Centre sportif et culturel Marie-José Perec in La Bouëxière
Transluzente Textilkrone mit ausgeklügeltem Klimakonzept
Am Rand des bretonischen Dorfes La Bouëxière setzt das Centre sportif et culturel Marie-José Pérec – benannt nach einer französischen Leichtathletin – einen markanten architektonischen Akzent. Gemeinsam mit der Salle de danse Joséphine Baker, deren Namensgeberin eine amerikanisch-französische Tänzerin und Künstlerin ist, erweitert der Neubau den Sport- und Freizeitstandort der Gemeinde und ermöglicht künftig die Austragung regionaler Wettbewerbe sowie Kulturveranstaltungen. Eine schwungvoll ausgebildete, weiße Dachkrone verleiht der Sporthalle eine hohe Fernwirkung und trägt zugleich zur Reduzierung sommerlicher Wärmelasten bei. Entworfen wurde das Ensemble von Onze04 Architectes.
Städtebauliche Einbindung, Volumetrie und Erschließung
Am östlichen Ortsrand gelegen, ergänzen die beiden Neubauten das bestehende Ensemble aus dem Complexe sportif Pierre de Coubertin und der Salle Culturelle André Blot aus den 1960er-Jahren. Ein Vorplatz mit kreisförmigen Aussparungen für Bäume und Pflanzflächen vermittelt zwischen den Bestands- und Neubauten und dem angrenzenden Parkplatz.
Maßstab und Erscheinung der beiden Baukörper unterscheiden sich ihrer Nutzung entsprechend deutlich: Der Tanzsaal ist als kompakter Flachbau auf rechteckigem Grundriss ausgebildet. Der Marie-José-Pérec-Saal, eine Ballsport- und Mehrzweckhalle, verfügt ebenfalls über eine rechteckige Grundrissform, nimmt aber deutlich mehr Volumen ein. Rund 600 Gäste finden unter der kronenartigen Dachkonstruktion Platz.
Vom Parkplatz kommend ermöglicht eine flache Rampe den barrierearmen Zugang zum etwas tiefer liegenden Erdgeschoss. Daneben führt eine breite Freitreppe auf den Erschließungsweg, der die beiden Gebäude im Obergeschoss trennt und als eigenständigen Baukörper lesbar macht. Seine Ausläufer binden die nördlich angrenzende Wohnsiedlung sowie das BMX-Gelände an und vernetzen so das Areal zu einem Sport- und Kultur-Campus.
Gemeinsame Nutzungsebene
Von dem oberen Niveau aus erhalten Sporttreibende, Besucher*innen und Passant*innen Einblick in die Halle und gelangen direkt zu den Tribünenrängen. Der Haupteingang im Erdgeschoss führt unmittelbar in die öffentliche Empfangshalle mit dem Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereich der Anlage. Auf dieser Ebene sind beide Baukörper funktional miteinander verbunden und teilen sich Umkleide-, Sanitär- und Büroräume. Ein gemeinsamer Flur ermöglicht direkte Zugänge sowohl zur Sporthalle als auch zum Tanz- und Squashbereich.
Transluzente Membran als passiver Sonnenschutz
Die Tanzhalle ist als Massivbau mit gedämmten Betonwänden ausgeführt und gewährleistet einen ganzjährig konstanten Nutzungskomfort für Aktivitäten, die eine gleichmäßige Beheizung erfordern. Die Planenden integrierten dafür einen Holzschnitzelkessel, der auch die Versorgung sämtlicher Gebäude im umliegenden Quartier übernimmt.
Die Sporthalle ist als ungedämmter Kaltraum konzipiert. Im Erdgeschoss bilden Trapezbleche und Glastüren die Fassade. Darüber legt sich eine weiße, transluzente Textilmembran über das Brettschichtholztragwerk und gibt der komplexen Dachform eine einheitliche Hülle. Die doppelt invertierte Geometrie mit vier Hochpunkten zwischen 13 und 28 Metern Höhe prägt sowohl die äußere Erscheinung als auch den Innenraum und ermöglicht eine hohe Tageslichtausbeute. Zugleich wirkt das helle Fassadenmaterial mit seiner geringen Absorption solarer Strahlung als passiver Sonnenschutz: Ein wesentlicher Anteil der einfallenden Strahlung wird reflektiert, wodurch die Aufheizung des Hallenvolumens begrenzt bleibt (Albedo).
Tagsüber erscheint die Sporthalle leicht und einladend. Nachts verwandelt die beleuchtete weiße Membran das Gebäude in eine Laterne, die zum visuellen Bezugspunkt und zum Symbol für die Erneuerung des sportlichen und kulturellen Zentrums der Gemeinde wird.
Thermisch wirksame Gebäudehülle
Im Winter wird die Sporthalle für den Trainings-, Wettkampf- und Besucher*innenbetrieb auf eine Nutzungstemperatur von etwa 12 °C temperiert. Aufgrund der ungedämmten Textilmembran wurde auf eine konventionelle Luftheizung verzichtet, da diese mit hohen Wärmeverlusten verbunden wäre. Stattdessen kommt ein System mit deckenmontierten Warmwasser-Strahlungsplatten zum Einsatz, das gezielt die Aufenthaltsbereiche erwärmt und den thermischen Komfort unabhängig von der Lufttemperatur sicherstellt. Durch die direkte Wärmeabgabe an Personen und Oberflächen wird der Energieeinsatz reduziert und die Effizienz des Heizsystems erhöht. Eine Adsorptionsanlage entzieht der Raumluft Feuchtigkeit und verhindert Kondensatbildung an der kalten Membranoberfläche.
Im Sommer wird der thermische Komfort durch ein kombiniertes Speicher- und Lüftungskonzept gewährleistet: Die massive Bodenplatte sowie die Betontribüne mit ihrer hohen thermischen Trägheit wirken als Wärmepuffer und tragen zur Reduzierung von Temperaturspitzen im Hallenvolumen bei. Durch Öffnungen im unteren Gebäudebereich und an den vier Hochpunkten bringt der thermische Auftrieb eine natürliche Luftzirkulation in Gang (Konvektion). Auf diese Weise kann kontinuierlich erwärmte Luft abtransportiert werden.
Ergänzend steht eine mechanische Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung zur Verfügung. Diese kann im Sommer unterstützend zur natürlichen Lüftung betrieben werden, während sie im Winter eine kontrollierte Frischluftversorgung mit vorgewärmter Zuluft erlaubt.
Bautafel
Architektur: Onze04 Architectes, Barcelona/Nantes
Projektbeteiligte: Gustavo Silva-Nicoletti, Margaux-Anne Bouvier, Mathias Gerhardt (Entwurfsteam); EVEN (Bauingenieur); Asteo (Berater für Textilarchitektur); SOLAB (Umweltingenieur); 107Eco (Bauvermesser); Avel Acoustique (Akustik)
Bauherr*in: La Bouëxière Town hall
Fertigstellung: 2025
Standort: Rue Jean Langlais, 35340 La Bouëxière, Ille-et-Vilaine, Frankreich
Bildnachweis: Juan Cardona; Laurent Desmoulins (Fotos); Onze04 Architectes (Pläne)
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