Ein Bühnenturm in Sichtbeton

Erweiterung für das Badische Staatstheater Karlsruhe

Ein prestigeträchtiges Projekt im Herzen von Karlsruhe stellt die stufenweise Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters dar. Die Pläne des Wiener Büros DMAA Delugan Meissl Associated Architects gemeinsam mit den ortsansässigen Wenzel + Wenzel Architekten sehen eine skulpturale Verbindung von Bestands- und Neubaubereichen vor, die auch die Stadtbezüge neu definieren werden. Während des laufenden Spielbetriebs wird das Staatstheater in mehreren Bauabschnitten bis zum Jahr 2034 realisiert. Dazu gehört auch die Modernisierung technischer Anlagen und die Gewährleistung von Barrierefreiheit im Bestand sowie die Zusammenführung der zuletzt ausgelagerten Spielstätten und Proberäume am zentralen Standort am Ettlinger Tor.

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Bühnenturm zu, der mithilfe eines projektspezifischen Traggerüsts 32 Meter in die Höhe wachsen konnte.
Die Wände des Bühnenturms sind das Ergebnis eines effizienten Schalungs- und Gerüsteinsatzes, für die eine Maximo-Struktur-Rahmenschalung sowie eine Rundflex-Rundschalung auf FB-180-Faltbühnen emporwanderten. Bis zur Erreichung der Eigentragfähigkeit wurde das Bauwerk durch das Traggerüst temporär abgestützt.
Schlanke Stützen mit hexagonalem Querschnitt werden zum gestalterischen Element am neuen Schauspielhaus in Karlsruhe.

Stimmige Sichtbetonqualität in Alt- und Neubau

Derzeit wird in einem ersten Bauabschnitt bis zum Jahr 2027 der Neubau für das Schauspielhaus errichtet, der westlich an das Bestandsgebäude angrenzt. Zuvor besetzte bis 2022 eine alte Kassenhalle und die Zufahrt zur Tiefgarage den Bauplatz. Einen wichtigen Bestandteil nimmt der Bühnenturm des Kleinen Hauses ein, das etwa 400 Zuschauerplätze bieten wird. Hinzu kommen Probebühnen, Büros, Funktionsräume sowie ein neuer Gastronomiebereich.

Die ausführende Firma Ed. Züblin schloss nach zwei Jahren Bauzeit die Rohbauarbeiten im April 2025 ab. Zu den größten Herausforderungen gehört es, Neubau und Bestand architektonisch in Einklang zu bringen. Die für das Badische Staatstheater charakteristischen Sichtbetonflächen gilt es daher auch im Neubau zu realisieren. Wände, Stützen und Decken im Erweiterungsbau wurden entsprechend größtenteils in der Sichtbetonklasse SB4 ausgeführt.

Herausfordernde Errichtung des Bühnenturms

Zum Entwurf der Architekt*innen gehört eine weitläufige Dachlandschaft, die die unterschiedlichen Bereiche mit bestehendem Opernhaus und neuem Schauspielhaus überspannt. Die zeltartig markierten Hochpunkte der jeweiligen Bühnentürme werden so zum stadtbildprägenden Element. Eine anspruchsvolle Aufgabe stellte das Traggerüst dar, das für die Errichtung des 32 Meter hohen Bühnenturms im neuen Schauspielhaus notwendig wurde. 

Da erst mit Finalisierung der Turmdach-Attika das Bauwerk seine volle Tragfähigkeit erfüllen konnte, übernahm während der Baumaßnahme ein projektspezifisches Traggerüst die temporäre Lastableitung. Dabei mussten die Frischbetonlasten der jeweils zu betonierenden Geschossdecken mittels der Notunterstützung über insgesamt drei darunterliegende Etagen verteilt abgetragen werden. Durch fehlende Lager- und Montageflächen in der zentralen Stadtlage wurden außerdem enge Liefertaktungen für das Material notwendig. All diese Arbeiten konnten aufgrund koordinierter Logistik und Ausführung aus einer Hand durch den Schalungs- und Gerüsthersteller Peri gelingen. Auf Basis eines Gesamtkonzepts für einen effizienten Gerüst- und Schalungseinsatz arbeitete die Stuttgarter Niederlassung des bayerischen Unternehmens eng mit den Verantwortlichen von Züblin zusammen.

