Hainan Science Museum in Haikou

Ein Kern aus Stahl und Beton

Das futuristisch anmutende Hainan Science Museum verdankt seine Form nicht nur dem Inhalt als Ausstellungsort für Wissenschaft und Technologie. Der Entwurf, der auf das Pekinger Büro MAD Architects gemeinsam mit seinem Gründer Ma Yansong zurückgeht, bezieht sich auch auf den Ort sowie auf das Bestreben, eine hohe Materialeffizienz zu erzielen.

Offenliegende Tragstruktur mit partiell bekleideter Fassade während der Bauphase.
Das von MAD Architects und dessen Gründer Ma Yansong geplante Bauwerk wird 2025 fertiggestellt sein.
Blick entlang der sich nach oben schraubenden, biomorphen Außenhülle

Verortet ist es an der Westküste der Stadt Haikou in der südchinesischen Provinz und Insel Hainan. Diese ist durch ein warmes Klima sowie von einer üppigen Tropenlandschaft geprägt. Gleichzeitig ist Haikou das politische, wirtschaftliche, technologische und kulturelle Zentrum der Provinz. Das seit 2020 geplante Hainan Science Museum wird noch bis zum Jahr 2025 errichtet. Mit rund 40.000 Quadratmeter Fläche befindet sich das Areal in einem neuen Stadtteil rund um einen Freihandelshafen. Neben weiteren Neubauten, etwa für eine Schule oder die Verkehrserschließung, ist das Bauwerk von der vorhandenen Naturlandschaft mit Feuchtgebieten umgeben. Der Entwurf für die neue Bildungs- und Kulturstätte versucht laut Architekt*innen den natürlichen, tropisch geprägten Kontext mit der städtischen Umgebung zu verzahnen. Öffentlich zugänglich gestaltete Gartenanlagen mit einheimischer Bepflanzung werden das Bauwerk umspielen und so die Brücke zum natürlichen Bestand der Feuchtgebiete schlagen.



Wolkenähnliche Struktur mit effizientem Innenleben

Das runde, sich nach unten verjüngende Gebäude mit biomorphen Zügen wird fünf oberirdische Geschosse mit insgesamt rund 28.000 Quadratmetern Fläche sowie ein unterirdisches Geschoss umfassen. Es schraubt sich bereits jetzt förmlich empor, denn seit Sommer 2023 ist das markante Hauptgebäude bereits fertiggestellt. „Der Entwurf ähnelt einem ‚Aufwind‘ und ahmt die Aufwärtsbewegung warmer Luft von der Erdoberfläche nach“, berichten die Architekt*innen. In der Form zeigt sich aber auch eine weitere wichtige Absicht hinter dem Konzept: Das Museumsgebäude sei so entworfen, dass unnötige Flächen und überflüssiger Materialeinsatz vermieden werden. Der konstruktive Kern, die Bodenplatten und die Hauptstruktur sind direkt mit dem gebogenen Fassadenkleid verbunden. Daraus ergäbe sich eine effiziente Nutzung der Ressourcen, gleichzeitig orientiere sich das bewusst reduzierte Design am Bewegungsfluss innerhalb des Gebäudes sowie an der Funktion der Räume, wie die Planer*innen weiter erklären.



Umfangreiches Raumprogramm entlang einer sich empor schraubenden Spirale
Das auffällige Volumen wird neben Ausstellungsräumen auch ein Planetarium und ein Großbildkino beinhalten. Dabei werden Gäste aller Altersstufen bedacht. Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene geht die Reise auf der obersten Ebene los. Dort bieten sich nicht nur Fernblicke auf die Stadt und das Meer, auch warten Ausstellungsflächen, die den Themen Technologie und Weltraum gewidmet sind, auf die Besuchenden. Wie ein „gewundener DNA-Strang“ verläuft eine Rampe entlang der weiteren thematischen Ebenen nach unten. Dabei begegnen einem etwa Galerien für Meeres- und Biowissenschaften im vierten Obergeschoss oder für Mathematik und Naturwissenschaften im dritten. Durch eine Glaskuppel fällt Sonnenlicht bis in die Tiefe des Atriums und hüllt die Rampe in weiches Licht. Für die jüngeren Kinder warten in den unteren Etagen oder im Garten Erholungs- und Spielflächen.




Vom massiven Kern zur feingliedrigen Stahlstruktur
Schließlich zeigt sich die Besonderheit des Gebäudes auch in seiner aufwendigen Struktur. Die Primärkonstruktion besteht aus Beton mit Stahlträgern und Traversen. Daran befestigt und daraus heraus ragt die Sekundärstruktur, die aus Stahl gefertigt ist. Einem Gerüst ähnlich fächert sich diese Konstruktionsschicht immer kleinteiliger auf bis hin zur dritten Struktur, die das Fassadenkleid aufnimmt. Die äußere Hülle, eine silbern schimmernde Vorhangfassade, setzt sich aus insgesamt 843 Platten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) zusammen. Die speziell für das vor Ort herrschende tropische Klima konzipierten Paneele weisen dabei offene Nähte und wasserleitende Rillen auf, die die Entwässerung gewährleisten. Die inzwischen vollständig verhüllte Konstruktion ließ sich während der Bauphase eindrucksvoll von außen betrachten. Bis zur offiziellen Eröffnung muten Visualisierungen das Endergebnis des bereits jetzt schon international viel beachteten Bauwerks an.

Bautafel

Architektur: Ma Yansong mit MAD Architects, Peking
Projektbeteiligte: Haikou Construction Engineering Co, Hainan (Projektmanagement); China Construction Eighth Engineering Division Corp., Dubai (Bauunternehmen); CCDI (Bauleitung, Signaletik und Innenarchitektur, letzteres zusammen mit MAD Architects); RFR Shanghai (Fassadenplanung); EADG (Landschaftsarchitektur); Ning Field Lighting Design (Lichtplanung); Tongji Architectural Design (Ausstellungsplanung)
Bauherr*in: Haikou Association for Science and Technology
Standort: Haikou, Hainan, China
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: MAD Architects (Baustellenbilder, Pläne und Visualisierungen); China Construction Eighth Engineering Division Corp. (Luftbild)

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