Friedhofstoilette in Ílhavo

Hülle aus tannengrünen Facettenfliesen

Der vorherige Bau verfügte über ein großes Flachdach, das die Sicht auf die historische kleine Kapelle verstellte

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Die Planer reduzierten die Dimensionen und entwarfen einen monolithischen Baukörper auf rechteckigem Grundriss

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Nach oben schließt der Bau mit einem flachen Satteldach ab

Nach oben schließt der Bau mit einem flachen Satteldach ab

Wo finde ich die Toilette, bitte? Diese Frage wird man auf dem Friedhof des portugiesischen Städtchens Ílhavio in Zukunft wohl häufiger hören. Das junge ortsansässige Geschwister- und Architektenpaar des Büros M2.senos zeigt mit seinem Entwurf für ein Toilettenhäuschen, dass auch diese vermeintlich unattraktive Bauaufgabe zu einem architektonisch herausragenden Ergebnis führen kann.

Der Friedhof liegt im Nordwesten der kleinen Stadt. Eine schmale Zufahrtstraße, an deren Ende sich eine historische Kapelle befindet, teilt das streng gerasterte Gelände in der Längsachse. Das weit spannende Flachdach des völlig überdimensionierten Vorgängerbaus reichte bis fast an das Gotteshaus heran und versperrte von Norden aus den Blick auf dasselbe. Für die Konzeption war also die Reduktion der baulichen Dimensionen wesentlich.

Die Planer entwarfen einen monolithischen Baukörper auf rechteckigem Grundriss mit asymmetrischem, flach geneigtem Satteldach und einer Außenhülle aus tannengrünn Keramikfliesen. Türen, Fenster oder Dachüberstände sind nicht sichtbar, lediglich zwei markante Einschnitte. Sie markieren die Zugänge. Der Besucherzugang ist spitzwinkelig ausgeschnitten und erfolgt von Nordwesten. Er führt zu einem Atrium genannten, halbrunden Vorraum, von dem aus Damen- und Herrentoiletten sowie ein Behinderten-WC abgehen. Südöstlich, Richtung Kapelle gelegen befindet sich der geschwungen ausgeschnittene Zugang zum Büro und weiteren Räumlichkeiten des Friedhofwärters. Zahlreiche Oberlichter sorgen für eine natürliche Belichtung der Innenräume.

Das helle Kopfsteinpflaster der Gehwege wird bis ins Atrium des Neubaus fortgeführt. Die Räume sind schlicht weiß gehalten und bis ins Dach offen, sodass dessen weiß gestrichene Holzkonstruktion sichtbar ist. Die Waschtische bestehen aus Marmor. Abgesehen von Beleuchtung und Wasserversorgung wurde auf jegliche weitere Gebäudetechnik verzichtet, da Trocknung und Austausch der Luft durch natürliche Luftzirkulation erfolgen.

Fliesen
Bereits zu Beginn der Planungen stand fest, für die Fassadenbekleidung Fliesen zu verwenden. Diese Wahl korrespondiert unter anderem mit der mit traditionellen Azulejos bekleideten Fassade der Kapelle. Zum Einsatz kamen tannengrüne Facettenfliesen im Format 10 x 20 cm. Sie zeichnen sich durch ihre geschliffenen Kanten aus, die das Licht durch Reflexionen verstärken. Ursprünglich wurden sie um 1900 für die damals neue Pariser Metro entworfen. Aus diesem Grund werden die Fliesen, die derzeit eine große Renaissance erleben, häufig auch Metrofliesen genannt.

Die Keramik wurde an den Fassaden, an den Innenwänden des Besucherzugangs sowie auf der kleineren der beiden Dachflächen des Toilettenhäuschens verlegt, wodurch der Baukörper wie aus einem Guss erscheint. Der runde Zugang ist grün verputzt, da eine Fliesenverlegung aufgrund der starken Wandkrümmung technisch nicht umsetzbar war. Für die Farbe Grün entschieden sich die Planer, um den Bezug zur Vegetation zu verstärken und weniger den zur gebauten Umwelt.

In den Sanitärräumen wurden für den Bodenbelag quadratische, graue Natursteinimitatfliesen verwendet, an den Wänden einfache weiße Fliesen.

Bautafel

Architekten: M2.senos (Ricardo Senos, Sofia Senos), Ílhavo
Projektbeteiligte: Primus Vitoria, Aveiro (Fliesen)
Bauherr: Stadt Ílhavo
Fertigstellung: 2017
Standort:
Rua João Carlos Gomes, 3830 Ílhavo, Portugal
Bildnachweis: Nelson Garrido

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