Flutkapelle St. Donatus Walporzheim

Schiefer, Holz und Grauwacke

Im Juli 2021 war insbesondere das Ahrtal von schweren Überschwemmungen betroffen. Den Opfern kann nun in der Flutkapelle St. Donatus Walporzheim gedacht werden. Sie entstand auf Initiative einiger Freiwilliger, die selbst in den von Hochwasser zerstörten Gebieten mit angepackt hatten. Das kleine Bauwerk südwestlich von Ahrweiler ist eingebettet in den terrassierten Hang und von Weinbergen umgeben. Holz und Naturstein prägen den Entwurf von Kistner Architekten aus Mayen.  

Das von Natursteinmauern gehaltene Plateau bietet einen guten Ausblick über das Ahrtal.
Gemauerte Sitzbank im Eingangsbereich
Einladend konzipierter, geschützter Eingangsbereich

Diagonaler Dachfirst und zwei Flügel

Wie zwei Flügel, die sich schützend über die Konstruktion legen, kragt das Dach aus. Die schiefergedeckten Dachflächen laufen spitz zu. Der First verläuft diagonal über dem Grundriss, der aus einem Andachtsraum und einem überdachten Vorbereich besteht. Rückwärtig ist der Hang mit Bruchsteinmauern abgefangen. Der Holzbau ist davon abgerückt, dennoch scheint sich die Kubatur ins Gelände zu schmiegen. Festungsartig halten Natursteinmauern auch das kleine Plateau, auf dem die Kapelle steht und zu dessen Fuße der Rotweinwanderweg verläuft. An dieser Stelle eröffnet sich eine weite Aussicht über das Ahrtal.


Reduzierte, lebhafte Innenraumgestaltung

Die Kapelle misst acht Meter in der Breite und viereinhalb bzw. drei Meter in der Tiefe. Die Rückwand verläuft parallel zum Geländeeinschnitt. Unter dem spitzen Vordach formt die schräg gestellte Eingangswand mit drei Fenstern und einer Sitzbank eine einladende Geste. 

Aus dem Andachtsraum geben schmale, hohe Fenster gezielte Ausblicke frei. Polygonale Platten aus Mosel-Grauwacke sind auf dem Boden verlegt. Auch die sparsame Einrichtung besteht aus dem groben Naturstein, ergänzt mit wenigen Holzelementen. Um die Fenster sind die Wände hell verputzt, andere Abschnitte hingegen sind mit Holzpaneelen verkleidet. Deren feine Lamellen in diversen Nuancen von Braun ergeben eine lebhafte Struktur. Die diagonal geführte, helle Dachkonstruktion setzt sich deutlich ab; die Sparrenzwischenräume sind ebenfalls mit Holzpaneelen gefüllt.

Holzkonstruktion und Schieferdeckung

Ein digitales, dreidimensionales Gebäudemodell und regelmäßiger Datenaustausch seitens der Fachplaner erleichterten die Umsetzung der komplexen Form. Die Kapelle erscheint aus jedem Blickwinkel anders – am Ufer der Ahr stehend, beim Aufgang über den Rotweinwanderweg oder bei Ankunft auf dem Plateau.

Der Holzbau mit Sparrendach ist auf einem Sockel aus Stahlbeton errichtet. Die Außenwände wurden als vorgefertigte Holzrahmenelemente zur Baustelle geliefert. Holz, Schiefer und Grauwacke sind traditionelle Baumaterialien in der Region. Bei der Dachdeckung handelt es sich um eine Bogenschnitt-Deckung aus Naturschiefer. Die einzelnen Platten (Schablonen) im Format 30 x 30 cm sind mit je mindestens drei Nägeln oder Schrauben auf einer hinterlüfteten Holzschalung befestigt. Die Dachneigung beträgt 35°. -us

Bautafel

Architektur: KISTNERarchitekten, Mayen
Projektbeteiligte: Franz Denkinger, Bad Schussenried (Tragwerksplanung); Zimmerei Schafitel, Reinstetten (Holzbau); Herrmann Bedachung, Rheinböllen (Dachdecker); Stexon, Forst (Stahlverbinder und Bodenverankerung Holzbau); Bechtold, Kronau (Fensterhersteller); Lignotrend, Weilheim-Bannholz (Innenbekleidung); Heinz Schnorpfeil Baustoff, Treis-Karden (Bodenbelag Grauwacke); Westdeutsche Grauwacke-Union, Lindlar (Wandverkleidung, Sitzpodeste); Rathscheck Schiefer, Mayen (Dachschiefer)
Bauherr: Kapelle St. Donatus, Freundeskreis der Kapelle St. Josef, Walporzheim
Fertigstellung: 2023
Standort: Marienthaler Str. 70, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bildnachweis: Klaus Geck, Christian Kistner (Fotos); Zimmerei Schafitel (Perspektive); KISTNERarchitekten (Pläne)

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