Hotel im Werksviertel in München

Modulare, industriell vorgefertigte Fertigteilfassade aus Klinker und Beton

Das Architekturbüro Hild und K hat im Münchner Werksviertel ein sechsgeschossiges Hotel geplant, das die Ästhetik der Bestandsarchitektur des ehemaligen Industriegeländes aufnimmt. Die architektonischen Zutaten: Klinker, Beton und eine Dämmung aus Steinwolle. Dazu gesellt sich eine Landschaftsplanung von Stefanie Jühling, die die strenge Fassadengestaltung auflockert. Das Interieur fällt auf durch ein unkonventionelles Miteinander von Materialien wie Leder, Samt und Messing, kräftigen Farben und lässigen Vintage-Objekten.

Das Werksviertel hinter dem Münchner Ostbahnhof hat sich von einer Industriebrache in ein gemischtes Viertel verwandelt. Hier treffen Wohnen, Arbeit, Kultur und Gastronomie aufeinander.
Als Dämmmaterial kommt nichtbrennbare Steinwolle zum Einsatz.
Blick in den Hof: Die Außenanlagen wurden von der Münchner Landschaftsarchitektin Stefanie Jühling gestaltet.

Neubau im Industrial Look

Das einstige Industrieareal hinter dem Münchner Ostbahnhof, dessen Lager- und Werkshallen jahrelang als Kreativ- und Veranstaltungsorte dienten, wird sukzessive umstrukturiert. Zukünftig vereint es als sogenanntes Werksviertel die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gastronomie. In der Atelierstraße 7 eröffnete 2020 das Gambino Hotel Werksviertel, das vom Berliner Architekturbüro Hild und K geplant wurde. Das Gebäude verfügt über ein Sockelgeschoss mit nahezu quadratischer Grundfläche. Der darauf ruhende Baukörper zeichnet bis zum dritten Geschoss eine U-Form nach und geht in den folgenden Etagen in einen L-förmigen Grundriss über. Während sich in den drei Untergeschossen eine Tiefgarage und Fahrradstellplätze befinden, sind im Erdgeschoss des Hotels Lobby, Einzelhandelsflächen und Gastronomie untergebracht. Die insgesamt 303 Zimmer unterschiedlicher Kategorien befinden sich in den Geschossen des aufsitzenden Volumens.

Eklektische Lässigkeit im Interieur

Das Hotel ist das zweite Gasthaus der jungen Hotelmarke und zugleich das vierte der Geschwister Sabrina und Alessandro Gambino in der Isarmetropole. Das Interiordesign kommt leger daher – mit Sichtbetonwänden, haptischen Materialien wie Samt und Leder, Vintage-Möbeln, -Leuchten und -Accessoires. So wurden beispielsweise alte Waschtröge, Leuchten aus den Lagerhallen und Werkbänke aufgearbeitet und erinnern daran, dass das Gelände einst von der Firma Pfanni genutzt wurde. Die Zimmer sind mit Flächen zwischen 13 und 21 Quadratmetern relativ klein gehalten, was nicht überrascht, schließlich handelt es sich um ein Budget-Hotel. Ein besonderes Augenmerk wurde neben hochwertigen Betten auf die Gestaltung der bodentiefen Schallschutzfenster gelegt, die als behagliche Sitznischen ausgebildet sind.

Fertigteilfassade mit Tragschale, Dämmung und Sichtschale

Das Gebäude wurde mit einer mehrschichtigen Fertigteilfassade aus Klinker und Beton errichtet. Die Module fassen die Elemente Tragschale, Dämmung und Sichtschale und somit die Fertigungsschritte für Rohbau und Fassade zusammen. Zum Einsatz kommt Steinwolle, die über gute Dämmeigenschaften verfügt und als nicht brennbar eingestuft ist. Sogar die Filigrandecken und -wände sowie die Bäder wurden vorproduziert, weshalb der Planungsprozess im Vorfeld technisch und organisatorisch anspruchsvoll war. Die Fassadenteile mit der schuppenartigen Anordnung der Klinkerriemchen sind sehr exakt gefertigt, was vor Ort in dieser Präzision nicht möglich gewesen wäre, so das Architekturbüro. Indem die großformatigen Ziegel in eingefärbten Beton eingelegt wurden, entstand ein lamellenartiger Vorhang, der abwechslungsreiche Licht- und Schattenspiele erzeugt. -csh

Bautafel

Architektur: Hild und K Architekten, München/Berlin
Projektbeteiligte: Berk & Partner Bauingenieure, München (Tragwerksplanung); Wolfgang Spiegl Ingenieurbüro für technische Gebäudeausrüstung, München (Haus- und Elektrotechnik); Rockwool, Gladbeck (Dämmstoffe); Stefanie Jühling Landschaftsarchitektin, München (Landschaftsarchitektur); Peter Mutard Ingenieurgesellschaft für Technische Akustik, Schall- und Wärmeschutz, München (Bauphysik); Baubar Ingenieurgesellschaft, München (Bauleitung); Fritz Eichbauer Bauunternehmung, Parsdorf (Rohbau); Hemmerlein Ingenieurbau, Bodenwöhr (Fassade); m&p interior - Sabina Medori Interior Design, München (Innenarchitektur)
Bauherr/in: OTEC, München
Fertigstellung: 2020
Standort: Atelierstraße 7, 81671 München, Deutschland
Bildnachweis: Michael Heinrich, München; Gambino Consulting/Oliver Florian, München; Hild und K Architekten, München/Berlin (Grundrisse/Pläne)

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