Keine Furcht vor Monotonie!

Keine Furcht vor Monotonie!

Philipp Meuser (Hrsg.)

Texte von Hans Schmidt zum seriellen Wohnungsbau
DOM Publishers, Berlin 2025
160 Seiten, 25 Abbildungen, Format: 21 × 23 cm, Softcover

Preis: 28 EUR

ISBN 978-3-86992-787-0

Der Schweizer Architekt und Architekturtheoretiker Hans Schmidt (1893-1972) widmete sich über Jahrzehnte den Anforderungen an Kleinst- und Einzimmerwohnungen, dem seriellen und kostensparenden Bauen, der Typisierung mit Typenkatalogen und der industriellen Produktion von Wohnungen. Als überzeugter Sozialist und Kommunist lebte und arbeitete er in den 1930er-Jahren in der Sowjetunion. Nach seiner Flucht aus der Stalin-Sowjetunion zog er in den 1950er-Jahren in die DDR. Dort veröffentlichte er als engagiertes Mitglied der Deutschen Bauakademie der DDR seine Theorien und Vorschläge in Fachzeitschriften und Tageszeitungen, hielt Vorträge und nahm an Konferenzen teil. 1969 kehrte er nach Basel zurück, wo seine Arbeiten, u.a. von Werner Oechslin an der ETH Zürich gewürdigt wurden.

Philipp Meuser, Architekt, Verleger und Hochschullehrer in Charkiw/Ukraine, hat nun zwölf Schriften von Hans Schmidt ausgewählt und in einer kommentierenden Einführung in den zeitgeschichtlichen und aktuellen Kontext der Wohnungsmarktkrise eingeordnet. Die Titel der Texte sind Programm, so beispielsweise:

  • Bauvorschriften und Minimalwohnung (1929)
  • Keine Furcht vor Monotonie! (1956)
  • Typisierung und Industrialisierung des Wohnungsbaus in der Deutschen Demokratischen Republik (1957)
  • Wohnungen nach Typenkatalog (1957)
  • Muss industrielles Bauen langweilig sein? (1962)  

Schmidt entwarf Vorlagen für reduzierte Wohnungsgrundrisse mit optimierten Flächen und suchte nach Möglichkeiten, durch Vorfertigung Kosten zu reduzieren und die Montage vor Ort zu beschleunigen. Er befragte auch DDR-Hausfrauen, um die Bedürfnisse der Bewohner*innen besser zu verstehen. Sein lebenslanger unermüdlicher Einsatz galt der Schaffung bezahlbarer Wohnungen und deren „Produktion“, wie er es nannte, um den immensen Bedarf in Städten wie Moskau oder Berlin zu decken. Dieses Anliegen ist bis heute in allen Metropolen der Welt aktuell.

Allerdings fällt bei der Lektüre seiner Schriften auf, dass Schmidt Fenster und Türen nur als zweitrangige Bestandteile von Fassaden und Wänden sah und nicht als architektonische Komponenten, die wesentlich zur Aufenthaltsqualität beitragen. Vielmehr beschäftigt ihn die Herstellung standardisierter Bauelemente wie „Großblöcke­­­, Treppen, Fenster, Füllkörper und Betonträger“, die „in der ganzen Republik überall einheitlich herzustellen und auf allen Baustellen anzuwenden“ seien (Zitat: Wohnungen nach Typenkatalog, 1957). Zum Verständnis der Plattenbauhochhäuser ist die Lektüre dieser Schriften aufschlussreich – etwa zum Typ TW/58L1-B, den Schmidt humorvoll und selbstbewusst wahlweise als neues Flugzeug, chemische Formel oder 2,5-Zimmer-Wohnung in Gera beschreibt. -sj

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Beim Begriff Fensterband handelt es sich um eine meist waagerechte Aneinanderreihung von Fenstern, die nur durch Rahmen, Pfosten oder schmale Blindfenster unterbrochen sind (im Bild: zeitgenössische Fensterbänder, Berlin, Gewers Pudewill, 2020).

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Fensterarten

Fensterband

Bei Rasterfassaden wird überwiegend ein zweidimensionales planebenes orthogonales Raster verwendet. Im Bild: Baustelle Ergänzung Galeria Kaufhof, Berlin, Architektur: Kleihues + Kleihues

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Konstruktion/​Funktion

Rasterfassade

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