Gendarmenmarkt in Berlin

Rigolen zur dezentralen Entwässerung

Fast drei Jahre dauerte die Sanierung des Berliner Gendarmenmarktes, bis sie im März 2025 abgeschlossen war. Der historische Platz verbindet den Deutschen Dom, den Französischen Dom und das Schauspielhaus. Seine Geschichte ist lang und bewegt: Im Barock nach Plänen von Johann Arnold Nerings erbaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde er ab 1976 in der DDR, vor allem nach Entwürfen von Manfred Prasser, wiederaufgebaut.

Ein neuer Plattenbelag erfüllt nicht nur die Anforderungen an den Denkmalschutz und die Nutzung, ...
... mit einem Ablaufsystem und einer Versickerungslösung ist er auch gewappnet gegen Starkregen.
Modulare Blockrigolen aus Kunststoff sorgen dafür, dass das Oberflächenwasser des Platzes gespeichert wird, um dann sukzessive im Erdboden zu versickern.

Seit 2021 stehen der Platz und seine Bebauung unter Denkmalschutz. Zu diesem Zeitpunkt waren die mittlerweile fast fünfzig Jahre alten Granit- und Mosaikplatten stark verschlissen, zudem erschwerte die großflächige Versiegelung die Entwässerung bei Starkregen. 2022 begann eine technisch und bauhistorisch anspruchsvolle Sanierung. Das Büro Rehwaldt Land­schafts­architekten übernahm die Entwurfsplanung, BBS Landscape Engineering die komplexe Ausführungsplanung. 

Anforderungen: Baugeschichte, Nutzung und Klimaanpassung 

Im Rahmen der Klimaanpassung von Städten müssen Starkregenereignisse bei der Planung berücksichtigt werden, um Überflutungen der Kanalisation zu verhindern. Das geht oft mit Entsiegelungen und mehr Grünflächen nach dem Schwammstadt-Prinzip einher. Für den 14.000 Quadratmeter großen Gendarmenmarkt kam diese Lösung nicht infrage, da er als Festplatz für zahlreiche, viel besuchte Veranstaltungen dient. Ein robuster und belastbarer Bodenbelag aus Steinplatten war daher nicht nur aus baugeschichtlichen, sondern auch aus praktischen Gründen erwünscht.

Technische Lösung: Versickerung 

Die Lösung kombiniert eine steinerne Oberfläche aus Granit, Gneis und Basaltplatten mit einem dezentralen Entwässerungssystem, das den Vorgaben des Berliner Wassergesetzes entspricht. Unter dem Platz wurde das Rigolensystem ACO Stormbrixx Typ HD 600 eingebaut, das eine langsame Versickerung des Regenwassers ermöglicht. Über Ablaufrinnen fließt das Oberflächenwasser durch einen Vliesfilter in die Rigolen, wo es zunächst gespeichert wird. Von dort sickert es durch einen weiteren Vliesfilter und eine Sauberkeitsschicht allmählich in den Boden. Durch Rückhaltung und Speicherung gelangt nur soviel Wasser ins Erdreich, wie dieses auch aufnehmen kann. Rückstau und Überflutung des Platzes werden so verhindert.

Rigolensystem: modular und kompakt 

Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels in Berlin fiel die Wahl auf kompakte Rigolen mit einer Bauhöhe von nur 61 Zentimetern. Insgesamt wurden sechs Blockrigolen aus Kunststoff mit einer Speicherkapazität von 510 Kubikmeter verlegt. Bezogen auf die Platzgröße entspricht das einer Regenmenge von etwa 36 Litern pro Quadratmeter. Dank ihrer modularen Bauweise und geringen Einbautiefe ließen sich die Rigolen einfach um bestehende Leitungen herum anordnen.

Ablaufrinnen: Filigran und schwer belastbar

Auch die Entwässerungsrinnen mussten praktische und gestalterische Anforderungen erfüllen. Die Berliner Denkmalpflege akzeptierte ausschließlich Kastenrinnen mit Guss-Kantenschutz und einem Längsstabrost aus Gusseisen, die möglichst nah an das historische Vorbild heranreichen. Gewählt wurden schließlich Rinnen aus der Produktreihe ACO PowerDrain Seal in, die mit ihrem Längsstabrost ohne Strukturelemente nicht nur den Vorgaben der Denkmalpflege entsprechen, sondern auch den hohen Belastungen dauerhaft standhalten. Zudem konnten ihre Betoneinfassungen schmaler gestaltet werden, sodass die Platten des Platzes die Betonseiten überdecken. Dadurch fügen sich die Rinnen sehr filigran ins Gesamtbild.

Bauherr: Grün Berlin GmbH und Berliner WasserbetriebeProjektpartner: Rehwaldt Land­schafts­architekten, PST Planung Bauleitung, G.U.B Ingenieur AG, BBS Landscape Engineering GmbH, Frisch & Faust Tiefbau GmbH, KEMNA BAU Ost GmbH & Co. KG

ACO, Büdelsdorf

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