Erweiterung der Günderrodeschule in Frankfurt am Main

Schiefer-Wabendeckung über gläsernem Erdgeschoss

Die Günderrodeschule, eine Grundschule für rund 300 Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse, befindet sich in Frankfurt am Main im Stadtteil Gallus. Das Hauptgebäude wurde 1901 eröffnet, namensgebend ist der Politiker Freiherr Maximilian von Günderrode (1753-1834). An der Südostseite erhielt der hell verputzte, viergeschossige Mauerwerksbau mit Walmdach eine Erweiterung nach Plänen von prosa Architektur + Stadtplanung | Quasten Rauh, einer Bürogemeinschaft mit Sitz in Darmstadt.

Der Holzbau dockt mit zwei Geschossen südöstlich ans Hauptgebäude der Günderrodeschule im Stadtteil Gallus an. Diese wurde 1901 eröffnet.
Deutlich hebt sich der Neubau ab. Mit Innenbeleuchtung wirkt das verglaste Erdgeschoss sehr einladend.
Die Holzstützen treten zurück, sodass ein starker Gegensatz zwischen der Eingangsebene und dem schieferbekleideten Baukörper entsteht.

Der zweigeschossige Anbau in Holzbauweise bietet zusätzliche, flexibel nutzbare Unterrichts- und Besprechungsräume. Er setzt sich äußerlich klar ab und wertet den Bestand zugleich auf: Er ist flach, deutlich niedriger und dockt mit U-förmigem Grundriss – sodass ein Innenhof geschaffen wird – an die Seitenrisaliten des Altbaus an. Dieser wurde brandschutztechnisch saniert, barrierefrei ausgebaut und im Grundriss optimiert.

Oben Schiefer, unten Glas

Die Pfosten-Riegel-Fassade im Erdgeschoss des Neubaus ist verglast. So hebt sich das schieferbekleidete Obergeschoss umso deutlicher ab: Als markanter, dunkler Quader mit tief eingeschnittenen, großen Fensteröffnungen. Ein wenig überragt er die Eingangsebene, deren transparente Erscheinung ihm besondere Schwere verleiht.

Zur Hufnagelstraße im Osten besteht eine Passage zwischen Neu- und Altbau. Sie leitet über in den Hof, in dem die Eingänge der Häuser sich gegenüberliegen. Der Westflügel der Erweiterung schließt auf beiden Ebenen ans Haupthaus an. Ein den Patio umlaufender Flur im Obergeschoss ist mit dem Altbau beidseitig verknüpft.

Zwei Geschosse in Holzbauweise

Hinter der Pfosten-Riegel-Fassade in Holz/Aluminium treten die tragenden Holzstützen im Erdgeschoss zurück. Der Neubau wirkt dort – vor allem von innen beleuchtet – sehr einladend und lässt an einen Pavillon denken. Im direkten Umfeld und nördlich des Haupthauses stehen den Schülerinnen und Schülern Spiel- und Bewegungsflächen zur Verfügung.

Die Erweiterung ist nicht unterkellert und gründet auf einer Bodenplatte aus Stahlbeton. Brettsperrholzwände bilden mit den Holzstützen der Fassade das Tragwerk im Erdgeschoss. Die Decken sind ebenfalls aus Brettsperrholz vorgefertigt und abhängig von der Spannrichtung unterschiedlich stark. Im Obergeschoss sind die Außenwände tragend in Holzrahmenbauweise (24 cm starke Profile, inkl. Dämmung) errichtet. Zu den Fluren wurden Brettsperrholzwände eingesetzt. Das Flachdach ist mit einer Brettstapeldecke konstruiert, die unterseitig mit Akustikelementen versehen ist.

Im Erdgeschoss verhindern ein außenliegender Sonnenschutz und ein niedriger g-Wert der Verglasung eine Überhitzung im Sommer. Während der kalten Jahreszeit werden solare Wärmegewinne genutzt. Lüftungsöffnungen ermöglichen eine Nachtauskühlung und Querlüftung.

VHF mit Schiefer als Wabendeckung

Die Schieferfassade prägt die Erweiterung in hohem Maße. Das für einige Regionen Hessens typische Dach- und Fassadenmaterial findet sich insbesondere an historischen Gebäuden. Für die Architekten spielte auch die symbolische Wirkung der Schiefertafeln, als Utensil des Schulunterrichts im vergangenen Jahrhundert, eine Rolle. Der Naturstein zeigt ein modernes Erscheinungsbild: aufgrund der klaren Kubatur, die das gläserne Erdgeschoss überlagert, aber auch der hellen metallischen Laibungen, die gegenüber der Fassade hervortreten.

Weil Schiefer eine äußerst langlebige, wartungsarme Dach- und Fassadendeckung darstellt, handelt es sich auch um eine nachhaltige Gestaltungsform. Die Steine sind als Wabendeckung verlegt und Teil einer Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade (VHF).

Eingesetzt wurden 5 mm starke, säurefeste, reine Tonschiefer mit Konformitätsnachweis gemäß EN 12326: Schiefer und Naturstein für überlappende Dachdeckungen und Außenwandbekleidungen – Teil 1: Spezifikationen für Schiefer und carbonathaltige Schiefer. Der über Millionen von Jahren entstandene Naturstein weist naturgemäß geringe Schwankungen der Farbnuancen auf. Um eine Konzentration an bestimmten Stellen innerhalb der Fassade zu umgehen, wurden die Platten beim Eindecken verschiedenen Paletten entnommen.

Die Schiefer im Format 20 x 20 cm sind mit 40 mm Höhen- und Seitenüberdeckung und jeweils mindestens zwei Schiefernägeln oder -stiften aus nichtrostendem Stahl an der Unterkonstruktion befestigt: einer 24 mm starken Brettholzschalung und einer Konterlattung (30 x 50 mm), wodurch 30 mm Hinterlüftung hergestellt wurden. Es folgen 60 mm mineralische Dämmung und zwei Gipsfaserplatten (je 12,5 mm) vor der Holzkonstruktion (siehe Detail Abb. 12). -us

Bautafel

Architektur: prosa Architektur + Stadtplanung | Quasten Rauh, Darmstadt
Projektbeteiligte: Corinna Igel, Hochbauamt der Stadt Frankfurt am Main (Projektleitung); Grün Raum Planung, Hattersheim (Landschaftsplanung); Wagner Zeitter Bauingenieure, Wiesbaden (Tragwerk und Brandschutzkonzept); Krogmann Ingenieure – Holzbau, Lohne (Erweiterter Holzbau); Önder Bedachung, Lohne (Spengler/Schieferfassade); Rathscheck Schiefer, Mayen (Hersteller Schieferfassade)
Bauherr/in: Stadtschulamt Frankfurt am Main
Fertigstellung: 2018
Standort: Hufnagelstrasse 23-25, 60326 Frankfurt am Main
Bildnachweis: Rahel Welsen, Darmstadt

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