Erweiterung der Kantonsschule Uster
Wiederverwendete und ertüchtigte Baucontainer
Als „Heimkehr eines Provisoriums“ ließe sich die Erweiterung der Kantonsschule Uster bezeichnen, die von baubüro in situ realisiert wurde. Die insgesamt 80 vorgefertigten Module, aus denen sich die zwei Gebäude zusammensetzen, dienten nämlich zunächst der Berufsfachschule Uster (BFSU) als temporäres Quartier. Anschließend standen sie einige Jahre lang in Winterthur, bevor sie 2025 wieder in Uster aufgebaut wurden.
Das Provisorium wurde in Uster 2019 überflüssig, nach Vereinigung der BFSU mit der Höheren Berufsbildung Uster (HBU) und der Kantonsschule Uster (KUS). Im zwanzig Kilometer nördlich gelegenen Winterthur beherbergten die Container die Kantonsschule im Lee, während einer Instandsetzungsphase. Zurück in Uster ergänzen sie nun ein größeres, baugleiches Provisorium aus der Zusammenlegungsphase des sogenannten Parkschulcampus. Dieses fünfteilige Ensemble besteht selbst aus mehr als 220 Containern und war als Interimslösung gedacht. Wegen des kontinuierlichen Platzbedarfs der Kantonsschule Uster blieb es jedoch auch nach 2019 bestehen.
Fit für weitere zehn Jahre
Die beiden zurückgekehrten Modulbauten, Haus L und Haus M, erweitern den Parkschulcampus nach Westen und sollen für weitere zehn Jahre genutzt werden. Nach der Intervention durch baubüro in situ unterscheiden sie sich nun deutlich von den vorhandenen Pendants. Diese sind „in Reih und Glied“ ausgerichtet, Haus L hingegen ist etwas nach Norden versetzt und Haus M um mehr als 20 Grad aus dem Raster der Bestandsanlage gedreht.
Je zwei Reihen von zehn Containern bilden ein Geschoss, je 40 Container wurden pro Gebäude verbaut. Zusammen ist Platz für dreizehn Unterrichtsräume. In Haus M befinden sich außerdem WCs und ein paar Nebenräume. Ein zweigeschossiger Laubengang verbindet die Gebäude miteinander. Dazu erhielten sie jeweils an einer Längsseite eine unbeheizte, rund zweieinhalb Meter tiefe Vorzone. Diese Holzanbauten mit auskragenden Pultdächern sind Veranda und Klimapuffer zugleich und dienen teils als Aufenthaltsbereiche für die Schüler, teils als Erweiterung der Unterrichtsräume.
Re-Use regional
Die Containerbauten wurden mit
zahlreichen wiederverwendeten Materialien ertüchtigt. Bei der
Beschaffung arbeitete das Architekturbüro mit den
Fachplaner*innen von Zirkular zusammen, die die Baustoffe und
Bauteile in einem Umkreis von 40 bis 80 Kilometern um Uster herum
fanden. Dazu zählen Bodenplatten einer Autobahnbaustelle bei Glarus
sowie Stahlträger, Trapezbleche, Fenster, Türen und Lampen von
Wohnsiedlungen und Werkshallen in Zürich und Umgebung. Die
Gitterroste und Geländer besorgte man in Basel.
Fassade: Warming Stripe aus Trapezblechen
Die beiden Gebäude wurden in eine mit Holzfaserplatten ausgefachte Holzrahmenkonstruktion eingepackt und mit hinterlüfteten Trapezblechen verkleidet. In Beige, Braun und Hellblau bilden sie eine Abfolge unterschiedlich breiter, senkrechter Streifen, die von den Warming Stripe genannten Grafiken der University of Reading inspiriert ist. So sind an der Fassade die Temperaturänderungen in der Schweiz während der letzten 150 Jahre ablesbar. Trapezbleche kamen auch als Dachdeckung zum Einsatz. Unter ihnen wurde mit Glaswolle und XPS-Sandwichpaneelen gedämmt.
Gebrauchte drei- und vierflügelige Balkonfenster schließen die
Holzanbauten ab. Als Absturzsicherung wurden im Obergeschoss
Staketengeländer aus Stahl wiederverwendet. An beiden
Geschossen montierte man vor ausgewählten Öffnungsflügeln ebenfalls
wiederverwendete Gitterroste. Sie dienen als Einbruchschutz, ohne
ein nächtliches Lüften zu behindern
(Nachtauskühlung). Großflächige Außenrollos in Rot, Weiß und
Blau wurden als Sonnenschutz angebracht.
Bautafel
Architektur: baubüro in situ, Zürich
Projektbeteiligte: Benjamin Poignon, Julia Riebel (Projektverantwortliche Architekturbüro), Christoph Müller, Rebecca Brandmayer, Zirkular, Basel (Fachplanung Wiederverwendung), JägerPartner, Zürich (Ingenieure), R+B engineering, Zürich (Elektroplaner), Gerber + Partner, Windisch (HLKS Planer), Baltensperger, Winterthur (Holzbau)
Bauherr: HBA – Hochbauamt Kanton Zürich
Fertigstellung: 2025
Standort: Krämerackerstrasse 11f, 8610 Uster, Schweiz
Bildnachweis: Martin Zeller (Fotos); baubüro in situ, Zürich (Baustellenfotos und Pläne)
Fachwissen zum Thema
Baunetz Wissen Fassade sponsored by:
MHZ Hachtel GmbH & Co. KG
Kontakt 0711 / 9751-0 | info@mhz.de