Garagenaufstockungen in Karlsruhe

Demontierbare Aufbauten in Holzbauweise

Durch Nachverdichtung eines Stadtgebietes werden Freiflächen einer bestehenden Bebauung genutzt und Ressourcen geschont. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Aufstockung von drei Garagenanlagen, die zu einer Großsiedlung in Karlsruhe-Rintheim gehören: Insgesamt sind dort zwölf Wohnungen und rund 540 Quadratmeter Wohnfläche neu entstanden. Als tragende Holzstruktur dienen Holztafelbauelemente mit einem hohen Vorfertigungsgrad. Für die Planung zeichnete das ortsansässige Büro Falk Schneemann Architektur verantwortlich.

Über einen Vorplatz werden die L-förmigen Anlagen erschlossen.
Ansicht aus östlicher Richtung: Der Hohlraum, der sich zwischen den Pultdächern der Garagen und den Aufstockungen ergibt, wird für die Unterbringung der Haustechnik genutzt.
Ansicht Nordwest: Im Erdgeschoss befinden sich neben Garagen auch Fahrradstellplätze, ein Wasch- und ein Müllraum.

Je vier Wohneinheiten auf drei Garagenanlagen

Das Projekt befindet sich im Osten der Stadt, im sogenannten Rintheimer Feld – einer Großsiedlung auf einer Fläche von rund 1,3 Quadratkilometern. Zahlreiche bereits umgesetzte Sanierungsmaßnahmen, Neubauten und die Umgestaltung der Freiräume haben zu einer Aufwertung des Wohnstandortes geführt. Die drei nahezu baugleichen Garagenanlagen haben einen L-förmigen Grundriss und befinden sich zwischen mehrgeschossigen Zeilenbauten aus den 1950er-Jahren. Die eingeschossigen Aufbauten orientieren sich an den äußeren Abmessungen des Bestandes. Sie umfassen jeweils drei Einzimmerwohnungen à 40 Quadratmeter sowie eine Zwei- bis Dreizimmerwohnung. Die Wohnungen sollen an Studierende und Alleinerziehende vermietet werden, um die Vielfalt der Bewohnergruppen im Quartier zu erhöhen.


Dachgestaltung mit Bezug zum Innenraum

Die Wohnungen werden jeweils über eine außenliegende Treppe und einen Laubengang erschlossen – Bereiche, die auch der nachbarschaftlichen Begegnung dienen. Im Erdgeschoss ergänzen neue Fahrradstellplätze, Müllräume und Waschsalons das Raumangebot. Die mehrfach gefaltete Dachlandschaft der Aufstockungen ergibt sich aus den Funktionsbereichen innerhalb der Wohnungen: Während die Decken in den Küchen und Bädern eher niedrig sind, vermitteln hohe Decken in den Wohnbereichen Großzügigkeit.


Holztafelbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad

Eine Stahlunterkonstruktion als Basis der Holzbauten ist mit Stahlfüßen auf die Pultdächer der Garagen montiert. Der auf diese Weise entstehende Hohlraum zwischen Garagendach und Aufstockung wird für die Unterbringung der Haustechnik genutzt. Eine statische Ertüchtigung des Bestands erfolgt durch Stahlstützen auf Punktfundamenten. Die Aufstockung in Holztafelbauweise ist mit einem Ständerwerk aus Konstruktionsvollholz ausgeführt. Für die Beplankung der Elemente kamen leimfreie Massivholzplatten (GFM-Platten) zum Einsatz. Sie dienen der Aussteifung des Gebäudes. Mit einer Stärke von 30 Millimetern sowie einer Nut-Feder-Verbindung stellen die Massivholzplatten die Luftdichtigkeit des Gebäudes her, ohne dass Folien eingesetzt werden. Für sämtliche Bauteile wird eine Hanfdämmung eingesetzt.


Die einzelnen Boden-, Wand- und Deckenelemente sind mit Türen, Fenstern, Elektroinstallationen und Sonnenschutz im Werk vorgefertigt und vor Ort montiert worden, die Bäder wurden als vorgefertigte Raumzellen auf der Baustelle installiert. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine kurze Bauzeit, also wenig Baulärm. Die Fassaden- und Dachflächen sind mit vorpatiniertem Titanzink verkleidet. Für die Bodenbeläge in den Wohnungen kam wiederverwendetes, aufgearbeitetes Nadelholz zum Einsatz. Die geölten Holzbohlen haben eine Nut-Feder-Verbindung und sind verdeckt verschraubt. Ergänzt wurden sie durch geölte Lärchenholzbohlen. In den großen Wohnungen sind die Deckenflächen mit einer Schalung aus gehobeltem, unbehandelten Tannenholz ausgestattet. Als Bodenbelag in den Laubengängen dient druckimprägniertes Kiefernholz.


Weitere Nutzungen möglich

Die Aufbauten in Holzbauweise sind demontierbar und ließen sich an anderer Stelle wiedererrichten. Würde der Bebauungsplan geändert mit dem Ziel, das Quartier weiter zu verdichten, könnten sie an anderer Stelle erneut genutzt werden. Die eingestellten Fertigbäder, Elektroinstallationen mit Steckverbindung und der Verzicht auf Verklebungen zum Beispiel im Bereich der Böden und deren Unterkonstruktionen erleichtern die Versetzbarkeit.

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft kamen in den Aufstockungen neben den Holzböden auch Türen und Briefkästen aus einem Abrissgebäude zum Einsatz. Das Projekt soll veranschaulichen, dass es möglich ist, mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand alltagstauglichen, geförderten Wohnungsbau zu schaffen, der einen Beitrag zum kreislaufgerechten Bauen leistet.

Bautafel

Architektur: Falk Schneemann Architektur, Karlsruhe
Projektbeteiligte: wh-p Ingenieure, Stuttgart (Tragwerk); Gerd Prause, Lindlar (Beratung Holzbau); Zimmerei Sieveke, Lohne (Holzbau); gent+gent, Karlsruhe (HLS); Ossowski Engineering, Durmersheim (Elektro); Müller Ingenieure, Waldbronn (Bauphysik); Prof. Dirk Hebel, Karlsruhe (Beratung Kreislaufgerechtigkeit); Schmitt+Mann, Karlsruhe (Schallschutz); Christian Uhlig, Willich (Brandschutz)
Bauherr*in: Volkswohnung, Karlsruhe
Fertigstellung: 2023
Standort: Heilbronner Straße 5a, 9a und 13a, Karlsruhe
Bildnachweis: Stephan Baumann bild_raum, Karlsruhe; Falk Schneemann Architektur, Karlsruhe

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