Feinsteinzeug

Im Unterschied zur Namensvermutung handelt es sich bei Feinsteinzeug nicht um Fliesen und Platten aus besonders fein gemahlenen Rohstoffen, sondern um Steinzeugfliesen mit besonders niedriger Wasseraufnahme von unter 0,5%. Sie werden unter hohem Druck gepresst und bei bis zu 1.300°C im Rollenofen gebrannt, weshalb sie über einen besonders dichten Scherben verfügen. Da der zugesetzte Rohstoff Feldspat einen verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt aufweist, kommt es beim Brennen zu einer nahezu vollständigen Sinterung ohne offene Poren – zumindest in der oberen Sinterschicht.

Feinsteinzeugbodenfliesen der Serie Bosco von Agrob Buchtal mit HT-Oberflächenbehandlung
Durchgefärbte Feinsteinzeugfliesen mit Natursteinoptik: die Kollektion Lyon von Grespania
Feinsteinzeugfliesen der Bodenserie Trias von Agrob Buchtal in erdigen Farbtönen

Unglasiertes technisches Feinsteinzeug einiger Hersteller kommt sogar auf Werte von bis zu 0,03% Wasseraufnahme. Wenn man bedenkt, dass Glasplatten eine Wasseraufnahme von etwa 0,02 % haben, erklärt ein derartiger Wert, warum von „Verglasung“ bei der Herstellung des Materials gesprochen wird. Da die Normgebung mit dem technischen Fortschritt nicht hat Schritt halten können und dieser neuen Entwicklung vermutlich erst mit der noch zu verabschiedenden ISO-Norm 13006 Keramische Fliesen und Platten Rechnung trägt, bleibt „Feinsteinzeug“ bis dahin eine Handelsbezeichnung, die man in normativen Begriffsbestimmungen und Definitionen vergebens sucht.

Auch bei durchgefärbtem Feinsteinzeug muss es sich übrigens nicht um Fliesen und Platten handeln, die über die volle Stärke aus dem Material bestehen, welches die Oberfläche signalisiert. Im Gegenteil ist das „full body“ Feinsteinzeug wegen der höheren Rohstoffkosten auf dem Rückzug, seit die Digitaldruck-Technologie das Aufdrucken nahezu jeden Dekors möglich gemacht hat. Diese Fliesen und Platten dürfen sich selbst dann durchgefärbtes unglasiertes Feinsteinzeug nennen, wenn sie über eine Sandglasur auf der Oberfläche verfügen und aus zwei unterschiedlichen übereinander liegenden Scherben (einem dünnen hochwertigen und texturgebenden oben und einem günstigen einfarbigen unten) bestehen.

Während die meisten Oberflächenstrukturen mittels Stempel beim Pressen erzeugt werden, wird poliertes Feinsteinzeug nachträglich durch Schleifen der Oberfläche erzeugt. Im Unterschied zum Naturstein, bei dem Polieren eher dazu führt, dass sich Poren schließen, können beim Feinsteinzeug feine Kavernen geöffnet werden, wenn der Poliervorgang zu tief in die Sinterschicht eindringt; daher ist ein Imprägnieren des polierten Materials stets angeraten.

Wegen ihrer technischen Eigenschaften, zu denen auch die Frostfestigkeit gehört, eignet sich Feinsteinzeug für nahezu sämtliche Anwendungen im Innen- wie im Außenbereich, egal ob als Boden-, Wand- und Treppenbelag oder als Fassadenbekleidung.

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