Jacques Prévert Public Services Center in Évry-Courcouronnes

Dachgärten, Terrassen und Solardach

Ein neues Bürgerzentrum ist Anlaufstelle und Treffpunkt für die Menschen in Évry-Courcouronnes südlich von Paris. Die in der französischen Hauptstadt ansässigen HEMAA Architectes planten das Jacques Prévert Public Services Center, eine Art Stadtteilrathaus der kommunalen Verwaltung für die Bezirke Les Pyramides und Le Bois Sauvage. Der multifunktionale und barrierefrei konzipierte Gebäudekomplex bietet jedoch sehr viel mehr: ein Eltern-Kind-Zentrum, eine Kindertagesstätte, einen Veranstaltungssaal mit bis zu 180 Sitzplätzen, ein soziokulturelles Zentrum mit Tanzstudio, Kunst- und Musikräumen sowie ein Areal mit Internet-Zugang für alle. 

Mit seiner warmroten Ziegelfassade, hellen Holzbalken und verschieden großen Fensteröffnungen zeigt das Stadtteilzentrum ein freundliches Erscheinungsbild.
Der Gebäudekomplex nimmt einen städtischen Baublock ein und hat mehrere Zugänge.
Die sogenannte Rue interieure verläuft als Haupterschließung durch das Gebäude.

Untergliederter Baublock

Das Gebäude aus ein- bis zweigeschossigen Quadern nimmt einen städtischen Baublock gegenüber der Place Jules Vallés ein. Dorthin richtet sich auch der nördliche Haupteingang, weitere Zugänge befinden sich an der Süd- und Westseite. Als zentrale Erschließung fungiert eine lichtdurchflutete „Rue intérieure“. Sie verläuft versetzt zur Mitte und trennt einen länglichen Riegel mit Veranstaltungssälen und kultureller Nutzung von den übrigen Bereichen. Ein baumbepflanzter Innenhof untergliedert diese im Erdgeschoss – er dient als Freibereich der Kita. Im Obergeschoss rahmt eine galerieartige Dachterrasse den Hof und bietet Ausblick in die Umgebung. Dachterrassen befinden sich auch an den Enden der Rue interieure, d. h. oberhalb der Ein- und Ausgänge.  

Warmrote Ziegelfassade

Mit einer warmroten und ornamentierten, teils lichtdurchlässigen Ziegelfassade, hellen Holzbalken und verschiedenen großen Fensteröffnungen zeigt das Stadtteilzentrum ein freundliches Erscheinungsbild. Die höheren Baukörper legen sich schützend um den Gebäudekern, lassen einladend Durchgänge frei. Ein- und Ausblicke sind von verschiedenen Ebenen möglich. Richtung Innenhof und zu den Dachterrassen öffnen sich die Räume über große Verglasungen. 

Holzrahmenbau mit Strohdämmung

Die Konstruktion in Holzrahmenbauweise mit Strohdämmung (37 cm dicke Strohballen, bündig mit der Holzkonstruktion) auf einer Basis aus Beton liegt weitgehend geschützt hinter dem Ziegelmauerwerk. Die Dächer sind begrünt und mit der Nachbarbebauung auf etwa gleicher Höhe. Die Dachgärten sind ökologische Ausgleichsfläche, Rückzugsorte und Erholungsraum. Die vielfältige Gestaltung soll einer mannigfaltigen Flora und Fauna Raum bieten. Ein leichtes Metalldach oberhalb der internen Erschließungsachse ist mit Photovoltaikpaneelen ausgestattet und dient der Versorgung mit Solarstrom.   

Flachdächer: Rückhaltung von Regenwasser

Die Dachgärten sind mit Retentionselementen ausgestattet. Fallen große Mengen Regenwasser an, werden diese zwischengespeichert (zusätzlich in einem Regenwassertank) und zeitverzögert wieder abgegeben. Die Bewässerung erfolgt kontrolliert mithilfe eines Tropfsystems; die allmähliche Verdunstung trägt zur Abkühlung und Verbesserung des Kleinklimas bei. 

Gefälle, Abdichtung und Nutzungsvielfalt

Beim Solardach wird das Gefälle konstruktiv oberhalb der tragenden Holzbalken hergestellt. Dies gilt auch für das begrünte Dach der Gemeindeverwaltung, welches differenzierte Substrathöhen bzw. Erdschichten aufweist. Bituminöse Abdichtungsbahnen auf den gefällegebenden Holzwerkstoffplatten schützen die Konstruktion vor Feuchtigkeit. Es folgt eine trittfeste und robuste Dämmschicht. Die Entwässerung vollzieht sich Richtung Innenhof, die Dachgärten sind durch Brüstungen umfasst. Als Terrassenbelag dienen aufgeständerte Holzdielen; darunter bilden Bitumenbahnen die Abdichtung auf formstabilen, tragfähigen Dämmplatten. -us

Bautafel

Architektur: HEMAA Architectes, Paris
Projektbeteiligte: AFC Paysage, Saint-Étienne-de-Montluc, Frankreich (Landschaftsplanung); Ote, Paris et Otelio, Illkirch (Beratende Ingenieure); Rubner Holzbau (Holzrahmenkonstruktion); Thermosani, Servon (Dachabdichtung); Delta Sud, Clairac (Mauerwerk)
Bauherr: City of Évry-Courcouronnes, Frankreich
Fertigstellung: 2026
Standort: 3, place Jules Valles, 91000 Évry-Courcouronnes, Frankreich
Bildnachweis: Charles Bouchaib, Sergio Grazia

Fachwissen zum Thema

Nicht belüftete Flachdächer sind die gängige Konstruktion im Neubau (Abb.: Wohnbebauung am Gleispark, KSP Engel, 2020)

Nicht belüftete Flachdächer sind die gängige Konstruktion im Neubau (Abb.: Wohnbebauung am Gleispark, KSP Engel, 2020)

Wärmeschutz

Dämmung von nicht belüfteten Flachdächern

Beispiel Aufbau eines einfachen Sedumdaches

Beispiel Aufbau eines einfachen Sedumdaches

Gründächer

Dränschichten bei Dachbegrünungen

Nicht nur in Großstädten kann eine hohe Bodenversiegelung bei langanhaltendem Niederschlag problematisch werden (Abb.: Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin).

Nicht nur in Großstädten kann eine hohe Bodenversiegelung bei langanhaltendem Niederschlag problematisch werden (Abb.: Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin).

Gründächer

Regenrückhaltung/Retention durch und auf Gründächern

Gießverfahren

Gießverfahren

Bitumendachbahnen

Verarbeitung und Verlegung von Bitumenbahnen

Tipps zum Thema

Planungshilfen

Feuchteschutz bei Flachdächern in Holzbauweise

Planungshilfen

Flachdächer in Holzbauweise

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Flachdach sponsored by:
Paul Bauder GmbH & Co. KG | Korntaler Landstraße 63 | 70499 Stuttgart | www.bauder.de