Hauptsitz von Merck Serono in Genf

Hochtransparente Fischschuppen-Fassade mit windfestem Verschattungssystem

Wie ein Universitätscampus organisiert ist der Hauptsitz des Pharmaherstellers Merck Serono in der Schweiz: Neben einer Vielzahl von Büros und Laboren, Treffpunkten, Versammlungs- und Konferenzräumen finden sich hier auch Restaurants und Cafeterien, Läden, eine zentrale Bücherei, ein Fitnessbereich und eine Kindertagesstätte. Herzstück der Anlage ist ein gläserner Neubau nach Plänen des Architekturbüros Murphy/Jahn, der eine großräumige Verbindung des historischen Bestands am Genfer See schafft. Dazu gehören Industriebauten des späten 19. Jahrhunderts ebenso wie Erweiterungen aus den 1950er Jahren. 

Hochtransparente Fassade mit innen- und außenliegendem Sonnenschutz
Ein riesiges Atrium verbindet alle Bereiche des Firmencampus
Auch wenn die äußere Verschattung aus Edelstahl ausgefahren ist, gelangt viel Tageslicht nach innen.

Entstanden ist ein transparentes Netzwerk offener, geschlossener und wandelbarer Räume, die alle zu einem zentralen Atrium führen. Dessen gigantisches Glasdach ist beweglich und lässt sich öffnen, die hohen Zugänge sind um ein mittiges Gelenk drehbar, so dass hier die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen.

Wesentliches Ziel bei diesem Gebäude, das ein Ergebnis der engen Zusammenarbeit von Helmut Jahn, Werner Sobek und Matthias Schuler ist, war die Minimierung des Energieverbrauchs - und zwar unter Einsatz leichter Tragstrukturen und neuer Glastechnologien. Zu etwa 70% kann der Bedarf des weitläufigen Unternehmenssitzes aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Dazu trägt vor allem ein Heiz- und Kühlsystem in Decken und Wänden bei, gespeist durch Wasser des Genfer Sees. Der gesamte Komplex wird darüber hinaus weitgehend natürlich belichtet und belüftet.

Fassade
Eine hohe Qualität der Raumluft, angenehme Temperaturen und komfortable Lichtverhältnisse sollen die Arbeitsbedingungen in der Unternehmenszentrale unterstützen. Die Fassade trägt wesentlich zum Erreichen dieser Ziele bei. Überlappende, leicht geneigte Glasflächen, in der Struktur Fischschuppen oder Dachschindeln ähnlich, bilden die hochtransparente Fassade. Die doppelte Verglasung wirkt hochdämmend, stark absorbierend und reflektierend gegenüber Sonneneinstrahlung, lässt zugleich aber viel Tageslicht in die Räume.

Ein speziell entwickeltes, ausziehbares und windfestes Verschattungssystem aus Edelstahl sorgt für den notwendigen Schutz und ermöglicht doch hohe Transparenz zwischen innen und außen. Es ist in Halbrundkästen untergebracht, die über Konsolen an der Element-Fassade (teilweise senkrecht, teilweise um etwa 8° an der geschuppten Glasfassade geneigt) befestigt sind. Ausgefahren sind die Bahnen etwa 1,25 x 3,00 m groß, auch Sonderanfertigungen in mehr als doppelter Breite kommen zum Einsatz.

Trotz ihrer Neigung erscheint die Fassade transparent, verringert aber den solaren Wärmeeintrag um etwa 85% - abhängig vom Sonnenstand. Jedes Fassadenmodul ist zusätzlich mit einem innenliegenden, textilen Blendschutz ausgestattet. Die Hülle aus Stahl und Glas wird unterstützt durch ein zentrales Gebäudemanagement, das auch die Belichtung in Abhängigkeit vom Tageslicht steuert.

Bautafel

Architekten: Murphy/Jahn, Chicago
Projektbeteiligte: Werner Sobek Ingenieure, Stuttgart (Tragstrukturen, Fassade); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energietechnik); Thomas Jundt Ingenieure, Genf (Statik); Permasteelisa, Treviso (Hersteller Fassade); MHZ (Hersteller Sonnenschutz)
Bauherr: Merck Serono, Genf/CH
Fertigstellung: 2007
Standort: 9, Chemin des Mines, 1211 Genf 20
Bildnachweis: MHZ

Fachwissen zum Thema

Elementfassade mit integriertem Sonnenschutz am Hegau Tower in Singen, Architekten: Murphy/Jahn

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Fassadenarten

Elementfassaden

Isolierverglasungen in verschiedenen Ausführungen Hauptbahnhof Berlin, Architekten: von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp)

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Materialien

Glas

Außen liegender Sonnenschutz s_enn aus Micro-Edelstahllamellen von MHZ an der Fassade des Merck Serono Headquarter in Genf, Architekten: Murphy/Jahn

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Zusatzelemente

Sonnenschutz

Feststehende, mit Keramik bestückte Vertikallamellen am Clay-Museum in Middlefart; Architektur: Kjaer & Richter, Aarhus

Feststehende, mit Keramik bestückte Vertikallamellen am Clay-Museum in Middlefart; Architektur: Kjaer & Richter, Aarhus

Zusatzelemente

Sonnenschutz außen

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