Hotel Noord in Carolinensiel

Neubau und Sanierung zwischen Altstadt und Meer

Auf dem ostfriesischen Festland, in unmittelbarer Nähe zu den Nordseeinseln Wangerooge und Spiekeroog, liegt der beschauliche Ort Carolinensiel. Von dessen historischem Museumshafen zieht sich die Harle gut zwei Kilometer bis zum Strand Harlesiel. An dem Flussufer befindet sich das Hotel Noord, geplant vom Architekturbüro Angelis und Partner. Wo einst ein Bauernhof stand, bietet die Unterkunft heute ein breites Spektrum an Zimmern, Gastronomie und Wellness. Neben einer detailverliebten Innenraumgestaltung setzten die Planenden auf ein naturnahes Wassermanagement im Außenbereich. 

Vier Neubauten im norddeutschen Charme ergänzen ein Bestandsgebäude.
Die schlichte Fassadengestaltung fügt sich in eine zurückhaltende Außenraumgestaltung ein. Mit Pflastersteinen und Regenrückhaltebecken wird hier ein naturnahes Wassermanagement ermöglicht.
Das äußere Erscheinungsbild steht im Kontrast zur detailverliebten Innengestaltung – rot verklinkert, mit Satteldach und auskragenden Blendgiebeln fügt sich das Hotel in die Umgebung ein.

Nordseeheilbad Carolinensiel

Fürst Georg Albrecht von Ostfriesland gründete Carolinensiel im Jahr 1730 und benannte es nach seiner Gemahlin Sophie Caroline von Brandenburg-Kulmbach. Ermöglicht wurde die neue Besiedlung durch die Eindeichung des Carolinengrodens im Jahr 1729. Ein Sielhafen im Zentrum gewährleistete die Entwässerung und den Handel. Im 19. Jahrhundert erlebte der Ort seine Blütezeit als bedeutendes Zentrum in Ostfriesland – mit regem Schiffsverkehr, Werften, Brauereien und zahlreichen Gastuben. Heute erinnert der Museumshafen mit seinen historischen Plattbodenschiffen an die maritime Vergangenheit. Seit 2021 ist Carolinensiel dank der salzhaltigen Seeluft und dem nahen Wattenmeer ein anerkanntes Nordseeheilbad. Der Grundstein wurde durch den 1953 aufgeschütteten Badestrand gelegt. Seither siedeln sich verschiedene Freizeit- und Tourismuseinrichtungen entlang der Harle an. 

 

Urlaub zwischen Altstadt und Meer 

Auf halber Strecke zwischen Altstadt und Nordseestrand gelegen, bietet das Hotel Noord einen naturnahen Standort für seine Gäste. Für die Hotelanlage ergänzten Angelis und Partner ein Bestandsgebäude mit vier Neubauten. Sie kernsanierten ein historisches Gulfhaus aus dem Jahr 1891 und ertüchtigten es der neuen gastronomischen Nutzung entsprechend. Die Neubauten umfassen drei Gästehäuser und ein u-förmiges Hauptgebäude. Im norddeutschen Charme – rot verklinkert, mit schlichter Typologie, Steildach und überstehenden Blendgiebeln – fügen sie sich behutsam in die Umgebung ein. 

 

Für die Übernachtung können die Gäste zwischen den vier Neubauten wählen. Das Hauptgebäude bietet 73 Zimmer und 13 Suiten, die für Gruppen und Familien geeignet sind. Die Gästehäuser sind als ruhige Rückzugsorte gedacht und mit 36 Zimmern und 24 Apartments ausgestattet. Im Dachgeschoss des Haupthauses befindet sich ein Wellnessbereich. Ein Fokus lag auf der Innenraumgestaltung: schlichtes dänisches Design ergänzt maßgeschneiderte Tischlerarbeiten. Die Architekt*innen statteten jedes Zimmer mit Eichenholzparkett, ebenerdigen Regenwasserduschen und großzügigen Boxspringbetten aus.

 

Regenwassermanagement

Einen weiteren Schwerpunkt legten die Planenden auf das Wassermanagement im Außenbereich. Wege und kleinere Plätze sind gepflastert und ermöglichen die Versickerung von Regenwasser. Zusätzlich fangen Regenrinnen das Wasser auf den Terassenanlagen und vor den Haupteingängen auf. Für die behutsame Integration der Rinnen entschieden sich die Planenden für ein Produkt aus recycelbarem Kunststoff, das der salzhaltigen Nordseeluft standhält und korrosionsbeständig ist. Durch das 350 Meter lange System gelangt das Regenwasser in die Grundstücks-interne Kanalisation und fließt von dort in ein Regenrückhaltebecken, wo es langsam versickert. Im Fall von Starkregenereignissen leitet ein Notüberlauf das überschüssige Wasser in die Harle. Das Regenrückhaltebecken ergänzt die umliegenden Grünflächen und ist als gestalterisches Element in die Landschaft eingepflegt.

Bautafel

Architektur: Angelis & Partner
Projektbeteiligte: IB Bröggelhoff, Oldenburg (Ingenieurberatung), IB Dammann, Oldenburg (Gebäudetechnik), Chorablau, Hannover (Landschaftsarchitektur), ACO, Büdelsdorf (Entwässerungssystem Multiline NX aus NEXITE®)
Bauherr*in: Norddeutsche Bau NB 
Fertigstellung: 2024
Standort: Friedrichsschleuse 1, 26409 Wittmund
Bildnachweis: Fotoduda und ACO Büdelsdof

Fachwissen zum Thema

Rund 50 Prozent des anfallenden Regenwassers auf Grundstücken kann an Fassaden niedergehen. Sie müssen neben Dach- und Freiflächen daher ebenfalls bei der Planung von Entwässerungskonzepten mitgedacht werden.

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Freiflächen in städtischen Gebieten dienen als Orte der Erholung, des sozialen Zusammentreffens oder der sportlichen Betätigung.

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