Dieter Morszeck Biorepository in Heidelberg
Infrastruktur für die Medizin von morgen
Mit dem Bau des Dieter Morszeck Biorepository am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ist ein architektonisch und technologisch bedeutsames Infrastrukturprojekt für die biomedizinische Forschung entstanden. Finanziert durch die Dieter Morszeck Stiftung, ist das Gebäude von Behnisch Architekten Vorreiter in der automatisierten Lagerung biologischer Proben.
Ausgestattet mit einem robotergestützten System für Flüssig- und Lebendbiopsien, schafft das Bauwerk ideale Bedingungen für Langzeitstudien in der Krebsforschung, personalisierter Medizin und Therapieüberwachung. Bei Temperaturen von -196 °C können Proben jahrzehntelang aufbewahrt werden – eine Grundvoraussetzung für die spätere Analyse mit zukünftigen diagnostischen Verfahren. Der Neubau schließt damit eine infrastrukturelle Lücke auf dem DKFZ-Campus und ist als zukunftsweisender Logistik-Hub konzipiert.
Architektur eines Biorepository
Ein Biorepository ist keine gewöhnliche Forschungseinrichtung, viel mehr ist es ein Archiv, Labor, eine Sicherheitszone sowie Technikzentrale zugleich. Dementsprechend klar und funktional zeigt sich auch die Architektursprache des Gebäudes. Der kompakte Baukörper verzichtet auf dekorative Elemente und konzentriert sich auf den insgesamt vier Ebenen mit 1.250 Quadratmetern auf das Wesentliche: Temperaturkontrolle, Zugänglichkeit und Ausfallsicherheit.
Die oberen Geschosse sind weitgehend geschlossen und verfügen lediglich über spezifische Öffnungen für den Stickstofftank, Zu- und Abluft, Fluchtwege sowie Lichtschlitze an der Treppe. Der außenstehende, sichtbare Stickstofftank ist ein weiteres Merkmal der technologischen Ausstattung und des funktionalen Designs. Bioproben wie Blut, Urin, Gewebe, Zellen, DNA/RNA oder Proteinproben zerfallen bei normalen Temperaturen durch enzymatische Prozesse oder mikrobielle Zersetzung. Die Lagerung in flüssigem Stickstoff ist ein internationaler Standard für Biobanken und Genetik-Forschung. Flüssiger Stickstoff (−196 °C bis -210 ° C) friert diese Prozesse praktisch ein und ermöglicht eine jahrzehntelange Konservierung der biologischen Integrität.
Begrünte Fassade
Ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zur technischen Rationalität der Architektur ist die vertikale Fassadenbegrünung. Die geschlossenen Wandflächen werden durch ein modulares Regalsystem unterbrochen, das entlang der Geschossdecken horizontale Pflanztröge trägt. In diesen wachsen robuste, immergrüne Gerüstkletterpflanzen, die jeweils an die Licht- und Witterungsverhältnisse der Himmelsrichtungen angepasst sind. Rankende, schlingende und klimmende Pflanzen wie beispielsweise Efeu, Knöterich, Wilder Wein, Kletterrosen und Blauregen eignen sich wegen ihrer geringen Pflegeintensität, Klimawirkung und guten Rankfähigkeit gut für vertikale Begrünungen.
Bei der Anbringung von Rankhilfen muss berücksichtigt werden, dass viele Kletterpflanzen im Laufe ihres Wachstums erhebliche Längen und ein entsprechendes Eigengewicht entwickeln. Zudem führt der zunehmende Stammdurchmesser zu erhöhtem Platzbedarf. Um strukturelle Schäden an der Fassade zu vermeiden und die langfristige Stabilität zu gewährleisten, müssen die Rankelemente mit einem ausreichend definierten Abstand zur Wand angebracht und fachgerecht in der Fassade verankert werden. Die eingesetzte boden- und wandgebundene Bepflanzung hat neben dem ästhetischen Aspekt, auch einen ökologischen Nutzen: Kühlung durch Verdunstungskälte, Verschattung der Fassade, Förderung der Biodiversität und Verbesserung des Mikroklimas.
Bautafel
Architektur: Behnisch Architekten
Projektbeteiligte: Andreas Hardegger, Emin Cimsir (Projektleitung); Kempen Krause Ingenieure (Tragwerk); Tünnemann Landschaftsarchitektur (Landschaftsplanung); Sanitär Kleissner (Sanitär); Askion (Kryolagersystem)
Bauherr*in: DKFZ Deutsches Krebsforschungszentrum
Fertigstellung: 2023
Standort: Heidelberg, Deutschland
Bildrechte: David Matthiessen
Fachwissen zum Thema
Optigrün international AG | Kontakt +49 7576 772-0 | www.optigruen.de