Firmenzentrale und Betriebsstätte in Rottenburg-Ergenzingen

Schützendes Vordach in karbonisiertem Lärchenholz

Ein gelungenes Beispiel für ein Industriegebäude in Holzbauweise ist die Firmenzentrale und Betriebsstätte Hald & Grunewald in Rottenburg-Ergenzingen, rund 50 Kilometer südlich von Stuttgart. Rundzwei Architekten aus Berlin haben ein markantes, funktionales Gebäude namens Holzhut entworfen, das seinen Namen einem lichtdurchlässigen, umlaufenden Vordach aus karbonisiertem Lärchenholz verdankt. Es schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen und verleiht ihm charakteristische Form.

Blick aus südlicher Richtung auf das Werksgebäude und das dahinter liegende Bürogebäude
Das auskragende Vordach bietet Schutz vor Witterung und trägt zum baulichen Wärmeschutz bei.
Rund um das Gebäude entstehen geschützte Verkehrsflächen und Arbeitsbereiche.

Unternehmensbereiche gebündelt

Das Unternehmen ist auf den Verkauf und die Vermietung von Gabelstaplern, Teleskopstaplern, Arbeitsbühnen und Containerlösungen spezialisiert. Schulungen, Wartung und Reparaturen gehören ebenfalls zum Angebot. Am neuen Hauptstandort in Ergenzingen, zwischen Schönbuch, Nordschwarzwald und Schwäbischer Alb, sind rund 90 Mitarbeiter beschäftigt. Ziel des Neubauprojekts war es, alle Funktionen des Unternehmens an einem Standort zu bündeln.


Verwaltung und Werk vereint

Der geradlinige Neubau mit rechteckigem Grundriss besteht aus zwei Teilen: Dem Werksgebäude, das rund Dreiviertel der Grundfläche einnimmt und der dreigeschossigen Verwaltung. Die einheitliche Fassadengestaltung und das umlaufende, sechs Meter auskragende Vordach verbinden die Gebäudeteile. Der breite Dachüberstand bietet nicht nur Schutz vor direktem Sonnenlicht und Regen, er trägt auch zum baulichen Wärmeschutz bei. Rund um das Gebäude entstehen unter dem Vordach geschützte Verkehrsflächen und Arbeitsbereiche sowie Stellflächen für die Abholung und Rückgabe der Mietfahrzeuge.

Lärchenholzfassade im Hell-Dunkel-Kontrast

Das Vordach hebt sich auch gestalterisch ab: Während die übrige Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz besteht, kam für den breiten Dachüberstand karbonisiertes Lärchenholz zum Einsatz. Das Holz wurde nach der japanischen Tradition Yakisugi in Handarbeit verkohlt. Es nimmt dadurch weniger Wasser auf und ist vor Schimmel, Verwitterung, Fäulnis und Feuchtigkeit geschützt. Die dunklen Latten sind horizontal in lichten Abständen auf einer Unterkonstruktion montiert. Die Lichtdurchlässigkeit des Vordaches ermöglicht eine natürliche Belichtung der Werkshalle.

Massive, sichtbar belassene Brettschichtholzträger

Die Konstruktion und das Tragwerk des Gebäudes sind aus Holz. In der Halle lagern massive auskragende Brettschichtholzträger auf Brettschichtholzstützen. Die Bodenplatte besteht aus Beton. Ein umlaufender Sichtbetonsockel schützt vor mechanischen Beschädigungen. Die Geschossdecken aus Brettsperrholz (BSP) lagern auf Brettschichtholzträgern. Lediglich der Bereich des Atriums wurde als Ortbetondecke ausgeführt. Eine Brandwand aus Ortbeton trennt den Hallenteil vom Betriebsgebäude.

Skulpturale Wendeltreppe als Blickfang

Das Bürogebäude wird im Nordwesten über ein großzügiges, helles Foyer erschlossen, das über ellipsenförmige Deckenausschnitte bis unters Dach offen gestaltet ist. Eine imposante, geschwungene Stahltreppe im Zentrum verbindet die drei Büroetagen und sorgt für Blickbeziehungen in die Büros, Schulungsräume und gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie das Mitarbeitercafé. Ein großes, ebenfalls elliptisches Dachfenster führt Tageslicht in den Treppenbereich und die Büros. Glastrennwände fördern eine transparente und kommunikative Arbeitsatmosphäre; Akustikdecken aus Holz sorgen für ein gutes Raumklima.

Kostengünstige Wärmeversorgung

Ein Blockheizkraftwerk versorgt die Fußbodenheizung im Werksgebäude sowie den Büroteil mit Wärme und deckt außerdem einen Großteil des Strombedarfs. Das Gebäude ist nach Niedrigenergiestandard gedämmt. Im Sommer sorgt die Absorptionskältemaschine für ein angenehm kühles Klima in den Räumen. Ein großer Teil der Dachfläche wurde als extensives Gründach bepflanzt, das Vögeln und Insekten als Lebensraum dient und den Mitarbeitenden auf der angrenzenden Dachterrasse Erholungswert bietet. Die Frischluftzufuhr erfolgt über manuell zu öffnende Fenster.

Bautafel

Architektur: rundzwei Architekten, Berlin
Projektbeteiligte:
Ulrich Franke, Bau Consulting + Control, Berlin (Projektsteuerung); Janowski Ingenieure, Berlin (TGA-Planung); brandschutz plus, Berlin (Brandschutzplanung); ELB Energieberater, Potsdam (Bauphysik); knippershelbig, Stuttgart (Tragwerksplanung); Brüninghoff Group, Heiden (Generalunternehmer); Brüninghoff Holz, Villingen-Schwemmingen (Holzrahmenbauwände); Holzbau Flack, Ammerbruch (Akkustikdecken Holz)
Bauherr/in: Hald & Grunewald, Rottenburg-Ergenzingen
Fertigstellung: 2022
Standort: Rottenburg-Ergenzingen
Bildnachweis: Gui Rebelo, Estúdio Elefante

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Holz und auch Holzwerkstoffe bieten eine Vielfalt von Möglichkeiten: Karbonisierte Holztafeln bilden die Fassade des Baugruppenhauses Frizz23 in Berlin-Kreuzberg (Deadline Architekten, 2019).

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Brettschichtholz (BSH) besteht aus beliebig vielen, festigkeitssortierten Brettlamellen mit maximal 45 mm Dicke, die faserparallel zu Trägern verklebt sind.

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Bauprodukte im Ingenieurholzbau: Übersicht

Brettsperrholz eignet sich sehr gut für Wandelemente. Um vertikale Lasten optimal abtragen zu können, müssen die Decklagen stehend angeordnet sein.

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Dachträger aus Brettschichtholz kommen im Hallenbau häufig zum Einsatz.

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