Digital Innovation Space in Aalen

Zwei Treppen, zwei Bauweisen

An den nördlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb liegt Aalen, eine mittelgroße Kreisstadt mit einer kleinen Hochschule. Die hat zwar nur rund viertausend Studierende, profitiert aber von einer engen Verzahnung mit einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen und mehreren Forschungseinrichtungen. In einer solchen Kooperation entstand auf dem Waldcampus der Hochschule der Digital Innovation Space, geplant vom Architekturbüro Isin. Das Gebäude wurde als Zukunfts-Hub überwiegend von einem privaten Investor finanziert und entwickelt und dann an verschiedene private und öffentliche Einrichtungen vermietet. Hier sollen die Kompetenzen zu u. a. Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung gebündelt und öffentlich kommuniziert werden. Entsprechend multifunktional und in seiner Erschließung ausdifferenziert musste das Gebäude sein. 

Hier sollen die Kompetenzen aus Wirtschaft und Forschung gebündelt und in die Öffentlichkeit kommuniziert werden, mit gemeinsamen Büro- und Forschungsflächen und drei öffentlich zugänglichen Geschossen mit Ausstellungs- und Konferenzflächen.
Das runde Gebäude hat in seiner Mitte ein Atrium, das alle Geschosse miteinander verbindet; direkt über Treppen in den öffentlichen Bereichen, visuell über Glasflächen in den Bürobereichen darüber.
Im Atrium hängt die Skulptur „Stellar Interloper" des Künstlers Iñigo Manglano-Ovalle.

Stahlbetonskelettbau mit Atrium 

Der Stahlbetonskelettbau hat drei Gebäudekerne, zwei davon beherbergen Treppenaufgänge, und fußt auf einem ellipsenförmigen Grundriss mit 42 Metern Durchmesser. Das ist die Grundfigur für Unter- und Erdgeschoss, darüber erheben sich fünf weitere, kreisförmige Geschosse. Ein 18 Meter breites Atrium verbindet alle Ebenen, sorgt für Licht im Innern sowie für Blick- und Raumbezüge über die gesamte Gebäudehöhe. Tatsächlich staffelt sich die Nutzung und damit variiert die Zugänglichkeit der Flächen. Die unteren drei Ebenen, also Souterrain, Erd- und erstes Obergeschoss, sind öffentlich zugänglich: Hier liegen Konferenz- und Ausstellungsflächen und ein digitales Kuppeltheater. Die offenen Ebenen sind räumlich flexibel teil- und nutzbar und über zwei geschwungene Treppenläufe miteinander verbunden. Die Bürogeschosse darüber werden einzig über die zwei Treppenkerne erschlossen, sie sind also nicht frei zugänglich, obwohl die Flure auf den jeweiligen Geschossen als verglaste Galerien ans Atrium anschließen. Insgesamt hat das Gebäude über 7.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.

Fassade mit Sockelbereich 

An der Fassade ist die funktionale Staffelung der Geschosse ablesbar: Der Sockel aus Sichtbeton ist rückseitig ins Gelände eingegraben und öffnet sich zur Straße mit einer gläsernen Eingangsfront. Eine breite Außentreppe windet sich den runden Sockel entlang hoch zum ersten Obergeschoss und verbindet den Eingangsbereich mit einer öffentlich zugänglichen Dachterrasse. Die Bürogeschosse darüber sind verglast und haben einen außenliegenden Umlauf. Davor hängen in unregelmäßigen Abständen vertikale, geschosshohe Metalllamellen. Sie erzeugen eine monolithische Fernansicht, die sich, je mehr man sich dem Gebäude nähert, in ihre vertikalen Segmente auflöst – ein Bezug zum nahen Wald. 

Weite, geschwungene Stahltreppe 

Obwohl die beiden gewendelten Atriumtreppen ähnlich aussehen, ist ihre Konstruktion unterschiedlich: Die große Haupttreppe im Erdgeschoss wurde als skulpturale Stahl-Faltwerktreppe mit tragenden Brüstungswangen ausgebildet und hat eine nutzbare Laufbreite von fast 1,8 Metern. Sie schwingt sich mit 45 Stufen in einer gleichmäßigen Rundung zum ersten Obergeschoss empor und wirkt durch ihre Bauweise besonders leicht und elegant. Möglich ist das, weil Wangen, Stufenfaltwerk und die bündige Untersichtsverkleidung zu einem starren, glattflächigen Stahltreppenkörper verschweißt sind und so sehr filigrane Querschnitte und eine lange Tragweite ermöglichen bei gleichzeitig hoher Steifigkeit. Die feste Verbindung der Treppenbauteile sowie ihre leichte Krümmung wirken jeweils dem Schwingungsverhalten und damit der Übertragung von Trittschall entgegen.

Robuste Stahlbetontreppe 

Anders bei der Treppe im Untergeschoss: Sie ist als massive Stahlbetontreppe ausgeführt, mit einer stählernen Brüstungswange auf der einen Seite und mit einem Staketengeländer aus Stahl auf der anderen. Hier ist die filigrane Ansicht weniger entscheidend, gleichzeitig ist der Radius enger, die Treppe kürzer, ihre Torsion stärker. Daher waren hier die Konstruktion und die Anschlüsse der Treppe in Stahlbeton einfacher und belastbarer als in Stahlbauweise, die bei gleicher Geometrie eine millimetergenaue Fertigungspräzision gefordert hätte. Dagegen konnte die Stahlbetontreppe schon im Rohbau errichtet werden und wirkt sich zudem günstiger auf den Schall- und Brandschutz aus. 

Trittschall ausbremsen

Das Stahlbetongebäude hat viele harte Oberflächen, wie die Sichtbetonwände und einen Terrazzoboden im Erdgeschoss des Atriums. Trotz Entkopplung, ausgesteifter oder massiver Treppenbaukörper und der Stahlbetondecken mit akustisch wirksamen Paneelen und Segeln kann auch hier Trittschall in der Reflexion auf den angrenzenden Oberflächen ein Problem sein. So entschied man sich in den Fluren, im oberen Ausstellungsbereich sowie auf den Treppen für einen trittschalldämpfenden, aber robusten Boden- und Stufenbelag aus elastischem Linoleum, in den Büros für Teppichböden. Denn Schall, der rechtzeitig ausgebremst wird, reflektiert nicht und hallt nicht wider. 

Bautafel

Architektur: Isin+co , Aalen (Architektur + Generalplanung)
Projektbeteiligte: JG Campus, Aalen (Projektentwicklung), Forbo Flooring, Paderborn (Linoleumboden), METALLART, Salach (Treppen)
Bauherr*in: JG Campus, Aalen
Fertigstellung: 2025
Standort: Anton-Huber-Straße 4, 73430 Aalen
Bildnachweis: Daniel Stauch, Stuttgart; Jan Walford, Aalen

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