Ferienhäuser Seeds in Jiangxi

Vier hölzerne Ellipsoide

Wie ein Blick in die Baugeschichte zeigt, eignen sich besonders Wochenendhäuser und Pavillons für architektonische Experimente. Sie stellen vermeintliche Konventionen in Frage, lassen ein Spiel mit Raum, Form und Material zu und ermöglichen Erfahrungen, die anschließend in größere Projekte einfließen können. In diesem Fall ging die Initiative zu einem eher ungewöhnlichen Projekt in der chinesischen Provinz Jiangxi vom Bauherren aus, einem Betreiber von Hotels und Ferienanlagen. Er wünschte sich für mehrere Ferienhäuser auf einem Baugrundstück zwischen bewaldeten Hügeln, einem See, Flußläufen, Teichen und Reisfeldern eine Gestaltung, die sich aus der Natur ergibt und sich ebenso auf die Natur bezieht.

Die vier Ferienhäuser befinden sich in einer Gegend bei Jiangxi, die geprägt ist durch zahlreiche Seen, die als wichtiges Süßwasserreservoir für China gelten, und durch ein überwiegend feuchtes warmes Klima.
Der Bauherr wünschte sich für mehrere Ferienunterkünfte auf einem Baugrundstück zwischen bewaldeten Hügeln, einem See, Flußläufen, Teichen und Reisfeldern eine Gestaltung, die sich aus der Natur ergibt und sich ebenso auf die Natur bezieht.
Die bauchigen, runden Kapseln sind aufgeständert, verfügen über kreisrunde Öffnungen und blattartige Terrassen.

Das in Schanghai ansässige Büro ZJJZ nutzte diese kreative Freiheit und entwickelte vier Baukörper aus ellipsoiden Zellen, die es Seeds (Samenkörner) taufte. Die bauchigen, runden Kapseln sind aufgeständert, verfügen über kreisrunde Öffnungen und blattartige Terrassen. Sie befinden sich in einer Gegend, die geprägt ist durch zahlreiche Seen, die als wichtiges Süßwasserreservoir für China gelten, und durch ein überwiegend feuchtes warmes Klima.

Architektonisches Vokabular

Auf den ersten Blick wirken die vier Ellipsoide wie Exemplare einer parametrischen und futuristischen Blob-Architektur, doch dieser Eindruck trügt. Sie enthalten Vokabular aus der klassischen chinesischen Architektur wie beispielsweise kreisrunde Öffnungen, die sogenannten Mondtore, für Türen und Sichtachsen, natürliche und einfach belassene Materialien wie Kiefernholz und dazu glänzende Oberflächen, hier nicht als Lack sondern als poliertes Aluminium. Diese traditionellen Elemente werden jedoch zeitgenössisch interpretiert.

Materialien und Farben

Kiefernholz- und Aluminiumschindeln bilden als eine umhüllende Schale die Fassaden. An den Unterseiten sind die Ellipsoide großflächig mit auf Hochglanz polierten Aluminiumschindeln verkleidet, die dadurch wie ein Spiegel den Erdboden reflektieren und dessen Wandel je nach Wetter und Jahreszeit zeigen. Im Frühling und im Sommer schimmern die Schindeln eher grünlich-frisch, bei Nebel milchig-weiß, im Winter erdig-rötlich. Im oberen Bereich der Baukörper sind einige Aluminiumschindeln punktuell zwischen die braunen Kiefernschindeln gestreut, wodurch ein Spiel mit Lichtpunkten aus den Reflexionen der Sonnenstrahlen und den im Wind bewegten Blättern entsteht. Die Holzschindeln sind in einem warmen Braunton naturbelassen, um sich farblich der Umgebung anzupassen.

Kreisrunde Fenster- und Türöffnungen

Die kreisrunden Fenster, die im Westen als Ochsenaugen bezeichnet werden, sind sehr sorgfältig auf die verschiedenen Ausblicke und die Belichtung des inneren Volumens abgestimmt. In der Anmutung von Augen ist beispielsweise ein Ochsenauge auf die Bäume, eines auf den See und die Teiche und wiederum ein anderes auf den Himmel ausgerichtet. Sie variieren auch im Durchmesser, da sie der jeweiligen Krümmung der Schale angepasst sind. Jedes bewohnbare Samenkorn hat so ein individuelles Äußeres.

Kreisrunde Öffnungen dienen auch als Türen, deren Türblätter mit Pfosten in den Kreis eingefügt sind. Die Laibung der Terrassenöffnung ist als betont dimensionierter Zylinder in die bauchige Krümmung eingeschnitten. Die Terrasse ähnelt typologisch eher einer aufgeständerten Veranda und nimmt wiederum in ihrer kreisrunden Kontur das Motiv der Krümmungen und Rundungen auf – gleichsam einem Blütenblatt, das auf den Boden gefallen ist. Durch eine Aussparung in einer der Plattformen wächst sogar ein Baum.

60 m² zum Wohnen

Im Inneren sind die nur knapp 60 m² großen Ferienhäuser komplett mit hellen braunen Holzpaneelen verkleidet, die in ihren Streifen und dem graphischem Fugenbild wiederum die bauchige Krümmung nachzeichnen und betonen. Auf der Eingangsebene befinden sich ein kombinierter Wohn- und Schlafraum, ein Badezimmer und eine Abstellkammer. Eine hölzerne Treppe in einem zylindrischen Gehäuse führt auf eine Galerie, die als weiterer Schlafbereich oder für Kinder zum Spielen genutzt werden kann. Ein nach oben gerichtetes Ochsenauge lädt ein den Blick über die Baumwipfel in den Himmel zu lenken.

Konzept und Haltung

Die Architekturschaffenden von ZJJZ formulieren als architektonisches Konzept für die Seeds einen kreativen und zugleich kontemplativen Umgang mit Raum und Umgebung. Mit dieser Haltung möchten sie den Bewohnern und Bewohnerinnen eine Interaktion mit Licht, Schatten, Tönen und Farben der Natur ermöglichen sowie die Koexistenz von Rationalität und Spiritualität erfahrbar machen. -sj

Bautafel

Architektur: ZJJZ, Schanghai, China
Projektteam: Yuying Kate Tsai, Xuanru Chen, Sean Shen
Projektbeteiligte: XIE Technologies (Statik); HXP Planung, Darmstadt (Bauunternehmen)  
Bauherr/in: Tree Wow, China
Fertigstellung: 2020
Standort:
Jiangxi, China
Bildnachweise: Fangfang Tiang, Shanghai; ZJJZ, Shanghai; Tree Wow, China

Fachwissen zum Thema

Ein Mondtor ist ein ursprünglich leerer Kreis, bei dem die Kontur eine farblich abgesetzte und betonte Laibung bildet. Der Kreis ist dabei etwa 20 cm über dem Boden angeordnet, so als würde er über einer Schwelle schweben (im Bild: Mondtor in einer Gartenwand; Chinesischer Garten im Botanischen Garten, Ruhr-Universität Bochum).

Ein Mondtor ist ein ursprünglich leerer Kreis, bei dem die Kontur eine farblich abgesetzte und betonte Laibung bildet. Der Kreis ist dabei etwa 20 cm über dem Boden angeordnet, so als würde er über einer Schwelle schweben (im Bild: Mondtor in einer Gartenwand; Chinesischer Garten im Botanischen Garten, Ruhr-Universität Bochum).

Türarten

Mondtor

In der Architektur bezeichnet der Begriff Ochsenauge ein kleineres kreisrundes oder horizontal ovales Fenster.

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Fensterarten

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