Einfamilienhaus in Hasbergen

Geringerer CO2-Fußabdruck dank Materialreduktion

Konstruktion und Nutzung von Gebäuden stoßen etwa gleich viel Treibhausgase in die Atmosphäre aus. Lässt sich bei einem Bauwerk Baumaterial einsparen, so reduziert sich nicht nur der CO₂-Ausstoß bei der Herstellung. Auch die Ökobilanz kann verbessert werden, da weniger Material transportiert werden muss und mehr gebauter Raum gewonnen wird. Diese Strategie hat sich das Architektur- und Ingenieurbüro Engelshove beim Bau eines Einfamilienhauses zu Nutze gemacht.

Die Wohnbereiche liegen im Erdgeschoss und sind barrierefrei mit dem Garten verbunden.
Der Farbmix aus extraschlanken Klinkersteinen passt zu den anthrazitfarbenen Fenstern und Türen.
Mit den 5 cm schmaleren Terca Eco-bricks konnte 20-30% der beim Bau der Fassade anfallenden Kohlenstoff-Emissionen eingespart werden. Das Haus erfüllt die Anforderungen an ein Effizienzhaus KfW 40.

Klinker und Glas

Mauerwerk und Glasbänder bestimmen die Fassade des Hauses im niedersächsischen Hasbergen. Es liegt am Südhang eines kleinen Höhenzugs und grenzt rückseitig an ein Waldstück im Norden. In Richtung Süden öffnet sich das Gebäude mit Fensterfronten und einer Terrasse zum Garten. Der Blick in die Natur war das Hauptthema des Entwurfs von Anja Engelshove. Die klaren Linien, die das Mauerwerk zeichnet, verbinden sich zugleich mit der Nutzung: So kragt die Klinkerfassade im Obergeschoss über das Erdgeschoss und überdacht gleichzeitig die Terrasse. Sie ist somit konstruktiver Sonnenschutz für die raumhohen Glasschiebetüren des Wohnbereichs.

Gästewohnung im Obergeschoss

Das Bauherren-Paar wünschten sich genügend Platz für Besuche von Kindern und Freund*innen. Daher liegen alle Wohnräume für den Alltag im Erdgeschoss, während sich im Obergeschoss eine kleine Gästewohnung mit Dachterrasse befindet. Wohnzimmer, Küche und Esszimmer gruppieren sich in einem offenen Grundriss mit Aussicht auf den Garten. Im Erdgeschoss befinden sich zudem die privaten Räume des Paares, wie Schlafzimmer und Bad. Bei Bedarf ließe sich das barrierefreie Haus in zwei unabhängige Wohnungen unterteilen.

Mineralwolldämmung und gefüllte Planziegel

Bei der Materialisierung hat sich die Architektin für unterschiedliche Mauersteine aus Ton und Lehm entschieden. Das Hintermauerwerk der zweischaligen Konstruktion besteht aus Planziegeln, welche die Wärmeschutzanforderungen erfüllen und zudem Schallschutz bieten. Kombiniert werden diese mit einer zusätzlichen Mineralwolldämmung. Die Ziegelbauweise bietet den Vorteil, dass die Mauersteine Wärme speichern können und zeitversetzt wieder freigeben. Dadurch bleibt das Einfamilienhaus im Sommer kühl und im Winter warm, wobei der Heizbedarf reduziert wird. Dank der großzügigen Verglasung können auch solare Gewinne zur Wärmeerzeugung im Winter genutzt werden. Ein Verschattungssystem schützt vor überhitzten Räumen im Sommer.

Schlanker CO₂-Fußabdruck

Die Konstruktion der Fassade aus Verblendmauerwerk unterstreicht die horizontale Ausrichtung des Neubaus zusätzlich. Ein lebendiger Farbmix aus zwei unterschiedlichen Klinkersortierungen harmoniert mit dem Anthrazit der Fenster und Türen. Das gewählte Verblendmauerwerk ist fünf Zentimeter schmaler als ein herkömmlicher Ziegel. Dadurch kann Material eingespart und etwas mehr Wohnfläche gewonnen werden. Letztlich wirkt sich die Materialreduktion auch auf den CO₂-Fußabdruck aus, der mit den schlanken Klinkern um 20-30 % pro Quadratmeter Fassade sinkt. -sh

Bautafel

Architektur: Engelshove Ingenieurbüro I Architektur I Bauunternehmen, Neuenkirchen
Projektbeteiligte: wienerberger, Wien (Ziegelhersteller)
Bauherrschaft: Privat
Fertigstellung: 2020
Standort: 49205 Hasbergen
Bildnachweis: Arnt Haug, Hamburg

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Glossar A-Z

Solare Gewinne

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