Kindertagesstätte in Berlin-Mitte

Erweiterung und energetische Sanierung eines Typenbaus der DDR

In den letzten Jahren hat sich rund um den Arkonaplatz im Berliner Bezirk Mitte eine Menge getan. Zwischen der Bernauer und Schwedter Straße sind zahlreiche neue Wohngebäude entstanden, in denen vorrangig junge Familien mit Kleinkindern leben. Durch den stetigen Zuwachs von Kindern stieß eine naheliegende Kindertagesstätte bald an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Zu DDR-Zeiten errichtet, benötigte das Gebäude außerdem dringend eine Modernisierung. Der Altbau wurde schließlich nach Plänen des Berliner Büros Anderhalten Architekten grundsaniert und um einen Ergänzungsbau erweitert. Statt bisher 70 können nun 180 Kinder aufgenommen werden.

Gartenseite mit holzverkleideten, großflächig verglasten Boxen
Im Inneren sind die Räume schlicht in Weiß und Grau gestaltet, helle Grüntöne setzen Akzente
Treppe im Foyer

Der doppelgeschossige, kastenförmige Typenbau aus den 1960er Jahren verläuft etwas zurückgesetzt entlang der Fürstenberger Straße inmitten der für Berlin typischen Blockrandbebauung mit zum Teil gründerzeitlichem Ursprung. Im Blockinneren erstreckt sich der begrünte Außenbereich mit viel Platz zum Spielen. Hier entstand an der westlichen Grundstücksgrenze der zweigeschossige, riegelförmige Anbau, der rechtwinklig an das ehemals grau-beige Bestandsgebäude anschließt.

Alt- und Neubau verbinden sich zu einem L-förmigen Baukörper mit einer Brutto-Grundfläche von 2.390 m². Zum begrünten Außenbereich öffnet sich der Neubau über dem Sockelgeschoss in Form dreier großzügig verglaster, auskragender Boxen. Durch das Zurückversetzten des Obergeschosses sind zwischen den Boxen geschützte Außenbereiche entstanden, die als Terrassen genutzt werden. Metalltreppen bieten den Kindern die Möglichkeit, den Spielplatz auf schnellem, direkten Wege zu erreichen, ohne dass sie das zentrale Treppenhaus nutzen müssen. Diese Vor- und Rücksprünge erzeugen ein lebendiges, rhythmisch gegliedertes Fassadenbild.

Die Rohbaukonstruktion des nicht unterkellerten Neubaus erfolgte in Stahlbeton, sämtliche Wände wurden als tragende Scheiben aus Blähbetonelementen errichtet. Im Erdgeschoss erhielten die Außenwände eine Verkleidung aus witterungsbeständigen, verschieden grünfarbigen Paneelen. Einen Kontrast hierzu bildet die vorgehängte, vertikal verlaufende Lärchenholzfassade der Boxen. Sämtliche Fenster des Anbaus sind isolierverglast und in Holzrahmen ausgeführt.

Sanierung und Modernisierung
Die Tragstruktur des Altbaus blieb weitestgehend in ihrer bestehenden Form erhalten, eine neue Treppe und ein Aufzug im Foyer ergänzen nun die interne Erschließung. Die Fassaden erhielten eine der Energieeinsparverordnung entsprechende Mineralwolldämmung, einen mineralischen Glattputz sowie einen weißen Anstrich. Die alten Fenster wurden entfernt und analog zum Neubau erneuert. Zwischen den Fenstern wurden ebenfalls grün gefärbte Paneele angeordnet, die einen Kontrast zur weißen Fassade bilden. Um den Haupteingang hervorzuheben, tritt hier der holzverkleidete Neubau als auskragendes Volumen mit großen runden, asymmetrisch angeordneten Fenstern in Erscheinung.

Von dem zentral gelegenen Foyer werden alle weiteren Räume über breite Spielflure erschlossen. Im Erdgeschoss sind die Kleinkinder der Krippe untergebracht, außerdem ein großer Abstellraum für Kinderwagen, die Küche sowie weitere Neben- und Lagerräume. Die Gruppenräume der älteren Kinder sind in den großflächig verglasten Holzboxen im Obergeschoss untergebracht. Hier befindet sich auch ein Kinderrestaurant, das zudem als Mehrzweckraum für Vorführungen, Versammlungen oder zum Spielen genutzt werden kann.

Alle Räume sind durch viel Licht und Transparenz gekennzeichnet. Innentüren, die zu den von den Kindern genutzten Räumen führen und die Treppengeländer aus Beton sind in einem hellen Mintgrün gestaltet. Das erleichtert den Kindern die Orientierung innerhalb des Gebäudes. Decken, Wände und Böden sind in schlichtem Weiß und Grau ausgeführt. Sämtliches Mobiliar besteht aus lasierten Schichtholzbauteilen.

Die Beheizung der Kindertagesstätte erfolgt über Sole-Wasser-Wärmepumpen. Acht Bohrungen von je 100 m Tiefe ermöglichen den Entzug der Erdreichtemperatur, die über den Solekreislauf zur Wärmepumpe transportiert wird. Hier erfolgt die Anhebung des Temperaturniveaus auf etwa 28 bis 35°C. Anschließend wird die erzeugte Wärme an Fußbodenheizungen abgegeben. Auf diese Weise kann etwa 60% der Heizleistung bereitgestellt werden. Die restliche Wärmeenergie erzeugt die vorhandene Kesselanlage. Die Flachdachflächen sind zum Teil extensiv begrünt. Anfallendes Regenwasser wird in Zisternen gesammelt und für die WC-Spülungen im Kindergarten genutzt.

Bautafel

Architekten: Anderhalten Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Wolfgang Schöning, Berlin (Projektleiter); Marek Sander, Berlin (Bauleitung); Ingenieurbüro Domann, Berlin (Beratende Ingenieure); Thomak Duquesnoy Boemans Landschaftsarchitektur, Berlin (Freiraumplanung)
Bauherr: Kindergärten City, Berlin
Fertigstellung: 2011
Standort: Fürstenberger Str. 4-5, 10435 Berlin
Bildnachweis: Doris Haas-Arndt, Hannover und Kati Türschmann, Berlin

BauNetz Architekt*innen

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