Grundschule mit Mensa am Schulzentrum Kinderhaus in Münster

Umkehrdach mit Photovoltaik

Ganz im Norden von Münster befindet sich der Stadtteil Kinderhaus, Verwaltungssitz des Stadtbezirks Münster-Nord. Das in den 1970er Jahren entstandene Schulzentrum Kinderhaus mit Gymnasium, Real- und Grundschule erstreckt sich auf einem Areal, welches an den Ortskern anknüpft und zugleich den nordöstlichen Siedlungsrand ausbildet. Aus einer Machbarkeitsstudie im Jahr 2017 resultierte die Empfehlung, die Grundschule am Kinderbach zu erweitern und eine Mensa für alle Schülerinnen und Schüler zu ergänzen. Den nachfolgenden Wettbewerb konnte das ortsansässige Büro Kuckert Architekten für sich entscheiden. Das Planungsteam entwarf einen zweigeschossigen Baukörper als Erweiterung des von Harald Deilmann geplanten, ein- bis dreigeschossigen Gebäudekomplexes, der sich wie selbstverständlich an der Ostseite eingliedert. Im Norden und Westen rückt er dicht an den denkmalgeschützten Bestand heran und gliedert die Freibereiche neu.

Sichtbeton prägt den kantigen Baukörper mit Räumen für die zweizügige Grundschule und einer Mensa für alle Schülerinnen und Schüler.
Betonlamellen in Gelb und Rot als Sicht- und Sonnenschutz setzen farbige Akzente.
Der Speisesaal der Mensa tritt eingeschossig hervor, darüber befindet sich eine Dachterrasse.

Angepasst und selbstbewusst

Obwohl sich der Neubau eindeutig auf die vorhandene, in der Höhe gestaffelte Struktur bezieht, weist er doch ein klar zeitgenössisches Erscheinungsbild auf. Heller Sichtbeton kennzeichnet den lang gestreckten Flachbau und rahmt eine auf zwei Geschossen dunkel gefasste, zurückliegende Fensterebene. An der Süd- und Ostseite tritt die Mensa im Erdgeschoss als kantiges Volumen hervor, bekrönt von einer Dachterrasse. Farbige Akzente setzen vertikal eingespannte Betonlamellen in Gelb und Rot – hier griffen die Planenden Farbtöne der Fensterrahmen im Bestand auf. Die Lamellen markieren die geschützten Freibereiche, Veranden und Laubengänge, vor dem Speisesaal und den Klassenräumen. In unregelmäßigen kleinen und größeren Abfolgen bilden sie einen rhythmisch aufgelockerten Sicht- und Sonnenschutz. Der Neubau für die zweizügige Grundschule mit offenem Ganztagsbereich beherbergt auch einen Verwaltungstrakt.

Massivbau mit Umkehrdach

Das Gebäude ist als Massivbau in Stahlbeton errichtet. Den Dachüberstand stellen Betonplatten her, in welche die vertikalen Lamellen eingespannt sind. Das Flachdach ist als Umkehrdach konzipiert, die tragende Stahlbetondecke mit Gefälle ausgeführt. Zwei Lagen Bitumenbahn, eingerollt in Heißbitumen, bilden eine dauerhafte Abdichtungsschicht. Oberhalb davon sind 240 mm starke Dämmplatten aus XPS (WLG 40) angeordnet. Es folgen ein Filtervlies und eine Kiesschicht, welche in der Fläche 70 mm, an den Rändern 90 mm und in den Ecken 110 mm hoch ausgeführt ist. Die Attika aus Stahlbeton ist mit einem mindestens zweiprozentigen Gefälle Richtung Dachfläche ausgebildet. Das an der Außenseite schmal abgekantete Attikablech bildet einen linearen Fassadenabschluss, wodurch die Kubatur in Sichtbeton betont wird. Die Abdichtungsbahnen sind senkrecht unterhalb der Verblechung bis auf die Attika hochgeführt. Die Entwässerung verbirgt sich hinter der Attika, die Fallrohre sind innerhalb der Dämmung der zweischaligen Außenwand geführt bzw. im Bereich der Vordächer hinter den Betonlamellen versteckt.

Solare Stromerzeugung auf dem Dach

Die Dachfläche ist mit einer Photovoltaikanlage versehen, deren Leistung mit ca. 80 kWp angegeben ist – Strom, der überwiegend von der Schule genutzt wird. Mit Fertigstellung des Neubaus starten die Umbau- und Sanierungsarbeiten der Bestandsgebäude, wobei die alte Grundschule den Auftakt macht. -us

Bautafel

Architektur: Kuckert Architekten, Münster
Projektbeteiligte: JKL Junker + Kollegen Landschaftsarchitektur und Stadtplanung, Osnabrück (Freianlagen); G+W Ingenieurplanung, Münster (Statik); E-Projekt, Münster (ELT); Decker + Koch Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung, Münster (HLS); PWK Planungsbüro Weller – Küttner, Rösrath (Küchenplanung); Brechler.Kiküm.Klein, Warendorf (Brandschutz); Hansen + Partner Ingenieure (Bauphysik); Bauder, Stuttgart (Hersteller Abdichtungsbahn)
Bauherr/in: Stadt Münster
Fertigstellung: 2023
Standort: Von-Humboldt-Straße 14, 48159 Münster
Bildnachweis: Kuckert Architekten, Münster

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