Denkmalgerechte Wiederherstellung der Löwenbrücke im Berliner Tiergarten

Zu Fuß über die älteste Hängebrücke Berlins

Sie gilt als die älteste Hängebrücke Berlins: Nach dem Entwurf von Ludwig Ferdinand Hesse wurde die Löwenbrücke 1838 fertiggestellt, mit einer Drahtseilkonstruktion, die damals den neuesten technologischen Stand repräsentierte. Vermutlich nach dem Vorbild einer wenige Jahre zuvor eröffneten Hängebrücke in Sankt Petersburg, deren Aufhängung allerdings mit Kettengliedern funktionierte und nicht mit Drahtseilen.

Im Jahr 2008 aus Sicherheitsgründen gesperrt, ist die Löwenbrücke seit Juli 2025 wieder begehbar.
Die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Ute Bonde, Bauleiter Jochen Pflüger (rechts im Bild) und Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut eröffnen die Löwenbrücke.
Löwenbrücke als Blickfang im Großen Tiergarten, den Peter Joseph Lenné von 1833-40 im Stil eines klassischen Landschaftsparks gestaltete.

Löwenfiguren mit Innenleben

Im Großen Tiergarten, den Peter Joseph Lenné von 1833-40 im Stil eines klassischen Landschaftsparks gestaltete, bildet die helle Löwenbrücke ein wichtiges, gestalterisch-funktionales Element. Vier aufrecht sitzende, bronzierte Löwenfiguren aus Gusseisen halten mit ihren Mäulern die Seile der Hängebrücke. In ihrem Inneren werden die Zugkräfte der Hängekonstruktion über Umlenkblöcke zu den Widerlagern umgeleitet.

Rückblick in die Geschichte

Der hölzerne Überbau der 17,60 Meter langen Brücke musste im 19. Jahrhundert mehrfach erneuert werden, da das seitliche Fachwerk des Geländers immer wieder Fäulnisschäden aufwies. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Holzbauteile und die Drahtseilkonstruktion zerstört, die Löwenfiguren und Widerlager teils geschädigt. Nachdem die Brücke während der 1950er-Jahre mit signifikanten Abweichungen wiederhergestellt worden war, erfolgte 2008 schließlich aus Sicherheitsgründen ihre Sperrung.

Wiedereröffnung im Juli 2025

Nach der feierlichen Wiedereröffnung der Brücke am 3. Juli 2025 sind die gusseisernen Löwen – ein Werk des Bildhauers Christian Friedrich Tieck (1776-1851) – und Teile der Widerlager die einzig verbliebene bauzeitliche Substanz. Finanziert wurde die Instandsetzung aus Mitteln des Landes Berlin. 

Dass die heutige Brückenkonstruktion ihrem historischen Vorbild recht nahe kommt, ist umfangreichen restauratorischen, statischen und geotechnischen Voruntersuchungen zu verdanken. 2021 lag eine geprüfte Ausführungsplanung von sbp – Schlaich Bergermann Partner Ingenieure vor.  Auf deren Grundlage und nach detaillierten Abstimmungen mit dem Landesdenkmalamt Berlin konnten 2023 die Bauarbeiten beginnen. Die Abstimmung aller Planungsbeteiligten unter Einbeziehung von Anforderungen des Denkmalschutzes, der Unterhaltungspflege und der Verkehrstüchtigkeit war herausfordernd.

Stahlseile als Handlauf ergänzt

Die Querung über den kleinen See südwestlich des Großen Sterns weist nun Stahlseile als Handlauf in der erforderlichen Höhe von einem Meter auf. Diese unauffällige Ergänzung war nötig, weil das historische Holzgeländer für Fußgänger gemäß heutigen Standards zu niedrig war. 

Seilverlauf, Umlenkblock, Erdanker

Wiederhergestellt ist der ursprüngliche Seilverlauf der Hängekonstruktion mit dem Tiefpunkt des Durchhangs oberhalb der Geländeroberkante. Der Seildurchmesser ist mit 31 mm etwas geringer als beim Original (40 mm). Die Proportionen des Fachwerkgeländers entsprechen dem ursprünglichen Entwurf Hesses. Auch das Tragwerkskonzept mit Längsbohlen ist bei der neu eröffneten Brücke umgesetzt.

Die originalen Hängeranschlüsse wurden verwendet und durch Gusssattelstücke ergänzt – ein spezieller Umlenksattel über dem Umlenkblock im Kopf der Löwen gewährleistet eine saubere Lasteinleitung. Die Widerlager und Erdanker mussten DIN-gerecht ersetzt werden; sie waren ohnehin nicht bauzeitlich. Analog zum historischen Vorgänger von 1838 sind das Geländer, die Drahtseilkonstruktion sowie die Postamente hellgelb, sodass sich die Löwenbrücke deutlich von der Landschaft abzeichnet.  

Holzschutz durch chemische Modifikation

Um das Bauwerk langfristig zu erhalten und das Erscheinungsbild zu wahren, kam dem Holzschutz eine große Bedeutung zu. Sichtbare metallische Bauteile als konstruktiver Holzschutz waren aus denkmalpflegerischen Gründen nicht erwünscht. Man entschied sich für acetyliertes, also chemisch modifiziertes Kiefernholz, das als besonders feuchte- und witterungsbeständig gilt. Damit ließen sich eingeklebte Gewindestangen als Verbindungsmittel realisieren, die eine schlichte Erscheinung des Geländers fast ohne sichtbare Metallteile ermöglichen. Zudem ließ sich der Bohlenbelag einfach von oben verschrauben; so sind die Elemente gut zugänglich und bei Bedarf auch austauschbar.

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