Greenwich Peninsula Low Carbon Energy Centre in London

Kraft-Wärme-Kopplung für ein neues Stadtviertel

Wie viele europäische Großstädte platzt auch London aus allen Nähten. Dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum versucht man nun, mit einem neuen Stadtquartier zu begegnen. Bis zum Jahr 2030 sollen auf der Greenwich Peninsula, einer Landzunge, die im Osten Londons in die Themse ragt, knapp 15.700 Wohnungen entstehen. Dazu kommen Büro-, Gewerbe- und Geschäftsflächen, aber auch öffentliche Einrichtungen sind geplant. Die Wärmeversorgung der künftigen Gebäude wird das Greenwich Peninsula Low Carbon Energy Centre übernehmen. Das nach Plänen des dänischen Büros C.F. Møller Architects errichtete Kraftwerk mit Grundfläche von 3.000 Quadratmetern besitzt einen expressiv gestalteten, 49 Meter hohen Schornstein, der weithin sichtbar den Eingang in das neue Stadtviertel markiert.

Das eigentliche Kraftwerk ist ein kompakter Quader mit schwarzer Fassade, geplant haben ihn C.F. Møller Architects
Mit seiner skulptural gestalteten, weithin sichtbaren Esse markiert das Kraftwerk den Eingang zum künftigen Stadtviertel
Der Verkleidung des Rauchabzugs besteht aus unzähligen Metalllochplatten, die in unterschiedlichen Neigungswinkeln zueinander gesetzt wurden

Die Verkleidung des Rauchabzugs wurde vom britischen Künstler Conrad Shawcross entwickelt. Sie besteht aus perforierten Metallplatten, die zu unterschiedlich großen und unterschiedlich geneigten dreieckigen Feldern zusammengesetzt sind und sich wie gefaltet um den Kamin legen. Die weiß, grau und goldfarben pulverbeschichteten Aluminiumbleche reflektieren das Sonnenlicht und bringen die Esse zum Funkeln; nachts setzen Leuchten sie in Szene. Das Heizkraftwerk selbst tritt als kompakter, schlichter und schwarz verkleideter Quader in den Hintergrund.

Das Gebäude beherbergt neben dem Maschinenraum und einem Bürotrakt auch ein Besucherzentrum, in dem sich die interessierte Öffentlichkeit über den Prozess der Energieerzeugung informieren kann. Der zweigeschossige, ganz in Weiß gehaltene Raum öffnet sich über ein großes Sichtfenster zur Umgebung. Weiße, vertikal von der Decke abgehängte Akustikbaffeln stellen einen optischen Bezug zu den Sonnenschutzlamellen der schwarzen Fassade her. Der Grundriss des Gebäudes ist so gestaltet, dass er die spätere Einbindung neuer Energietechnologien erlaubt und damit dessen Lebensdauer erhöht.

Gebäudetechnik
Im Kraftwerk werden mittels Kraft-Wärme-Kopplung zugleich Strom und Wärme erzeugt, die thermische Leistung liegt bei 87 Megawatt. Die Heizwärme wird durch Kondensation von Wasserdampf gewonnen. Dieser Wasserdampf treibt Turbinen an, die mit dem Generator zur Stromerzeugung gekoppelt sind. In den Turbinen wird der Wasserdampf stufenweise entspannt, wodurch der Druck abnimmt. Der Dampf zur Erzeugung der Heizwärme wird üblicherweise vor der letzten Turbine entnommen und in einem Wärmeaustauscher kondensiert. Je nachdem, bei welchem Druck er kondensiert, kann Wärme bei unterschiedlichen Temperaturen erzeugt werden.

Der Wärmeverteilung erfolgt über ein Fernwärmenetz aus vorisolierten Stahlrohren. Aufgrund der Größe und Komplexität des Projekts wurden rund um die Halbinsel kleinere Energiezentren installiert, die jeweils so konzipiert sind, dass sie mehrere Häuserblöcke mit Wärmeenergie versorgen können. Sobald die ersten von insgesamt 61 Gebäuden fertiggestellt sind, gehen die Zentren ans Netz. Für eine bedarfsgerechte Versorgung wird jedes Apartment mit einer Übergabestation ausgestattet. Mithilfe dieser sehr effizienten, dezentralen Energieerzeugung sollen jährlich bis zu 20.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Bautafel

Architekten: C.F. Møller Architects, London
Projekbeteiligte: Conrad Shawcross, London (Fassadenkunst); Buro Happold Engineering, Bath (Kraftwerkstechnik); Ove Arup &Partners, London (technische Infrakstruktur); Price & Myers, London (Statik)
Bauherr: Pinnacle Power and Knight Dragon Developments, London
Fertigstellung: 2016
Standort: Millennium Way, London SE10 0BF, Vereinigtes Königreich
Bildnachweis: Mark Hadden, London

Fachwissen zum Thema

KWK-Anlagen gewinnen aus Brennstoffen gleichzeitig Wärme und Strom. Welcher Brennstoff dabei verwendet wird, ist zunächst zweitrangig.

KWK-Anlagen gewinnen aus Brennstoffen gleichzeitig Wärme und Strom. Welcher Brennstoff dabei verwendet wird, ist zunächst zweitrangig.

Erneuerbare Energien

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Luft/Wasser-Wärmepumpe

Luft/Wasser-Wärmepumpe

Heizung

Wärmeerzeugung

Bauwerke zum Thema

Das Kraftwerk Lausward in Düsseldorf erhielt mit dem Block Fortuna einen weiteren Baustein, der mittels Erdgas Strom und Fernwärme erzeugt

Das Kraftwerk Lausward in Düsseldorf erhielt mit dem Block Fortuna einen weiteren Baustein, der mittels Erdgas Strom und Fernwärme erzeugt

Gewerbe/​Industrie

Block Fortuna im Kraftwerk Lausward in Düsseldorf

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Gebäudetechnik sponsored by:
Stiebel Eltron | Kontakt 0 55 31 - 702 702 | www.stiebel-eltron.de