Forschungsbau Der Simulierte Mensch in Berlin

Atrium mit geschwungener Treppe

Die Simulation von Organfunktionen mithilfe von 3D-Bioprinting und Multi-Organ-Chips könnte helfen, Krankheiten besser zu verstehen, neue Therapieansätze zu entwickeln und Tierversuche perspektivisch zu vermeiden. Was nach Science-Fiction klingt, soll auf dem neuen Campus für Bio- und Medizintechnologie der Charité Universitätsmedizin und der Technischen Universität Berlin möglich werden. Mit dem Forschungsgebäude Der Simulierte Mensch wurde 2025 das erste Gebäude nach Plänen von Telluride Architektur realisiert. Als zentraler Begegnungsort dient ein Atrium mit einer eindrucksvollen elliptischen Treppe.

Die Fassade besteht aus Glasfaserbetonelementen.
Im Inneren prägt ein 22 Meter hohes Atrium das Bild.
Die Geschosse werden über eine geschwungene Treppe erschlossen.

Fassade aus Glasfaserbeton

Die Planenden vergleichen das fünfgeschossigen Bau mit dem Forschungsgegenstand, der darin untersucht wird: dem lebendigen Organismus. Die einzelnen Funktionsbereiche sollen wie Zellen miteinander vernetzt sein, die Technologie- und Begegnungszonen als Zellkerne fungieren und die Fassade die Rolle eines schützenden Gewebes übernehmen. Geschosshohe Fensteröffnungen weiten und verengen sich, unterbrochen von unterschiedlich breiten Glasfaserbeton-Elementen, abhängig von den programmatischen, funktionalen und umwelttechnischen Anforderungen. Zur Straße hin wirkt die Fassade durchlässig und gibt den Blick auf die innere Struktur des Gebäudes frei.

Zwei Institutionen unter einem Dach

Das Gebäude bietet Arbeitsplätze für rund 150 Wissenschaftler*innen beider Institutionen. Sie arbeiten in gemischten Teams aus Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die Nutzungen sind vertikal gestaffelt. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind öffentlich zugänglich. Hier liegen ein Theatron, eine Cafeteria sowie Patientendienste für den Austausch zwischen Klinik und Forschung. In den oberen Geschossen befinden sich Labore und Büros. Offene, flexibel nutzbare Laborstrukturen und gemeinsame Technologieplattformen sollen die interdisziplinäre Zusammenarbeit erleichtern.

Elliptisches Atrium

Die räumliche Mitte des Hauses bildet ein rund 22 Meter hohes, luftiges Atrium, das alle Ebenen miteinander verbindet und von oben natürlich belichtet wird. Die Deckenöffnungen der Geschosse sind elliptisch geformt und variieren in Größe und Lage. So entstehen Sichtbeziehungen zwischen dem öffentlichen Foyer und den Forschungsbereichen. Geschwungene Treppenläufe mit weißen Brüstungswangen verbinden die Geschosse auf eindrückliche Weise miteinander.

Treppe als symbolischer Begegnungsort

Die elliptische Form der Deckenöffnungen stellte besondere Anforderungen an Aufmaß, Planung, Fertigung und Montage der Treppe. Diese besteht aus räumlich gekrümmten Betontreppenläufen und einer Stahl-Absturzsicherung. Auch die Unterkonstruktion und die Umwehrung an den Deckenöffnungen sind aus Stahl. Mit der Statik-, Werk- und Montageplanung sowie der Fertigung und Montage der in den Rohbau eingepassten Stahlkonstruktionen war das Treppenbauunternehmen Metallart beauftragt. 

Um der geometrisch anspruchsvollen Ausgangslage gerecht zu werden, erfassten die Mitarbeitenden die lokalen Gegebenheiten mittels Laserscanning. Die Deckenöffnungen und Treppenläufe nahmen sie dabei 1:1 digital auf und speisten die Daten direkt in das CAD-System ein. So ließ sich das 3D-Aufmaß als Grundlage für die weitere Planung verwenden.

Entlang der elliptischen Deckenränder vom 1. Obergeschoss bis zum Dachgeschoss fertigte und montierte das Treppenbauunternehmen eine Stahlbau-Unterkonstruktion, an der 12 Millimeter starke Flachstahlumwehrungen als Absturzsicherung befestigt wurden. Geschossübergreifend waren für die Unterkonstruktion rund 175 Meter Stahl nötig. Unterkonstruktion und Umwehrung wurden miteinander verschweißt und anschließend beschichtet. Alle sichtbaren Stahlteile sind mit PU-verstärktem Acrylharzlack auf Wasserbasis grundiert und in einem weißen Farbton ausgeführt.

Auch die Atriumtreppen vom Erdgeschoss bis zum 4. Obergeschoss erhielten von Metallart individuell gefertigte Flachstahlumwehrungen als Absturzsicherung. Sie folgen dem Verlauf der räumlich gekrümmten Betonläufe. Maßgefertigte Ausrundungen und gebogene Stahlbauteile verbinden die Treppenumwehrungen ohne sichtbare Brüche mit den Umwehrungen der angrenzenden Deckenöffnungen. Gebogene Stahlhandläufe, die ebenfalls dem Treppenverlauf folgen, ergänzen beidseitig die Konstruktion. Obwohl die Treppe über alle Geschosse hinweg aus vielen verschiedenen Einzelteilen besteht, ist durch das präzise Zusammenfügen und die abschließende Bearbeitung ein einheitliches Gesamtbild entstanden.

Bautafel

Architektur: Telluride Architektur, Berlin
Projektbeteiligte: DGI Bauwerk, Berlin (Bauleitung); Krebs+Kiefer, Berlin (Tragwerksplanung); TDB Landschaft, Berlin (Landschaftsarchitektur); GTB-Berlin, Berlin (Technische Gebäudeausrüstung); ENVUE Homburg Licht, Berlin (Lichtplanung); METALLART Treppen, Salach (Treppenbau)
Bauherr: Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
Fertigstellung: 2025
Standort: Amrumer Str. 33, 13353 Berlin, Deutschland
Bildnachweis: Werner Huthmacher (Fotos); METALLART (Pläne Treppe)

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Betontreppe in der James-Simon Galerie in Berlin, Architektur: David Chipperfield

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Betontreppen

Die DIN 18065 Gebäudetreppen unterscheidet lediglich zwischen Treppen, die mit dem Gebäude konstruktiv verbunden sind und Treppen, die unabhängig vom Gebäude im Gelände erstellt wurden (Freitreppen). Im Bild eine Innentreppe im Bauhaus Dessau.

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