Logistikhalle von Mayoral bei Málaga

Zweischichthülle aus Polycarbonat und Zinkblech

Der spanische Kindermodenhersteller Mayoral aus Málaga exportiert in mehr als 100 Länder. Viele der Kleidungsstücke werden noch immer in Spanien gefertigt. Den ausgedehnten Firmencampus ergänzt seit 2023 eine weitere Logisitkhalle, entworfen vom ortsansässigen Büro System Arquitectura.

2023 wurde die Halle fertiggestellt.
Westlich benachbart ist eine denkmalgeschützte Shedhalle, die ebenfalls zum Modeunternehmen gehört.
Die geschwungene Fassade wirkt wie ein Vorhang.

Alte Textilkathedrale

Das Areal, rund sieben Kilometer westlich vom historischen Stadtzentrum und vom Hafen und nur zwei Kilometer nördlich des Flughafens gelegen, hat eine traditionsreiche Vorgeschichte. Zahlreiche Freiflächen und ein östlich angrenzendes Wohngebiet mit dem Namen Intelhorce verweisen auf die ehemalige „Textilkathedrale“ von Málaga: Industrias Textiles del Guadalhorce, benannt nach dem bei Málaga ins Mittelmeer mündenden Río Guadalhorce, wurde 1957 als Staatsunternehmen gegründet, auf Initiative von Francisco Franco. Nach der Privatisierung 1986 und dem Konkurs 1997 war das Unternehmen von einem Teil der einst 3.200 Beschäftigten übernommen und in verkleinerter Form bis 2004 weiterbetrieben worden.

2013 erwarb Mayoral nach jahrelangem Leerstand das Gelände. Eine denkmalgeschützte, gut 210 Meter lange Halle mit Y-förmigen Betonpfeilern, vorgefertigten Stahlbetonbindern und Bogensheddach ist heute das einzige erhalten gebliebene Gebäude des früheren Intelhorce-Fabrikkomplexes. Sie wurde 2018 ebenfalls vom Büro System Arquitectura saniert und zu einem ersten Logistiklager umgebaut. Im Inneren wurde die charakteristische Tragstruktur des Ursprungsentwurfs von Ramón Vázquez Molezún (1922–1993), von dem auch der spanische Pavillon der Expo Brüssel 1958 stammte, herausgearbeitet. System Arquitectura entwarfen eine neue, dynamisch-schräg gefaltete Fassade aus glasfaserverstärkten Betonpaneelen, die an gefalteten Stoff erinnert und mit ihrem Schattenwurf die Aufheizung durch die Sonneneinstrahlung mindert.

Neue Textilkathedrale

Direkt östlich davon hat dasselbe Architekturbüro eine zweite Logistiklagerhalle geplant, in der bis zu 12.000 Lager- und Versandeinheiten pro Stunde bewegt werden können. Auch die neue Halle sollte eine textile, vor allem aber leichte Anmutung bekommen. Denn mit 15.000 Quadratmetern Grundfläche ist sie zwar „nur“ halb so groß als die ältere Halle, aber mit 20 Metern Höhe fast doppelt so hoch.

Um dem enormen Gebäudevolumen die Massivität zu nehmen, wurden zwei Ideen verfolgt: Erstens wurden die Seiten in konkaven Bögen nach innen gezogen, sodass die Grundrissform einem Kissen ähnelt. Die Nordseite teilte man asymmetrisch in zwei Bögen. Zweitens wurde eine semitransparente Hülle entwickelt, die wie ein Vorhang die großen Fassadenkurven in eine Sequenz unterschiedlicher, kleinerer Bögen gliedert und zugleich die Tragstruktur durchscheinen lässt.

Die Konstruktion mit insgesamt 1.900 Tonnen Stahl überspannt mehr als 25 Meter in Nord-Süd- und 32 Meter in Ost-West-Richtung. Sie hat einen hohen Vorfertigungsgrad und setzt sich aus unterschiedlichen Stahlrohrgitterträgern zusammen. An den Ost- und Westfassaden sind Dreieck-Gitterstützen positioniert, im Halleninneren Zwei-Punkt-Gitterstützen mit Y-förmigen Köpfen – als Reminiszenz an die Betonpfeiler der von Vázquez Molezún entworfenen Nachbarhalle.

