Catching Sun House in London

Licht und Luft auf kleinstem Raum

London ist geprägt von viktorianischen Reihenhäusern, die Straßen, Plätze und Ufer von Wasserwegen säumen. An ihren Rückseiten formen sie unterschiedlich große Höfe, die als private Gärten, als Kinderspielplätze sowie für Remisen, Garagen und kleinere Werkstätten genutzt werden. Als der Architekt Mark Shaw bei einer Versteigerung das Grundstück einer ehemaligen Autowerkstatt in einem solchen Innenhof in Walthamstow entdeckte, griff er kurzerhand zu und baute dort sein Wohnhaus. Walthamstow liegt im innerstädtischen Borough Waltham Forest im Osten Londons.

Shaw nennt das Gebäude „Catching Sun House“ – das Haus, das die Sonne einfängt.
Shaws Entwurf erinnert an chinesische Hutong-Hofhäuser, die von gebäudehohen Mauern umgeben sind.
Erschlossen wird das Haus über einen kleinen Innenhof, der als offenes Entrée in den östlichen Baukörper führt.

Fläche und Erschließung

Das Grundstück ist ein längliches Rechteck, misst etwa 20 auf 8 Meter und war von allen Seiten umbaut und einsehbar. Durch Verhandlungen konnte eine Fläche von knapp 50 Quadratmetern hinzugewonnen werden. Ein schmaler Stichweg, der seitlich an einem Reihenhaus entlangführt, ist die einzige Erschließung.

Hofhaus mit hohen Mauern

Shaws Entwurf erinnert an chinesische Hutong-Hofhäuser, die als Abgrenzung zu Straßen und Nachbarn sowie zur Schaffung von Rückzugsräumen von gebäudehohen Mauern umgeben sind. In Walthamstow umschließt eine Wand aus Sichtbetonblöcken das Grundstück. 27 Vereinbarungen mit Nachbarn und Behörden waren notwendig, um alte Zäune und teils bröckelnde Gartenmauern durch diese neue Begrenzung zu ersetzen.

Der so entstandene private Hof gliedert sich in zwei Baukörper und drei Innenhöfe. Raumhohe Glas-Schiebetüren mit schmalen Profilen aus eloxiertem Aluminium verbinden Innen- und Außenräume. Sie schaffen Großzügigkeit trotz der beengten Grundstücksverhältnisse und sorgen gleichzeitig für eine gute Belichtung und Querlüftung.

Raumaufteilung und Lichtführung

Der Zugang erfolgt über den Stichweg in einen kleinen Innenhof, der den Blick durch den östlichen Baukörper in den zweiten Hof freigibt. In diesem ersten Haus befinden sich die Küche, ein Ess- und ein Wohnbereich. Ein kurzer Flur führt in den zweiten Baukörper mit zwei Schlafzimmern und Bädern. Eine Treppe mit versetzten Trittstufen führt zu einem Arbeits- und Gästezimmer im Obergeschoss. Integriert in den Baukörper ist ein weiterer Innenhof, in dem eine abgesenkte Stahlwanne eine Art Hommage an einen winzigen Pool darstellt.

Wie die Umfassungsmauer bestehen auch die Wände der Baukörper aus Sichtbetonblöcken, sodass eine Einheit zwischen Innen und Außen entsteht. Pultdächer aus Holz mit schwarzer Lattenverkleidung in Yakisugi-Optik erheben sich exakt über den hellgrauen Mauerkanten. Oberlichter in den senkrechten Flächen der Dächer fangen das Sonnenlicht ein und lassen es je nach Tages- und Jahreszeit tief in die Räume fallen. So erreicht die Morgensonne die Küche, während die Nachmittagssonne den Essbereich erhellt. Darüber hinaus bieten die Fenster Ausblicke in den Himmel. Shaw nennt das Gebäude daher „Catching Sun House  – das Haus, das die Sonne einfängt.

Pflanzen und Materialien

Zusammen mit dem Landschaftsarchitekten und Gärtner Charlie Hawkes erarbeitete Shaw ein umfangreiches Pflanzkonzept. Neben Farnen, Gräsern, Gummibäumen und Sukkulenten in Beeten und Töpfen erzeugen Calatheas, Anthurien, Strelizien und andere immergrüne Pflanzen eine üppige, nahezu tropische Atmosphäre. Besonders eindrucksvoll sind zwei große chinesische Reispapierbäume, deren palmenartige Blätter ein grünes Dach über dem Außenbad bilden.

Materialien und Farben spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Zugunsten einer betont einfachen und wortwörtlich rohen Palette wurde auf Beschichtungen und Verkleidungen weitestgehend verzichtet. Eine Luftwärmepumpe temperiert die knapp 100 Quadratmeter große Wohnfläche.

Das Catching Sun Haus wurde 2025 mit dem RIBA London Award ausgezeichnet. Charlie Hawkes erhielt mit anderen Arbeiten bereits 2022 und 2023 Goldmedaillen bei der Chelsea Flower Show. -sj 

Bautafel

Architektur: Mark Shaw mit Studioshaw, London
Projektbeteiligte: Heyne Tillett Steel, London (Statik); Charlie Hawkes, Bristol (Garten- und Landschaftsarchitekt); mehrere lokale Handwerker und Hersteller
Bauherr*in: Mark Shaw, London
Fertigstellung: 2021/2024
Standort: Walthamstow, London
Bildnachweis: James Brittain, Montreal, über Bottega Bogna, London 

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Schiebefenster bestehen aus einem Blendrahmen und Flügeln, die in einem Schienen- bzw. Nutsystem seitlich verschoben werden (im Bild: großformatige Schiebefenster cero-III von Solarlux mit schmalen Rahmen)

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Materialien/​Werkstoffe

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