Eingepackt in Stroh

Sanierung der Casa Steila Mar

Ein zweihundert Jahre altes, mehrfach umgebautes Bauernhaus im Schweizer Ort Susch sollte energetisch saniert werden. Die drei aneinander gebauten heterogenen Baukörper des Bestands sollten zu einem Ganzen verschmelzen und obendrein eine neue, gut dämmende Hülle bekommen. Atelier Schmidt verfolgte den Ansatz, den Charakter des Engadinerhauses zu stärken, mittels kalkverputzter, dicker Strohwände und entsprechend tiefer Fensterlaibungen.

Rund 200 Jahre alt ist das alte Bauernhaus.
Die alten Fenster wurden entfernt und durch neue ersetzt. Sie sind in den Holzkästen montiert, die die Laibungen ausfüllen.
Vor die Bruchsteinwände wurden Strohballen aufeinandergeschichtet, fixiert mithilfe von Bretter und Führungsleisten.

Traditionell handelt es sich beim Engadinerhaus um einen Bauernhaustyp, der Wohn- und Wirtschaftsbereiche unter einem Dach vereint. Die robuste Bauweise mit massiven Steinmauern und tief eingeschnittenen Fenstern schützt vor den harten Wintern der Alpen. Oft sind die Gebäude über Jahrhunderte hinweg nach Bedarf erweitert worden und so nach und nach gewachsen. Im Zuge der Sanierung wurde der bestehende Wohnteil in zwei Einheiten unterteilt und der Stallanbau zum Atelier mit Wohnraum umgebaut. Dazu demontierte man an zwei Seiten die Holzverschalung des Stalls und setzte großflächige Verglasungen ein.

Die Architekt*innen wollten die thermische Speichermasse der Bruchsteinmauern nutzbar machen und packten sie dazu mit einer Außendämmung ein. Für ein behagliches Raumklima sorgen neben der neuen Strohhülle die bestehende Stückholzfeuerung sowie ein neu installierter Pellet- bzw. Stückholz-Kombikessel.

Strohballen klein und groß

Zunächst wurden die alten Fenster demontiert und in die Laibungen weit hervorstehende Brettsperrholzkisten eingefügt. Die neue Dreifachverglasung liegt eingerückt, in der Mauerwerksebene. Auf Wunsch der Bauherr*innen kam als Dämmstoff Stroh zum Einsatz. Die Kleinballen mit einer Größe von 1,00 x 0,50 x 0,35 Metern lagern auf einem Sockel aus Schaumglasschotterkörben, der gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdboden und der Bruchsteinwand schützt. Darüber sind die Ballen aufeinandergeschichtet, fixiert mithilfe waagrechter Bretter und Führungsleisten. Die Dämmebene schließt bündig mit den Holzauskleidungen der Laibungen ab. Ein Kalkputz schützt Strohballen und Brettsperrholz und schafft zugleich eine gleichmäßige Oberfläche. Heute erscheint das Engadinerhaus wie aus einem Guss.

Die alte Dachhaut wurde ebenfalls verstärkt und mit 70 Zentimeter hohen Großballen, sogenannten Jumboballen, isoliert. Das Walmdach erhielt anschließend eine Metalldeckung. Für Fassade und Dach wurden etwa 80 Tonnen bzw. 550 Kubikmeter Stroh benötigt, die nicht nur für Wärmedämmung, sondern auch für den Schallschutz sorgen. Mithilfe des organischen Dämmstoffs konnten etwa 110 Tonnen CO2 im Gebäude eingelagert werden. Hinzu kommen 7.000 kWh, die als graue Energie in den Strohballen stecken.

Architektur: Atelier Schmidt, Trun

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Historisches Lehmbauhaus im dänischen Wikingermuseum Ribe

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Historische Entwicklung von Dämmstoffen

Stroh ist in Deutschland lokal verfügbar.

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