Einkaufszentrum in Cheonan/ROK

Beleuchtete Fassade mit Moiré-Effekt

Etwa 85 km südlich von Seoul, in der koreanischen Stadt Cheonan, ist das Einkaufszentrum Galleria Centercity weithin sichtbar. Das von UN Studio realisierte Gebäude sticht nicht nur durch sein Gebäudevolumen von 395.600 m³ hervor, sondern auch durch seine Fassade. Neben der medialen Gestaltung wurde hier durch eine doppelschalige Fassadenkonstruktion ein „Trompe-l’œil-Effekt“ (franz. täusche das Auge) erzeugt. Dabei lassen die vertikalen Linien die Anzahl der Stockwerke weder von außen noch im Gebäudeinneren erkennen.

Sanfte Lichtverläufe und intensive Farbdynamiken verwandeln die Fassade bei Nacht
Detailaufnahme der bespielten Fassade
Innenaufnahme des Kunst-und Kulturzentrum

Beim Betreten des Kaufhauses nehmen die Kunden einen vielschichtigen und abwechslungsreichen Raum wahr, der von Menschenströmen durchflossen wird. Programmatisch umfasst das Gebäude eine Reihe von kulturellen und öffentlichen Räumen, darunter ein Kunst- und Kulturzentrum und ein im Untergeschoss angeordneter Spezialitätenmarkt

Von den zehn Stockwerken, die das Einkaufszentrum umfasst, befinden sich vier unter der Erde. Für das Tragwerk kamen Stahl-Beton-Verbund Säulen und Böden aus einer Stahlkonstruktion mit Betonplatten zum Einsatz.

Fassade
Die doppelschichtige Fassade umschließt das Gebäude mit einer Fläche von 12.600 m² vollständig. Nur in der inneren Fassadenoberfläche sind einige strategisch gesetzte Öffnungen untergebracht. Diese versorgen den Innenraum mit Tageslicht, wobei die Lamellen der äußeren Fassade die direkte Sonneneinstrahlung verhindern. Nur indirektes und diffuses Sonnenlicht gelangt ins Innere, so dass sich das Gebäude nicht aufheizt. Durch das Zusammenspiel mit weißen Innenraumoberflächen wird der Bedarf an künstlicher Beleuchtung minimiert.

Für die Fassaden entwickelten die Architekten eine Konstruktion aus doppelten, unsymmetrisch übereinander gelagerten und vertikal angeordneten Aluminiumprofilen, wodurch sich ein Moiré-Effekt ergibt. Die hintere Lamellenschicht besteht aus Aluminium-Panelen, die vordere aus Aluminium-Dreiecksprofilen mit gehärtetem Glas, welche die Architekten speziell für dieses Projekt entwarfen.

Das Konzept für die Gebäudehülle basiert auf dem Prinzip der optischen Täuschung. Während des Tages wirkt die Gebäudehülle monochrom, wenn auch reflektierend. In der Dunkelheit gleiten Wellen von farbigem Licht über die große Oberfläche. Computer generierte Animationen von UN Studio sind in das Lichtdesign integriert und beziehen sich auf Themen rund um das Kaufhaus, wie Mode, Veranstaltungen, Kunst und öffentliches Leben.

Das Lichtdesign entstand parallel zur Architektur. Die speziell für dieses Projekt entwickelten RGB LED-Strahler sind vollständig in die Profile der äußeren Fassade integriert. Sie projizieren das Licht auf die innere Fassadenhülle, welche es wiederum auf die äußere Schicht reflektiert. Das somit indirekte, entblendete Licht ermöglicht es, die grundsätzlich stark fokussierten LED-Lichtpunkte in großflächige Bildpunkte umzusetzen. Insgesamt wurden dabei drei verschiedene Pixelarten eingesetzt, die sich durch ihre unterschiedliche Optik und die daraus resultierende Lichtwirkung voneinander unterscheiden.

Bautafel

Architekten: UNStudio, Amsterdam/NL
Projektbeteiligte: Gansam Architects & Partners, Seoul/ROK (ausführende Architekten); KBM, Seoul/ROK (Fassadenplanung); Zumtobel, Lemgo (Lichtlösung Fassade); Ag Licht, Bonn (Lichtplanung Fassade)
Bauherr: Hanwha Galleria, Cheonan/ROK
Fertigstellung: 2010
Standort: 521-3 Buldang-dong, Seobuk-gu, Cheonan, Chungcheongnam-do, Korea
Bildnachweis: Kim Yong-kwan, Korea

BauNetz Architekt*innen

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Sonderform: Medienfassaden

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