Lager, Büro und Kantine

Im nördlichen Hallenfünftel ist über die gesamte Breite eine 4,50 Meter hohe Galerie mit 2.700 Quadratmetern Lagerfläche eingezogen. Von dieser Ebene aus führt eine fast 15 Meter hohe Spindeltreppe zu einem Dachausstieg. Entsprechend der Unterteilung der Nordfassade ist der Raum unter der Galerie in zwei Bereiche geteilt. Der größere, östliche Teil bildet die Lieferzone mit sechs in den großen Fassadenbogen integrierten Laderampen. Im kleineren, westlichen Teil sind Büros, Umkleiden, Sanitärräume und eine kleine Kantine angeordnet. Der zugehörige Außenbereich ist als Vorgarten mit Palmen gestaltet.

Für Fluggastaugen gestaltet

Nördlich der beiden Hallen befinden sich noch zehn Hektar Brachfläche des ehemaligen Fabrikkomplexes, die Mayoral als Reserveflächen für künftige Erweiterungen vorhält. So pragmatisch wie poetisch wurde ihr Anblick aus den landenden Flugzeugen inszeniert: Zwischen ein Netz aus geschwungenen Wegen breitet sich farbig sortierter und unterschiedlich grob geschredderter Bauschutt aus dem Intelhorce-Abriss aus. Das unregelmäßige, mehrfarbige Wellenmuster korrespondiert mit den geschwungenen Seiten des Neubaus. Vor der denkmalgeschützten Halle ist ein 70 Meter breiter Mayoral-Schriftzug in den Boden integriert.

Fassade: außen Lochblech, innen Polycarbonat

Um die gewünschte, textil anmutende Leichtigkeit der großen Fassadenflächen zu erreichen, entwickelten die Architekt*innen eine zweischichtige Hülle. Die beiden Schichten haben einen Abstand von etwa drei bis vier Metern, im Zwischenraum befindet sich eine Tragstruktur mit Gitterstützen und -trägern aus Stahlrohr. 

Mikroperforierte, beidseitig lackierte und gesäumte Zink-Profilbleche bilden die Außenhaut. Sie sind auf eine Unterkonstruktion geschraubt, die aus horizontalen, entsprechend den Bogenradien vorgebogenen und gelenkig mit der Tragstruktur verbundenen Rechteckrohren besteht. Transluzente Mehrkammer-Polycarbonatpaneele bilden die raumseitige Fassadenhaut. Die 30 Millimeter starken und einen Meter breiten Paneele sind auf eine Tertiärstruktur aus Aluminiumprofilen geschraubt, die von einer Sekundärstruktur aus verzinkten und einbrennlackierten Stahlrohren gehalten werden.

Die Polycarbonatschicht verbindet Langlebigkeit, Schlagfestigkeit, Wärmedämmung, Regen- und UV-Schutz mit einer gleichmäßigen Streuung des durch die perforierten Außenhaut gefilterten Tageslichts. Diese wiederum schützt das Polycarbonat vor direkter Sonneneinstrahlung und verringert den Wärmeeintrag ins Gebäude.

Bautafel

Architektur: System Arquitectura, Málaga
Projektbeteiligte: Rafael Urquiza (veranwortlicher Architekt bei System Arquitectura) Rafael Roa Hernández (kooperierender Architekt, Technik), Alberto Urquiza (Industrieingenieur), CEMOSA, Málaga (Bauingenieure), Grupo Empresarial sando, Málaga (Bauausführung), STC und PACISA, Madrid u.a. (Installationen)
Bauherr*in: Mayoral Moda Infantil
Fertigstellung: 2023
Standort: Avenida de José Ortega y Gasset, 453, Campanillas, 29006 Málaga, Spanien
Bildnachweis: Fernando Alda, Sevilla (Fotos); System Arquitectura, Málaga (Pläne)

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