Umfassendes Konzept für das Traggerüst auf Basis eines Gerüstbaukastens

Die aufwendige Lastabtragung für das zum Bau notwendige Traggerüst basierte zu großen Teilen auf dem Gerüstbaukasten Peri-Up. Dabei betrugen die Linienlasten unterhalb der wandartigen Träger bis zu 250 kN/m, sodass unterhalb des 3. Obergeschosses die Lasten teils bis in die Bodenplatte des 2. Untergeschosses abgeleitet werden mussten, was einer Höhe von über 17,25 Meter entsprach.

Das 25-Zentimeter-Systemraster des Gerüstbaukastens konnte an die Anforderungen flexibel angepasst werden. Etwa als räumlich ausgebildetes Traggerüst, als 10- bis 16-stielige Kraftpakete oder als 4-stielige Schwerlaststützen. So konnten beim „16-Stieler“ die Vertikalstiele mit 25-, 50-, 75- und 150-cm-Horizontalriegeln eng gebündelt werden, wobei sie auch über Systemdiagonalen ausgesteift und so der jeweiligen geometrischen und statischen Anforderung entsprachen. Ebenso konnte das Traggerüst mit rucksackartigen Auskragungen erweitert werden, wodurch an den freien Deckenrändern eine sichere Arbeitsebene entstand.

Schalungslösungen für Wände, Stützen und Decken

Die Turmwände selbst wurden mithilfe der Maximo-Struktur-Rahmenschalung sowie der Rundflex-Rundschalung von Peri errichtet, die auf FB-180-Faltbühnen kontinuierlich nach oben wanderten. Für die Doppel- und Einzelstützen mit sechseckigem Querschnitt in zwei unterschiedlichen Abmessungen wurden projektspezifische Stützenschalungen aus dem Sonderschalungsbau von Peri gefertigt. Die im Werk präfabrizierten Schalungen konnten einsatzfähig auf die Baustelle geliefert werden. Der mit nur 20 Zentimeter sehr geringe Abstand zwischen den Doppelstützen aus Stahlbeton blieb bei der Schalungseinheit berücksichtigt. Hierfür wurden maßgenau zugeschnittene Knaggenkästen werksseitig mit einer Systemschalung kombiniert. Zum Einsatz kamen teils die Vario-GT-24-Säulenschalung sowie teils die Maximo-Struktur-Rahmenschalung.

Bei der Errichtung aller Wände in Sichtbetonqualität sorgten 3S-Schalungsplatten für die gewünschte SB4-Betonoberfläche.

Das Peri-Up-System diente auch als Bewehrungsgerüst für das Schalen der schlanken Sechseckstützen in Kombination mit der Stützen-Sonderschalung. Über einen integrierten Treppenaufgang konnten die Schalungen sicher montiert, die Bewehrungskörbe in bis zu 10 Metern Höhe eingebracht und die Stützen betoniert werden.

Bauunternehmen: Ed. Züblin AG, Direktion Karlsruhe, Bereich Ingenieurbau; Projektbetreuung: PERI Niederlassung Stuttgart

Fachwissen zum Thema

Beispiel einer Rahmenschalung aus Stahl, die überwiegend für den Hoch- und Industriebau zum Einsatz kommt

Beispiel einer Rahmenschalung aus Stahl, die überwiegend für den Hoch- und Industriebau zum Einsatz kommt

Wand-/​Deckenschalungen

Rahmenschalungen für die Wand

Beispiel leichte Schalung für Stützen aus Kunststoff, sie lassen sich auch auf Baustellen, auf denen kein Kran vorhanden ist oder nicht eingesetzt werden kann, anwenden

Beispiel leichte Schalung für Stützen aus Kunststoff, sie lassen sich auch auf Baustellen, auf denen kein Kran vorhanden ist oder nicht eingesetzt werden kann, anwenden

Stützen-/​Säulenschalungen

Rahmenschalungen für Stützen

Bei Stützenschalungen ist besonders auf Steiggeschwindigkeit und Druck des eingefüllten Betons zu achten.

Bei Stützenschalungen ist besonders auf Steiggeschwindigkeit und Druck des eingefüllten Betons zu achten.

Stützen-/​Säulenschalungen

Systeme für Stützen und Säulen

72 Meter hohes Trag- und Arbeitsgerüst im Zuckersilo Uelzen zur Montage der Holzdachkonstruktion

72 Meter hohes Trag- und Arbeitsgerüst im Zuckersilo Uelzen zur Montage der Holzdachkonstruktion

Gerüstarten

Traggerüste

Surftipps

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Schalungen und Gerüste sponsored by:
PERI | Kontakt 07309 / 950-0 | www.peri.de