Feuerwehrhaus Tübingen-Lustnau

Holzbau mit Gründach und Photovoltaik

Im November 2022 wurde im Tübinger Stadtteil Lustnau ein neues, ökologisch konzipiertes Feuerwehrgebäude für die freiwillige Einsatzabteilung fertiggestellt. Die Konstruktion und die Außenverkleidung bestehen aus FSC-zertifiziertem Holz. Die Lage an einer Kreuzung im Nordwesten der Universitätsstadt ist verkehrstechnisch günstig. Gaus Architekten aus Göppingen entwarfen einen ein- bis zweigeschossigen Bau, der sich gut in die Umgebung einfügt.

Das von Gaus Architekten geplante Feuerwehrhaus ist an einer Kreuzung im Nordwesten Tübingens gelegen.
Das Gebäude ist ein konstruktiver Holzbau mit Gründach und Photovoltaik.
Fahrzeughalle und Verwaltungstrakt aus westlicher Richtung

Hallentrakt mit Flügeln

Den Kern des Gebäudes bildet die Fahrzeughalle mit rechteckigem Grundriss. Zwei im Grundriss trapezförmige Gebäudeteile mit teils gerundeten Ecken schließen im Nordosten und Südosten an. Auf diese Weise entsteht eine Gebäudefigur, die einladend den Vorplatz umfasst und zugleich einen geschützten Hinterhof definiert. Entlang der Stuttgarter Straße, einer überregionalen Nord-Südverbindung, befinden sich Stellplätze. 

Der geschickt konzipierte Baukörper bildet einen neuen Stadteingang und zugleich eine freundliche Anlaufstelle für die Feuerwehrleute. Organisatorisches und räumliches Zentrum ist die sieben Meter hohe Fahrzeughalle, die sich auf zwei Seiten vollständig öffnen lässt. So können die Einsatzfahrzeuge von einer Seite ohne aufwändiges Rangieren und den damit verbundenen Lärm direkt einfahren und im Notfall auf der anderen Seite vorwärts wieder herausfahren.

Funktionale Ordnung

Der trapezförmige, eingeschossige Trakt an der Nordseite ist zur Halle geöffnet: Er umfasst Lagerflächen, eine Werkstatt und einen Trockenraum. Von der Straße aus bietet ein Schaufenster Einblick in einen kleinen Ausstellungsbereich, der über die Tätigkeit der Feuerwehr informiert. Der südliche, zweigeschossige Trakt ist der Verwaltungsbereich: Neben der Einsatzzentrale sind dort Umkleidebereiche für die Feuerwehrleute und die Jugend, Aufenthalts- und Schulungsräume und diverse Nebenräume untergebracht.

Konstruktion aus Holz und Beton

Aus statischen Gründen sind sowohl die Bodenplatte als auch der Aufzugsschacht zusammen mit dem Treppenhaus aus Beton gefertigt. Im Übrigen basiert die Struktur auf einem Holzständerwerk mit Unterzügen und Stützen aus Brettschichtholz. Im Inneren des Gebäudes kommen auch Träger und Stützen aus Buchenfurnierschichtholz zum Einsatz. 

Wärmeerzeugung und erneuerbare Energien

Die effiziente Gebäudetechnik nutzt Holzpellets für die Heizung und wird durch Photovoltaik und Solarthermie ergänzt. Die Anforderungen an die Beheizung des Feuerwehrhauses sind nicht einheitlich. In der Fahrzeughalle und dem Lagerraum bleibt eine Grundtemperatur von 12°C gewährleistet; bedarfsabhängig können sie zusätzlich mit Deckenstrahlungsheizkörpern beheizt werden. Auch die Temperaturen im Verwaltungsbereich lassen sich flexibel regeln und werden nicht konstant auf Nutzungstemperatur-Niveau gehalten. Das führt zu einer erheblichen Energieeinsparung. Die Wärme für die Räume und die Warmwasserbereitung entstammt einer Holzpellet-Anlage mit Pellets-Lager und Pufferspeicher.

Auf dem extensiv begrünten Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom, der direkt genutzt werden kann. Zudem befinden sich dort Solaranlagen, die an den Pufferspeicher angebunden die Wärmeversorgung unterstützen. All diese aktiven und passiven Maßnahmen tragen dazu bei, dass der Verwaltungsbereich fast den KfW 40-Standard eines Passivhauses erreicht.

Extensiv begrüntes Flachdach: Aufbau im Detail

Den unteren Abschluss des Dachaufbaus bildet die tragende, 120 mm starke Brettschichtholzdecke, auf der eine bituminöse Nagelbahn befestigt ist. Die einlagige Dampfsperre darüber ist mit einem bituminösen Voranstrich versehen. Eine EPS-Dämmschicht ist mit 2% Gefälle ausgeführt: Sie ist im Mittel 260 mm stark, am tiefsten Punkt 160 mm und am höchsten Punkt 360 mm dick. Es folgt eine zweilagige bituminöse Dachabdichtung. Die Randbereiche der Flachdachkonstruktion sind mit einem 60 mm hohen und 500 mm breiten Kiesstreifen ausgeführt. Über eine Kiesfangleiste abgetrennt sind ein Durchwurzelungsschutz oberhalb der Abdichtung, eine 40 mm starke Dränschicht zur Ableitung und Speicherung von Regenwasser sowie eine 100 mm hohe Vegetationsschicht mit extensiver Begrünung

An aufgehenden Bauteilen ist die bituminöse Abdichtungsbahn über einen Dämmkeil hochgeführt und ragt über die Vegetationsschicht hinaus. Die PV- Anlage mit Solarmodulen aus recyceltem Kunststoff ist über dem Gründach aufgeständert.

Bautafel

Architektur: Gaus Architekten, Göppingen
Projektbeteiligte: Schneck Schaal Braun, Tübingen (Tragwerksplanung); ebök Planung und Entwicklung (HLS, Bauphysik, Akustik); Ingenieurbüro Rieder, Rottenburg am Neckar (Elektroplanung); Herr Mozer, FAB Feuerwehr / Vorbeugender Brandschutz (Brandschutz); frei raum concept, Rottenburg am Neckar / Stuttgart (Freianlagen); GN Bauphysik, Stuttgart (Schallschutz)
Bauherr*in: Universitätsstadt Tübingen, Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement
Fertigstellung: 2022
Standort: Alberstraße 15, 72074 Tübingen
Bildnachweis: Oliver Rieger, Stuttgart

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