Gemeindehaus in Lichtenfels-Schney

Stein auf Stein: Schiefer und Sandstein

Ein Haus auf Fels gebaut - so erscheint der Neubau der evangelischen Gemeinde Schney südlich von Coburg. Zwischen einem Pfarrhaus aus dem 16. Jahrhundert und der Kirche St. Maria von 1840 - und in unmittelbarer Nähe zum ebenfalls vier Jahrhunderte alten Schloss - steht er in einem städtebaulich beachtenswerten Zusammenhang. Für den Entwurf des Neubaus, mit Saal und mehreren Gemeinderäumen, zeichnen die Coburger Architekten Martin Schmidt und Harald Hein verantwortlich.

Gemeindehaus in Lichtenfels-Schney
Kein Dachüberstand, wenig zusätzliche Elemente
Gemeindehaus in Lichtenfels-Schney

Die zweigeschossige Hangbebauung umfasst 400 Quadratmeter und befindet sich oberhalb eines denkmalgeschützten Sandsteingewölbekellers an einer gewachsenen Felskante. Der historische Keller konnte zu einem großen Teil in die Nutzung des Gemeindehauses integriert werden. Im Untergeschoss entstanden zwei für verschiedene Gruppen nutzbare Räume. Das Gebäude ermöglicht durch eine, an der gesamten Südfassade entlang führende Terrasse, den barrierefreien Zugang zur Pfarrkirche. Gen Norden bietet eine weitere Terrasse den freien Blick über Kirchweiher und Schlosspark.

Einen Großteil des Obergeschosses nimmt der Gemeindesaal ein. Bei Reihenbestuhlung bietet er Platz für etwa 100 Besucher. Dem Saal vorgelagert, liegt ein Balkon nach Süden. Ebenfalls im Obergeschoss sind Foyer, Küche und Nebenräume untergebracht. Die sanitären Anlagen wurden barrierefrei auf beide Etagen verteilt. Der Neubau orientiert sich insgesamt nach Süden und wird entscheidend durch das Material Schiefer geprägt.

Schiefer
In der Region wird traditionell viel Schiefer als Fassadenmaterial verwendet, mehrere Giebel- oder Wetterseiten der umliegenden Häuser sind mit dem Naturstein bekleidet. Diese regionale Bauart haben die Architekten aufgegriffen, sie jedoch in die heutige Zeit transformiert. Naheliegend war eine horizontale Trennung des langgestreckten Gebäudes: Das zur Hälfte im Felsen verschwindende Untergeschoss wurde einseitig mit einer Putzfassade versehen, das rundum sichtbare Obergeschoss mit Schiefer abgesetzt.

Ein Ziel des Entwurfes war die kubische Ausformulierung des oberen Stockwerks. Die Fläche des Pultdaches und alle Fassaden ringsum sind deshalb gleich behandelt worden und erhielten eine Altdeutsche Schieferdeckung. Alle zusätzlichen Elemente wie Dachrinnen, Dachüberstände oder Konstruktionsbestandteile wie An- oder Abschlüsse wurden wenn möglich weggelassen bzw. in Blei ausgeführt. Nur die Regenfallrohre zeichnen sich deutlich als zusätzliche Bauteile vor dem Neubau ab. Der Wandaufbau besteht aus einem mit Mauerwerk ausgefachten Stahlskelettbau, hinterlüfteter Holzkonstruktion für die Mineralwolldämmung, Schalung, Folie und einer Unterkonstruktion für den Schiefer. Die Altdeutsche Doppeldeckung wurde mit Intersin 120 Schiefer erstellt.

Entstanden ist ein Baukörper, der sich wie selbstverständlich in die Umgebung einfügt und dennoch eigenständig ist. „Das Obergeschoss sollte mehr als eine Verkleidung mit Schiefer erhalten, es sollte quasi mit Schiefer eingekleidet werden.” so Martin Schmidt, einer der beiden Architekten. Das Ziel wurde erreicht, das Fassadenmaterial schließt sich wie eine Haut um den Neubau.

Bautafel

Architekt: Martin Schmidt und Harald Hein, Coburg; Kirsten Nicolaus, Daniela Eser und Heike Dresely, Coburg (Mitarbeit)
Projektbeteiligte: Burkhard Kugler, Lichtenfels (Bauausführung); Wolfgang Huhn, Neuhaus am Rennweg (Dach- und Fassadenarbeiten), Rathscheck Schiefer und Dachsysteme, Mayen (Schiefer)
Bauherr: Evangelisch-lutherische Gemeinde Schney, Lichtenfels
Fertigstellung: 2007
Standort:
Rabenstein 15, Lichtenfels-Schney
Bildnachweis: Martin Schmidt, Coburg; Burkhard Kugler, Lichtenfels

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Rathscheck Schiefer, Mayen

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Deckungsarten

Altdeutsche Schieferdeckung

Traditionelle Schiefereindeckung im Steildach: Kloster Paradies in Soest

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Werkstoff Schiefer

Schiefer als Dachdeckungsmaterial

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