Kita an der Bleiche in Friedrichsdorf

Effizienzhaus mit Ausblick

Zu klein und stark sanierungsbedürftig – als in Friedrichsdorf Ende der 2010er-Jahre über die Zukunft der Kita Kunterbunt debattiert wurde, fiel die Entscheidung für einen Neubau. Die Kleinstadt im Norden der Metropolregion Frankfurt am Main rechnete mit dem weiteren Zuzug junger Familien. Für den absehbar steigenden Bedarf wählte die Gemeinde ein Grundstück am Park an der Bleiche. Hier planten Prosa Architektur + Stadtplanung die neue Kita mit Platz für 120 Kinder. 2024 wurde sie eröffnet.

Der Haupteingang befindet sich am Versprung des Baukörpers.
Rückwärtig grenzt das Kita-Gelände an den Park an der Bleiche.
Ein Laubengang säumt die Parkfassade.

Erfrischend grün

An einer Straßenkreuzung mit Kreisverkehr gelegen, wählten die Architekt*innen einen L-förmigen Grundriss, der den Außenbereich abschirmt. Mit seinen aneinandergereihten flachen Satteldächern und dem homogen grünen Anstrich erinnert der Baukörper ein bisschen an eine Gewerbehalle. An den zur Straße gerichteten Giebeln geben bodentiefe Fenster die Gruppenräume zu erkennen. Wo die L-Form abknickt, verspringt das Gebäude und markiert so den Haupteingang.

Parkseitig säumt ein mit perforierten Trapezblechen geschützter Laubengang das Gebäude. Dahinter sind Holzlattung und Dachsparren erkennbar. Rückwärtig befindet sich auch der Außenbereich mit einem großen Sandkasten und einer Rundstrecke für Spielfahrzeuge. Außerdem finden die Kinder hier Sitzpodeste, ein Wasserspiel und eine Rutsche vor. Große Sonnenschirme und der üppige Baumbestand spenden Schatten. Hinter dem Zaun beginnt bereits der Park – leicht zugänglich über ein kleines Tor.

Kompakt und klar

Ausgehend vom Haupteingang teilt ein breiter Flur den Grundriss in einen Bereich für die beiden Gruppen der Unterdreijährigen (links) und einen Bereich für Küche und Speiseraum sowie Büro- und Technikräume (rechts). Die Flurachse weitet sich zum Mehrzweckraum mit Zugang zum Außenbereich. Links davon schließt das Treppenhaus an, sodass zwei sinnvolle Brandabschnitte entstehen. Ein von Garderoben und Einbauschränken eingefasster Stichflur erschließt die beiden Gruppenräume mit Sanitär- und Schlafräumen sowie einen multifunktionalen Bereich. 

Im Obergeschoss sind die vier Gruppenräume der Überdreijährigen untergebracht, erschlossen von einem Spielflur mit Elternraum. Dieser verfügt auch über Zugang zu einer Dachterrasse. Die Gruppenräume sind alle zum Laubengang orientiert, sodass auch sie unmittelbaren Bezug zum Außenraum haben. Der Laubengang, an dessen Enden sich jeweils eine Treppe befindet, dient einerseits als zweiter Fluchtweg. Andererseits bietet er mit seiner Auskragung und der perforierten Hülle Schutz vor der Sonne. Die klare Struktur soll den Kindern die Orientierung erleichtern. Weiß und Holzoberflächen prägen die Innenräume, mit grünen Akzenten.

Dämmung: Holzbau im Effizienzhausstandard

Den Architekt*innen war es ein Anliegen, den Einsatz mineralischer Baustoffe, vor allem auf Zementbasis, auf ein Minimum zu reduzieren. Lediglich Treppenhaus und Aufzugsschacht sind von Stahlbetonwänden umgeben. Aus Stahlbeton sind auch die Bodenplatte und Fundamente. 

Davon abgesehen sind die Geschosse mit Holzständerwänden und Vollholzdecken konstruiert. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist mit Steinwollplatten mit einseitiger Vlieskaschierung gedämmt. Diese sind nichtbrennbar und weisen einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λʙ = 0,035 W/mK auf. Als Wetterschale wurden Holzlatten gewählt. Eine weitspannende Sparrenkonstruktion bildet das begrünte Dach. Über dem Haupteingang wurde auf einem flachen Dachabschnitt eine Photovoltaikanlage installiert.

Beheizt wird die Kita durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Die beiden Kompaktlüftungsanlagen schaffen es, dass rund 80 Prozent der in der Abluft steckenden Wärme zurückgewonnen und zur Erwärmung der zugeführten Frischluft genutzt werden können. Den Planenden gelang es, ein KfW-Effizienzhaus 55 zu realisieren, sprich die Kita benötigt höchstens 55 Prozent des Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG).

Bautafel

Architektur: prosa Architektur + Stadtplanung, Darmstadt
Projektbeteiligte: Tragwerksplanung: Ingenieurgesellschaft Tragwerk Angnes + Meister, Ingelheim (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Schöning, Linden-Leihgestern (HLS); Ing.-Arbeitskreis Stefan, Friedberg (Elektroplanung); Grebner Bauphysik, Frankfurt am Main (Bauphysik); PGNU Planungsgesellschaft Natur & Umwelt, Frankfurt am Main (Freianlagenplanung); Rockwool, Gladbeck (Hersteller Fassadendämmplatte Fixrock 035)
Bauherr*in: Magistrat der Stadt Friedrichsdorf
Fertigstellung: 2024
Standort: Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 13, 61381 Friedrichsdorf
Bildnachweis: Lars Gruber, Rahel Welsen (Fotos); prosa Architektur + Stadtplanung (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Steinwolle gehört zur Gruppe der der Mineralwolle und zu den im Bauwesen am häufigsten verwendeten Dämmstoffarten

Steinwolle gehört zur Gruppe der der Mineralwolle und zu den im Bauwesen am häufigsten verwendeten Dämmstoffarten

Dämmstoffe

Steinwolle

Bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden trägt neben der Dämmebene auch eine Luftschicht zum Wärmeschutz bei.

Bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden trägt neben der Dämmebene auch eine Luftschicht zum Wärmeschutz bei.

Wand

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)

Surftipps

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Dämmstoffe sponsored by:
Deutsche Rockwool | Kontakt 02043 / 408 408 |  www.rockwool.de