Cutouts

Strukturunabhängige Ausschnitte als Fensteröffnungen

Cutouts in Fassaden, manchmal auch Cut Outs geschrieben, sind wortwörtlich übersetzt Ausschnitte und Aussparungen sowie Löcher, Spalten oder schlitz- oder kerbenartige Einschnitte in flächigen Materialien wie Metallblechen, Mesh, Kunststoffen oder Textilien. Sie sind insbesondere in der parametrischen Architektur beliebt, um visuelle Spannung durch ungewohnt asymmetrische, mit den Proportionen spielende Verfremdung oder schlicht neugierig machende Hingucker zu erzeugen.

Die Ausschnitte sind Elemente der Fassade, jedoch unabhängig von Baukonstruktion und Tragwerk. Im Bild: Bürogebäude in Melbourne, Australien
Cutouts sind vor allem in der parametrischen Architektur beliebt, um visuelle Spannung zu erzeugen.
Weil sie in die nichttragende Gebäudehülle eingeschnitten sind, können die Ausschnitte frei platziert werden. Im Bild: Terminal mit Gastronomie in Melbourne, Australien

Prinzip

Das Prinzip der Cutouts findet sich nahezu identisch in der Mode. Beispielhaft sind Entwürfe von Designern wie Azzedine Alaia, Helmut Lang oder Martin Margiela, die Abendkleider, T-Shirts und Badeanzüge mit asymmetrischen Aussparungen am Bauch, an der Schulter oder an der Hüfte versehen, um einerseits nackte Haut zu zeigen und andererseits den weiblichen Körper ungewohnt zu inszenieren.

Nichttragende Hülle

Im Vergleich zu sogenannten Voids, einer ähnlich parametrischen Entwurfsmethode mit dreidimensional ausgeschnittenen und damit negativen Volumen innerhalb einer Kubatur, dienen Cutouts als flächige Öffnungen für Fenster und Türen. Sie sind Elemente der Fassade, jedoch unabhängig von baukonstruktiven und tragwerkstechnischen Strukturen wie Stützenraster und Spannweiten und damit den klassisch vorgegebenen Dimensionen von Öffnungen.

Weil sie in die gebäudetechnisch nichttragende äußerste Hülle eingeschnitten sind, können sie geschossübergreifend und höhenunabhängig um die Gebäudekanten gezogen werden, vergleichbar mit einem um eine Schachtel gewickelten Geschenkband. Genau wie in der Mode können auch in der Architektur die Kanten von Cutouts je nach gewünschter Gestaltung linear sauber, aber auch gefalzt, gefaltet, mehrfach auf- und umgeknickt oder ausgefranst gearbeitet sein.

Farbe, Kontrast und Logo

Als vergleichbare narrative Dekoration eignen sich Cutouts bevorzugt für Fassaden von Einzelhandel, Gastronomie, Flagship Stores und Einkaufszentren, bei denen sie Elemente von Logos aufnehmen oder kontrastierend verstärken. Knallige Farben und akzentuierte Beleuchtung steigern die Wirkung. Die nichttragende Hülle hat allerdings auch den Vorteil, dass sie unkompliziert ausgetauscht werden kann und damit reversibel ist.

Suprematismus, Konstruktivismus, Dekonstruktivismus

Der baugeschichtliche Ursprung von asymmetrischen Öffnungen mit proportionalen Verschiebungen liegt im russischen Suprematismus und Konstruktivismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche experimentelle Ansätze wurden dann in den 1980er-Jahren im Dekonstruktivismus von Architekten wie Frank Gehry, Daniel Libeskind oder Coop Himmelb(l)au aufgenommen. Heute erleichtern computergestützte und zunehmend KI-basierte Entwurfs- und Fertigungsmethoden das Erstellen und Montieren von Cutout-Elementen an Fassaden. -sj 

Fachwissen zum Thema

Anders als Türen sind Fensterformate zwar nicht in Standard-Größen definiert, doch sind rechteckige Konturen üblich. Sonderformate wie wirken deshalb umso ungewöhnlicher. Im Bild: Sternförmiges Fenster Kirche St. Maria Magdalena in Berlin-Pankow

Anders als Türen sind Fensterformate zwar nicht in Standard-Größen definiert, doch sind rechteckige Konturen üblich. Sonderformate wie wirken deshalb umso ungewöhnlicher. Im Bild: Sternförmiges Fenster Kirche St. Maria Magdalena in Berlin-Pankow

Fensterarten

Expressionistische Sonderformate

Sprossenfenster am Bahnhof Dessau

Sprossenfenster am Bahnhof Dessau

Konstruktion/​Funktion

Fensterformen und -größen

Die DIN 4172 Maßordnung im Hochbau definiert dazu die beiden Begriffe Baurichtmaß und Nennmaß (im Bild: Wohnhaus im Bau. Ausschnitt mit Fensteröffnungen).

Die DIN 4172 Maßordnung im Hochbau definiert dazu die beiden Begriffe Baurichtmaß und Nennmaß (im Bild: Wohnhaus im Bau. Ausschnitt mit Fensteröffnungen).

Konstruktion/​Funktion

Wandöffnungen und Türgrößen nach DIN 18101

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