Kosmetikstudio MDC Loft in Berlin

Waldgrün trifft auf Rosé und Kanariengelb

Gleich mehrere Salons, die sich im weitesten Sinne als Kosmetikstudios bezeichnen lassen, betreibt Melanie Dal Canton in Berlin. In ihren minimalistisch eingerichteten Studios bieten sie und ihr Team allerlei Gesichts- und Körperbehandlungen, Maniküren, Pediküren und Pflegeprodukte an. Sämtliche Filialen wurden von dem Büro Gonzalez Haase AAS gestaltet. In dem sogenannten MDC Loft, das in einem ehemaligen Künstleratelier auf der Knaackstraße untergebracht ist, sorgen eine aufeinander abgestimmte Farbpalette und raumgliedernde Vorhänge für eine optisch und akustisch ruhige Atmosphäre.

Die Gestalter*innen setzten auf frische und doch beruhigende Farben.
Für die Küchenzeile kommen dunkles Grün und leuchtendes Kanariengelb zum Einsatz.
Das Gelb wird von eingefärbten Spiegeln aufgegriffen.

Von der Waschküche zum Kosmetiksalon

Das Studio befindet sich im obersten Geschoss eines Gründerzeitbaus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg unweit des Kollwitzplatzes, der dem Kiez seinen Namen gibt. Charakteristisch für die Blockrandbebauung aus dieser Zeit sind die nach oben hin abnehmenden Geschosshöhen. Während im Vorderhaus in der sogenannten Bel Etage die repräsentativen Wohnungen der wohlbetuchten Bürger*innen gelegen waren, befanden sich in den oberen Geschossen und in den Hinterhäusern einfachere Wohnungen, in denen unter anderem das Personal und die Dienstbot*innen lebten. Die Räume des heutigen Kosmetiksalons waren einst eine Waschküche. Zuletzt wurden sie als Künstleratelier genutzt, ehe sie von Gonzalez Haase AAS zum Schönheitssalon umgestaltet wurde.

Vom Licht geleitet

Raumprägendes Element ist die großflächige, zum Dachrand hin gewölbte Fensterfront aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die gekrümmten Glasscheiben lassen die Innenräume wie einen Wintergarten anmuten. Statt tropischer Pflanzen und Paradiesvögeln finden sich hinter der Verglasung jedoch Einbaumöbel und Vorhänge in dunklem Grün, sattem Gelb und einem zarten Roséton, die an Blüten und Blätter denken lassen. Eine roh belassene Backsteinwand und ein heller, gemaserter Dielenboden verleihen dem Interieur Struktur. Ein besonderer Hingucker ist ein gelb eingefärbter, rahmenloser Spiegel, der das seitlich einfallende Tageslicht reflektiert und den Raum in einen sonnigen Farbton taucht.

Die Architekt*innen Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez haben beide einen beruflichen Hintergrund in der Szenografie. Dieser spiegelt sich auch in ihren Projekten wider, die oftmals Elemente aus dem Bühnenbild aufgreifen. Beispielsweise arbeiten sie viel mit skulpturalen Einbaumöbeln, an Schienen geführten Leuchten und verspiegelten Flächen, die ihren Räumen eine theatrale Wirkung verleihen. Im MDC Loft wurden diese Mittel eher mit Zurückhaltung eingesetzt, damit eine entspannende Atmosphäre während der kosmetischen Behandlungen erzeugt werden kann.

Akustisch wirksame Vorhänge als Raumteiler

Die beiden Behandlungsräume sind lediglich durch schallreduzierende Trennvorhänge voneinander separiert und lassen sich je nach Bedarf flexibel konfigurieren. Die mehrlagigen Vorhänge weisen durch eine spezielle Membran im Inneren einen besonders hohen Schallabsorptionsgrad auf. Für die äußeren Gewebe kommen Akustikstoffe zum Einsatz, während der Kern aus einer weichen, biegsamen Membran aus synthetischem Kautschuk besteht. Letztere verstärkt die schallabsorbierenden Eigenschaften der Akustikstoffe. Mithilfe derart gefertigter Vorhänge lassen sich flexible Ruhezonen schaffen, in denen der Schallpegel um bis zu 23 Dezibel gesenkt werden kann. Geführt werden die schweren Vorhänge an Metallschienen mit leicht laufenden Spezialrollgleitern. Eine gebogene Schiene in der Ecke des Behandlungsraums greift die Form der Glasscheiben auf.

Eine Besonderheit der Vorhänge liegt in ihrer Farbgebung: Von außen unterscheiden sie sich farblich – während der Vorhang des einen Raumes in einem gedeckten Grünton gehalten ist, wählten die Planenden für den zweiten ein leuchtendes Kanariengelb. Innenseitig sind beide in einem ruhigen Rosaton gehalten, der für eine angenehme Atmosphäre während der Behandlung sorgt. -np

Bautafel

Innenarchitektur: Gonzalez Haase AAS, Berlin
Projektbeteiligte: Grune & Slangen, Berlin (Einbauten und Tischlerarbeiten); Gebäudetechnik Andreas Otto, Berlin (Elektro); LTS Licht & Leuchten, Tettnang (Leuchten); Zielke & Vogel Raumkontor, Berlin (Raumausstattung); Création Baumann, Langenthal (Vorhangsystem und Stoff)
Bauherr*in: Melanie Dal Canton Cosmetics, Berlin
Standort: Knaackstraße 26, 10405 Berlin
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Noshe, Berlin (Fotos); Gonzalez Haase AAS, Berlin (Pläne)

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