Erweiterung eines Einfamilienhauses in Fairfield

Holzkubus in Rot und Grau

Was unterscheidet australische von amerikanischen Vorortsiedlungen der Zeit um 1900? Abgesehen vom Links- bzw. Rechtsverkehr dürfte es schwerfallen, signifikante Unterschiede auszumachen: Da wie dort rechtwinklige Straßenraster, dichte, teppichartige Strukturen aus aneinandergereihten, ein- maximal zweigeschossigen Wohnhäusern, die auf kleinen Grundstücken in Leicht- oder auch Massivbauweise errichtet wurden. So sieht es auch in Fairfield aus, einem 6.000-Einwohner-Vorort von Melbourne, gut sechs Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Hier hat das Architekturbüro Kart Projects ein kleines Einfamilienhaus erweitert, das jetzt insgesamt auf einer Ebene rund 140 Quadratmeter hat.

Der kubische Erweiterungsbau thematisiert in Rot die Holzrahmenbauweise.
Die Attika ist mit grauen Faserzementplatten verkleidet.
Zum Teil ist die Fassade bodentief verglast.

Den Bauherren – eine Familie mit zwei Kindern – war daran gelegen, das kleine, zehn Meter breite und knapp 35 Meter tiefe Grundstück optimal auszunutzen. Da das von Osten erschlossene Haus direkt an seinen südlichen Nachbarn anstößt und zum nördlichen lediglich zwei Meter Abstand hat, blieb nur die Option eines rückwärtigen, westlichen Anbaus mit rund 30 Quadratmetern zusätzlicher Wohnfläche.

Übergang von alt zu neu
Der offene Wohn- und Essbereich bildet einen neuen Kubus, der vom Bestand durch seitliche Rücksprünge abgesetzt ist. In der schon im Neubauteil befindlichen Küche markiert zudem ein Oberlicht quer über dem offenen Küchenblock die Übergangszone von Neu und Alt. Im Wohn- und Essbereich bilden die weiß gefassten Holz-Deckenträger eine Kassettenstruktur, die zugunsten einer größeren Raumhöhe sichtbar belassen wurde. Terrazzoböden, Einbauschränke, Birkenholzpaneele und bodentiefe Holzrahmenfenster sorgen für räumliche Klarheit und vermitteln auf engem Raum ein Gefühl von Großzügigkeit. 

Der einst T-förmige Bestandsbau mit nördlichem Längsflügel wurde neu organisiert, so dass jetzt drei Individualräume und zwei Bäder vom zentralen, in den Erweiterungsteil führenden Flur erschlossen sind. Das  Arbeitszimmer, ursprünglich in der äußersten Ecke des Altbaus, befindet sich jetzt auf Höhe der Küche und wurde nach Westen hin zum Wohnbereich geöffnet, von dem es nur durch eine fest eingebaute Liegefläche getrennt ist.

Die verbliebene, rund zehn auf zwölf Meter große Freifläche westlich des Hauses ist streng geometrisch organisiert. Die Terrasse wird südseitig vom Kubus eines längsgerichteten, nur teilweise eingegrabenen Swimmingpools aus geschliffenem Beton eingefasst und westlich von einem quergelagerten Beton-Sitzblock, auf den ein freistehender Außenkamin als schwarze, kubische Stahlsäule asymmetrisch aufgesetzt wurde.

Fassade: Stülpschalung, Schichtholzständer und Faserzementplatten
Alt- und Neubau sind an ihren Fassaden klar ablesbar geblieben. Die Farben reduzieren sich auf Grau, Weiß, Rot und sichtbares Holz. Gartenseitig wurde die übliche Holzrahmenbauweise als Gestaltungselement explizit gemacht. Neun 2,50 Meter hohe, tiefrot gefasste Schichtholz-Schotten wurden in etwa 60 Zentimeter Abstand außen sichtbar über zwei Drittel der Westfront aufgereiht und geben der Fassade eine Vertikalstruktur mit skulpturalem Charakter. Dieser geschlossene, strukturierte Wandbereich kontrastiert die anschließende, bodentiefe Übereckverglasung, die sich durch Schiebeelemente teilweise öffnen lässt. 

Beide Bereiche werden durch eine umlaufende, ca. 1,80 Meter hohe Attika zusammengefasst, die mit sattgrau gefassten Faserzementplatten verkleidet ist. Am Bestandbau wurde die Stülpschalung des Hauptbaukörpers samt Fensterrahmen in dunklerem Grau (Farbton: BlackCaviar) gefasst. Der straßenseitige Risalit und die Seitenfront des Nordflügels, ebenfalls mit Stülpschalung verkleidet, wurden weiß gehalten. Das Walmdach des Bestandsbaus erhielt eine neue Wellblechdeckung. Ein filigraner Lattenzaun nimmt straßenseitig das Rot der rückseitigen Holzrahmen wie auch der Fensterlaibungen des Neubaus auf.

Bautafel

Architektur: Kart Projects, Melbourne
Projektbeteiligte: Martin Musiatowicz, Erhau Lee, Karen Fermo, Martyna Sekula, Steph Pahnis (Projektteam Architektur); StructED Consulting Engineers, (Cathy Poon); Glen Waverley, Victoria (Tragstruktur), Blue Lotus Consulting, Melbourne (Nachhaltigkeitsplanung); Hemming & Nicoll Construction, Melbourne (Ausführung Anbau); Vogue Grange, Collingwood, Victoria (Außenanlagen); Grange Pools, Mount Martha, Victoria (Swimmingpool)
Bauherr/in: privat
Fertigstellung: 2021
Standort: Fairfield, Victoria 3078, Australien
Bildnachweis: Rory Gardiner, London / Kart Projects, Melbourne

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