Grüner Wohnen in Singen am Hohentwiel
Neuer Lebensraum auf bestehender Stadtstruktur
Mit 55 neuen, begrünten Wohnungen erfährt die Innenstadt von Singen am Hohentwiel eine gezielte Nachverdichtung. Das Architekturbüro Kupprion Nachhaltige Architektur nutzte das Flachdach eines bestehenden Kaufhauses sowie den angrenzenden Parkplatz, um darauf zwei Mehrfamilienhäuser zu realisieren. Anstatt neue Flächen zu versiegeln, entstanden über tausend Quadratmeter zusätzliche Grünfläche. Das Projekt Grüner Wohnen wertet die Innenstadt ökologisch auf und verbessert den Wasserhaushalt. Gleichzeitig ermöglichte die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur des Kaufhauses eine wirtschaftlich effiziente Umsetzung.
Klimaanpassung im Stadtkern
Singen zählt zu den sonnenreichsten Städten Deutschlands. Entsprechend können die Sommer dort sehr heiß werden. Zugleich ist das Klima von starken Schwankungen zwischen Trockenheit und Starkregen geprägt. Die Stadt sucht daher gezielt nach Lösungen, um Innenbereiche während Hitzewellen zu kühlen und die Wassermengen bei Starkregen besser zu regulieren.
Das neue Mehrfamilienhaus-Quartier entstand vor diesem Hintergrund parallel zu weiteren städtischen Klimainitiativen. Zwar liegt Singen inmitten einer grünen Landschaft mit dem Hohentwiel, dem Bodensee und den Alpen im Hintergrund, doch zeigt sich das Stadtzentrum bislang überwiegend grau und stark versiegelt. Mit ihrem Projekt holt das Büro Kupprion nachhaltige Architektur die Natur gezielt in die Innenstadt zurück.
Begrünung als verbindendes Element
Im ersten Bauabschnitt entstanden 18 Wohneinheiten auf drei Geschossen direkt auf dem Flachdach des Kaufhauses, inklusive eines umlaufenden, begrünten Hofs. Im zweiten Bauabschnitt wurden auf dem angrenzenden, zuvor kaum genutzten Parkplatz 37 weitere Wohnungen auf fünf Geschossen sowie eine Hochgarage mit Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss errichtet. Die Wohnungen verfügen über offene Grundrisse mit Flächen von bis zu 94 Quadratmetern.
Begrünung bleibt dabei ein zentrales Gestaltungsmerkmal: Pflanzen ziehen sich bis in die Laubengänge, die zu den Wohnungen führen, und schaffen zugleich Orte der Begegnung. Zwischen den Gebäuden öffnet sich zudem ein gemeinschaftlicher Hof, in dem Obst, Beeren und essbare Pflanzen wachsen. Zur ökologischen Qualität des Quartiers trägt neben der Begrünung auch die Energieversorgung bei: Photovoltaikmodule erzeugen Strom direkt vor Ort, während ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk Wärme und Strom für das gesamte Ensemble bereitstellt.
Retentionsdach für Regenwassermanagement
Ein zentrales Element der Planung ist der intensiv begrünte Innenhof über der Hochgarage, der als Retentionsdach ausgeführt wurde. Die Dachfläche dient dabei nicht nur als Garten, sondern zugleich als Wasserspeicher. Über spezielle Retentionsboxen in der Dränageebene können rund 80 Liter Wasser pro Quadratmeter zwischengespeichert werden. Eine statische Drossel regelt den Abfluss und ermöglicht zusätzlich einen dauerhaften Wasseranstau von bis zu 170 Litern pro Quadratmeter.
Über feine Kapillarverbindungen gelangt das gespeicherte Wasser in die Pflanzschicht und steht den Pflanzen dort kontinuierlich für Verdunstung, Kühlung und Wachstum zur Verfügung. So wird Regenwasser genau dort zurückgehalten und zeitverzögert abgegeben, wo es anfällt – ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz und zur Entlastung der Kanalisation. Durch dieses System konnte zudem der bestehende Kanalanschluss des ursprünglichen Kaufhausdachs weiter genutzt werden.
Bautafel
Architektur: Kupprion Nachhaltige Architektur, Singen
Projektbeteiligte: Kupprion Immobilien, Singen (Ausführung); Stocker, Pfullendorf (Rohbau), Sketchwork (Visualisierungen); Optigrün international (extensive und intensive Dachbegrünung und Retentionsdach);Paul Saum, Hohenfels (Garten- und Landschaftsbau)
Bauherr/in: Rosenegg Wohnbau
Fertigstellung: 2024
Standort: Singen am Hohentwiel, Deutschland
Bildrechte: Jörg Bluhm
Fachwissen zum Thema
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