Installation: Liminality in Motion in Montpellier

Licht, Luft und Schatten erfahrbar machen

Im Juni 2026 verwandelte das Festival des Architectures Vives (FAV) (deutsch: Festival der lebendigen Architekturen) die historische Altstadt von Montpellier zum zwanzigsten Mal in eine Bühne für zeitgenössische Architektur und Kunst. In sonst verborgenen Innenhöfen und privaten Villen waren ortsspezifische Installationen junger Architekturschaffender zu entdecken, die den Dialog zwischen historischer Bausubstanz und neuen räumlichen Konzepten anregen. Unter den Projekten war auch die Installation Liminality in Motion – As Boundaries Begin to Move der japanischen Architektin Yurika Takemura von Yurica Design & Architecture, die von der Jury mit dem Premier Prix du Jury Spécial 20 ans ausgezeichnet wurde. Mit schwebenden Metallgeweben schuf sie in einem historischen Innenhof ein atmosphärisches Zusammenspiel von Licht, Luft und Schatten.

Mit ihrem Projekt wollte Takemura die bereits vorhandenen Qualitäten des historischen Innenhofs neu ins Bewusstsein rücken: von den Kalksteinflächen der Bebauung über das einfallene Sonnenlicht, die sanfte Brise bis hin zum Blick in den offenen Himmel.
Zentrales Element war eine etwa zwölf Meter über dem Boden schwebende Metallgewebestruktur.
Die Gewebe waren in zwei Schichten an viereckigen Stahlrahmen befestigt und über Drahtseile von den Innenhofwänden abgehängt.

Mit dem Ort entwerfen

Mit ihrem Projekt wollte Takemura die bereits vorhandenen Qualitäten des historischen Innenhofs neu ins Bewusstsein rücken – von den charakteristischen Kalksteinflächen der umgebenden Bebauung über das mediterrane Sonnenlicht und die sanfte Brise bis hin zum Blick in den offenen Himmel. Statt dem Ort ein weiteres Objekt hinzuzufügen, entwickelte sie die Installation als räumliches Instrument, das diese atmosphärischen Qualitäten aufgriff, verstärkte und sinnlich erfahrbar machte.

Ein Vorhang aus Metall

Zentrales Element war eine etwa zwölf Meter über dem Boden schwebende Metallgewebestruktur. Inspiriert von traditionellen japanischen Noren – textilen Raumteilern, die von der Decke herabhängen. Die Gewebe waren in zwei Schichten an viereckigen Stahlrahmen befestigt und über Drahtseile von den Innenhofwänden abgehängt. In ihrer Grundrissform nahm die Installation die Geometrie des Innenhofs auf. Die Besucher*innen konnten die beiden Schichten durchschreiten und durch ihre Bewegung in Schwingung versetzen. Gleichzeitig reagierte das leichte Metallgewebe auf Wind und Luftzüge im Innenhof und machte somit deren Existenz sichtbar.

Spiel aus Licht und Schatten

Eine wesentliche Rolle spielte dabei das Sonnenlicht. Traf es auf die silberfarbenen Gewebe, entstanden wechselnde Lichtreflexe und bewegte Schatten auf den umgebenden Flächen. Gleichzeitig reduzierte das Gewebe die direkte Sonneneinstrahlung und übernahm damit die Funktion eines temporären Sonnenschutzes.

Spuren der Stadt

Im Zentrum der Installation befand sich eine kreisförmige Anordnung transparenter, tropfenförmiger Medaillons aus Harz, die frei im Raum schwebten. Die ebenfalls über Drahtseile abgehängten Körper bildeten innerhalb der Metallgewebe einen eigenen Bereich. In ihre Oberflächen wurden Abdrücke und Strukturen von Straßen und historischen Innenhöfen Montpelliers eingearbeitet. Damit griffen auch sie die Charakteristika des Ortes auf und übersetzten sie in ein räumliches Detail.

Im Dialog mit der Installation

Ergänzend zur Installation präsentierte Takemura während des Festivals eine immersive Performance, die gemeinsam mit der Künstlerin Yui Takeshima und der Performerin Haruna Kawamura entwickelt wurde. Inspiriert von den körperbezogenen Ausdrucksformen des traditionellen japanischen Nō-Theaters trat die Performance in einen Dialog mit der Installation. Im Mittelpunkt stand das japanische Konzept awai, das einen Zustand des Dazwischen beschreibt: Grenzen zwischen Selbst und anderen, Innen und Außen werden durch Bewegung, Wahrnehmung und Präsenz nicht als feststehend, sondern als veränderlich erfahrbar.

Bautafel

Architektur: Yurica Design & Architecture, Nara, Japan
Projektbeteiligte: Yurika Takemura (Architektur); Prof. Tohru Horiguchi (Mentor); Yui Takeshima (Performance); Haruna Kawamura (Performance)
Bauherr*in: Festival des Architectures Vives (FAV), Montpellier
Fertigstellung: 2026
Standort: Historischer Innenhof (Hortoles), Montpellier, Frankreich
Bildrechte: Mathis Espagne; PhotoArchitecture (Fotos)

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Funktionen

Gestaltung von Licht und Schatten

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Materialien

Glas und Metall

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