Jogersö Sommerhäuser in Oxelösund
Rückzugsort in der Natur
Oxelösund ist eine Gemeinde in der Provinz Södermanland an der Ostküste Schwedens. Der auf einer Halbinsel gelegene Ort zeichnet sich durch seine malerische Küstenlandschaft und Hafenanlagen aus und ist ein beliebtes Ziel für Natur- und Erholungssuchende. Aus dem Wunsch heraus, jederzeit in der idyllischen Umgebung dem Alltag entfliehen zu können, beauftragte eine Familie die Architekten Anton Kolbe und Per Nadén mit dem Entwurf eines Feriendomizils auf einem Wassergrundstück. Entstanden sind zwei zurückhaltende Häuschen, die der Topografie des Geländes folgen und sich zum Wasser orientieren.
Ein Feriendomizil, zwei Häuschen
Das nördlich gelegene Haupthaus umfasst die Küche, den Wohn- und Aufenthaltsbereich sowie ein kleines WC. Im kleineren Schlafhaus befinden sich zwei Schlafzimmer und ein Bad. Eine hölzerne Terrasse verbindet die beiden Baukörper. Breite Holzstufen sind abschnittsweise in das schroffe Gelände integriert und erleichtern den Zugang zum Wasser. Beide Gebäude sind mit sägerauer Holzverschalung versehen. An der dem See zugewandten Seite erhält das Haupthaus durch gehobelte Kiefernbretter beidseitig des gemauerten Kamins, die lediglich mit Leinöl behandelt wurden, ein helles und freundliches Fassadenbild. Großzügig auskragende Pultdächer schützen die Baukörper seeseitig vor Niederschlag und intensiver Sonneneinstrahlung.
Form follows Topografie
Vier Stufen führen von der Terrasse zum Eingangsbereich des Haupthauses. Der kompakte Vorraum bietet ausreichend Platz für Garderobe und Schuhablage. Links vom Eingang befinden sich Klappläden, die von innen wie ein Wandschrank wirken. Anders als üblich sind sie nicht vor verglasten Öffnungen angebracht, sondern in die Fassade zurückversetzt montiert. Sie lassen sich vollständig nach außen öffnen und stellen bereits im Entree eine direkte Verbindung zur umgebenden Natur her. An den Flur schließen die offene Küche mit Essbereich sowie – der Geländetopografie folgend – der um drei Stufen erhöhte Wohnbereich an. Die Innenraumgestaltung ist durch den konsequenten Einsatz von Holz geprägt: Wände, Einbauten und Möbel greifen das Material mit unterschiedlicher Oberflächenbearbeitung auf und verleihen dem Haus eine warme und natürliche Atmosphäre.
Offene Küche mit gemütlichem Flair
Schränke mit Kieferfurnier, Fronten mit cremefarbenem Linoleum und langen, weich profilierten Griffen aus Kiefernholz prägen die Küche. Anstelle einer Dunstabzugshaube steht der Herd vor einem kleinen Schiebefenster, sodass der Dampf direkt nach draußen entweichen kann. Ein weiteres Schiebefenster fängt die Morgensonne ein und ermöglicht zugleich das einfache Durchreichen von Speisen und Geschirr zwischen Küche und Terrasse in einer überdachten Nische. Mit der dunklen Granitarbeitsplatte schlagen die Planenden eine gestalterische Brücke zur felsigen Landschaft im Außenraum.
Weite Blicke auf die Landschaft
Im Übergang zwischen Küche und Wohnzimmer ist ein gemauerter Kamin platziert. Die Stufen vor dem Kamin sind ebenfalls aus Ziegeln gefertigt. Auf der Küchenseite wird der Höhenversprung als hölzerne Sitzbank für den Esstisch genutzt. Großzügige Festverglasungen zu beiden Seiten des Kamins eröffnen weite Blicke auf das Wasser und lassen reichlich Tageslicht in den Innenraum. Eine gemütliche Sitzecke lädt am Ende des Raumes zum Verweilen ein. Auch hier kommen massive, in die Fassade zurückversetzte Fensterläden zum Einsatz, die eine direkte Verbindung zwischen Innen- und Außenraum schaffen. Eine Schiebetür mit Griffmuschel aus verchromten Metall schirmt das Badezimmer vom restlichen Wohnbereich ab.
Nahtlose Übergänge zwischen innen und außen
Das Schlafhaus ist eingeschossig organisiert. Der Eingang befindet sich mittig auf der dem See abgewandten Ostseite. Ein kleiner Flur mit angrenzendem Badezimmer verbindet das nördlich gelegene Einzelschlafzimmer mit dem größeren Schlafzimmer auf der Südseite. Vier verglaste Fenstertüren an der Westfassade, ausgestattet mit polierten Drehkipp-Beschlägen aus Chrom, öffnen die Räume direkt zum Badesteg hin. Eine einzelne, erhöhte Stufe übernimmt dabei zugleich die Funktion einer Sitzbank.
Bautafel
Architektur: Anton Kolbe & Per Nadén, Stockholm
Projektbeteiligte: Per Thor (Bauunternehmer)
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2023
Standort: Oxelösund, Schweden
Bildnachweis: Per Nadén & Anton Kolbe, Stockholm (Fotos und Pläne)