Hochwasserschutz in Steyl
Balkon an der Maas
Am Ufern der Maas liegt das niederländische Klosterdorf Steyl. Ende des 19. Jahrhunderts gründete Arnold Janssen dort mit den Steyeler Missionaren eine katholische Ordensgemeinschaft, zu der auch zwei Gemeinschaften von Missionsschwestern zählen. Zusammengenommen bilden sie das Klosterdorf Steyl, das heute rund 3.600 Einwohner*innen zählt. Seit 2008 steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Ein wichtiger identitätsstiftender Bezugspunkt des Ortes ist der Fluss. Doch bei Starkregenereignissen kann dieser zur Gefahr werden. Um den historischen Dorfkern in Zukunft vor Überflutung zu bewahren, entschied sich die Gemeinde, ein neues Hochwasserschutzsystem zu errichten. Das von dem Amsterdamer Büro NEXT architects gemeinsam mit Trafique geplante Bauwerk schützt die Bewohner*innen in Zukunft vor bis zu drei Metern Hochwasser.
Auf den ersten Blick ist der Hochwasserschutz kaum zu erkennen. Stattdessen erscheint die sanierte Flusspromenade als einladender öffentlicher Ort, mit einer Sitzlandschaft aus Bänken, niedrigen Mauern und Sitzstufen: Als Balkon an der Maas soll die Baumaßnahme Anwohner*innen und Besuchende einladen, die Nähe zum Wasser zu genießen. Teil der neugestalteten Anlage sind auch Grünflächen. Einzig zwei massive Mauern aus Flusssteinen zu beiden Seiten der Promenade markieren für aufmerksame Spaziergänger*innen, dass man eine Hochwasserschutzanlage betritt. Nach der Flutkatastrophe 2021, die auch in Deutschland zu verheerenden Zerstörungen führte, initiierte die Gemeinde den Bau eines neuen Hochwasserschutzsystems. Das Projekt ist Teil eines umfassenden nationalen Hochwasserschutzprogramms der Niederlande, in dessen Zuge in den nächsten dreißig Jahren rund 2.000 Deichkilometer errichtet werden sollen.
Hochwasserschutz im Einklang mit dem Dorfbild
Doch nicht an jedem Ort ist ein Deich gewünscht. Gerade in Orten wie Steyl, die von einer engen Beziehung zum Fluss geprägt sind, besteht die Herausforderung darin, die Bewohner*innen nicht vollständig vom Wasser abzuschirmen. Dies können flexible Hochwasserschutzsysteme leisten, die bei Bedarf hochgefahren werden. Die Besonderheit des in Steyl umgesetzten Systems besteht darin, dass sich dieses selbst steuert. Die durchgehende Hochwassersperre mit einer Gesamtlänge von 134 Metern besteht aus vierzehn einzelnen Segmenten. Bei Niedrig- oder Normalwasser liegen die Klappen flach auf und sind mit einer Belagskonstruktion versehen, die über ihre gesamte Länge eine durchgehende Sitzbank bildet. Steigt das Wasser, klappen die Segmente gemeinsam nach oben und bilden eine durchgehende Barriere, die vor bis zu drei Meter hohem Hochwasser schützt.
Selbstgesteuerte Funktionsweise
Die einzelnen Segmente bestehen aus einem Stahlrahmen, an dem darunterliegende Auftriebselemente befestigt sind. Steigt der Flusspegel, füllt sich die Unterkonstruktion mit Wasser, in welcher die Auftriebselemente untergebracht sind. Diese schwimmen dann von selbst nach oben. Gummiprofile sorgen an der Unterseite und zwischen den Segmenten für eine wasserdichte Abdichtung. So wird aus der Aufenthaltsplattform bei Hochwasser ein durchgehendes Schutzsystem. Die seitlichen massiven Steintore, die im rechten Winkel zum Schutzsystem stehen, verankern das System. Diese ausgeklügelte selbstschließende Technik, genannt Vlotterkering®, entstand in einer Kooperation mehrerer Firmen und wurde in Steyl zum ersten Mal in dieser Form und Länge eingesetzt. Es könnte auch anderen Gemeinden als Vorbild dienen, denn die Klimakrise erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle und damit das Risiko für Überschwemmungen. -hs
Bautafel
Architektur: NEXT architects, Amsterdam und Trafique
Projektbeteiligte: Dijkzone Alliantie Steyl v.o.f. (Dura Vermeer, Ploegam, Hollandia Infra, Maters en De Koning, Svasek hydraulics, Fugro)
Bauherrschaft: Limburg Water Authority
Fertigstellung: 2025
Standort: Steyl, Venlo, Niederlande
Bildnachweis: Eva Bloem (Fotos); NEXT architects, Trafique (Pläne)
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