die spezifische Anordnung bewirken, dass sich das Gebäude aus den meisten Blickwinkeln eher verschlossen zeigt. In erster Linie dienen sie dem Sonnenschutz, sind jedoch auch als Windbrecher wirksam. Dies ist vor allem dort notwendig, wo die teils dynamisch spitz zulaufenden und durchgehend abgerundeten Gebäudeecken Windgeräusche und Verwehungen begünstigen.

Von den Sonnenschutzelementen ausgenommen ist lediglich ein breiter Fassadenstreifen auf der Ostseite des Forschungsgebäudes. Er erstreckt sich über die gesamte Höhe des Turms und belichtet die sogenannten Science Plazas, drei übereinandergelagerte offene Lern- und Kommunikationszonen, die jeweils über vier beziehungsweise fünf Geschosse reichen. Hier können sich Besucher, Studierende und Angestellte austauschen, ihre Pause verbringen oder einfach nur die Aussicht genießen. Verbunden werden sämtliche Ebenen über eine holzverkleidete Wendeltreppe, die als architektonische Skulptur die Blicke auf sich zieht.

Neben dem Gebäude selbst soll auch der öffentlich zugängliche Campuspark zur kommunikativen Interaktion von Stadt und Bauwerk beitragen. Seine Rasenflächen und Rabatten erweitern den dynamisch geformten Grundriss in den Stadtraum; ein Zickzack-Steg überspannt das Gelände und ermöglicht den Passanten sowohl eine ungewöhnliche Nähe zur Architektur als auch spannende Ausblicke auf die Umgebung.

Sonnenschutz

Die Sonnenschutzanlage an der Fassade besteht aus insgesamt 3.300 geschosshohen Einzelelementen aus gekantetem Kupferblech, von denen rund zwei Drittel feststehend, der Rest beweglich ist. Die Grundfläche der in regelmäßiger Reihung auf einer Rahmenkonstruktion fest montierten Elemente ist die eines rechtwinkligen Dreiecks. Parallel zu deren schrägen Seiten, die mal nach links, mal nach rechts weisen, sitzen in geöffnetem Zustand die beweglichen Elemente. Sie sind oben und unten an Schienen aufgehängt und schieben sich stufenlos und einen stumpfen Winkel beschreibend vor die Glasfassade (sh. Abb. 26). Dies geschieht je nach Sonnenstand und Innentemperatur vollautomatisch, um die Aufheizung vor allem der Labore auf ein Minimum zu reduzieren.

Durch die stetige Bewegung der Sonnenschutzshutter ändert sich das Antlitz der Fassade kontinuierlich und lockert den ansonsten gnadenlos eingehaltenen Rhythmus der Gebäudehülle auf. Eine feine Perforierung sorgt auch bei geschlossenen Schiebeläden für eine natürliche Belichtung der Räume und erlaubt zudem Ausblicke. Ist dagegen eine vollständige Verdunkelung oder nur ein partieller Blendschutz gewünscht, lässt sich ein zusätzlicher, zweilagiger textiler Sonnenschutz herabfahren.

Dass die Architekten Kupfer als Material wählten, hat mit dem Sonnenschutz oder einer anderen Funktion übrigens nichts zu tun. Vielmehr spiegelt es den Anspruch wider, das hohe Bauwerk in die historische Stadtsilhouette der dänischen Metropole adäquat einzubinden – eine Vorgabe des Wettbewerbs. Und so entschieden sich die Planer für Kupfer als Referenz an die Kirchtürme Kopenhagens, von denen einer in direkter Nachbarschaft zum Forschungsgebäude steht. Wenn der erdige Braunton des Metalls durch die hellgrüne Patina belegt ist, die das Material nach einer Weile ansetzt, erhoffen sie sich eine ähnlich identitätsstiftende Wirkung für die Skyline der Stadt.

Bautafel

Architekt: C. F. Møller Architects, Kopenhagen
Projektbeteiligte: SLA, Kopenhagen (Landschaftarchitekten); Rambøll, Kopenhagen (Gebäudetechnik); Aggebo & Henriksen, Tisvildeleje (Innengestaltung); Waagner-Biro Stahlbau, Wien (Kupferlieferant)
Bauherr: The Danish Property Agency für die Universität Kopenhagen; unterstützt von der A.P. Møller Stiftung
Fertigstellung: 2017
Standort: Mærsk Tårnet, Blegdamsvej 3B, 2200 Kopenhagen, Dänemark
Bildnachweis: Adam Mørk, Kopenhagen

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