Building for Change – The Architecture of Creative Reuse

Building for Change – The Architecture of Creative Reuse

Robert Klanten, Rosie Flanagan, Andrea Servert (Hrsg.)

Gestalten Verlag, Berlin 2022
Texte von Ruth Lang
256 Seiten, Zeichnungen und farbige Abbildungen und Fotografien, Format 24 x 30 cm; Hardcover, Englisch

Preis: 50 EUR

ISBN 978-3-96704-044-9

Adaptionen und Interventionen bei, mit und in Bestandsbauten, die damit vor dem Abriss gerettet werden, sind nicht nur ressourcenschonend und abfallreduzierend. Sie können als einfallsreiche Transformationen und Strategien im Umgang mit vorhandener Bausubstanz, Räumen, Materialien und Strukturen hervorragende „neue“ Architektur erzeugen. Das Buch Building for ChangeThe Architecture of Creative Reuse versammelt 35 anregende Beispiele aus der ganzen Welt.

Natürlich stehen Fragen zur ursprünglichen und zeitgemäßen Ästhetik, zur Rolle des Originals sowie zur geteilten Urheberschaft zur Diskussion. Die Herausforderung liegt zudem in der Erfassung und Beurteilung der Tragswerksqualität, des Zustands des Bauwerks hinsichtlich des oftmals veränderten städtischen Kontexts sowie in der Einhaltung von heute geltenden baurechtlichen und bauphysikalischen Regeln. Ein weiteres wichtiges Schlüsselthema ist die Neuorganisation mit Erschließung, Zugänglichkeit, Belichtung und Belüftung, um überhaupt neue Nutzungen zu ermöglichen. Drei Beispiele verdeutlichen die Bandbreite:

Wasserturm in Norfolk/UK

1952 als Stahl- und Blechkonstruktion errichtet, sollte der Wasserturm als schrottreifes Altmetall versteigert und demontiert werden. Stattdessen wurde er zu einem Wohnhaus umgebaut. Das Wohnzimmer befindet sich im hoch oben aufgeständerten Tank, in dessen Hülle ein Fensterband eingeschlitzt wurde und nun einen weiten horizontalen Panoramablick über Felder und Wiesen bietet. Darunter wurden in das Stahlskelett des Turms drei Kuben aus digital bemessenen hölzernen CLT-Paneelen eingefügt. Diese drei Kuben, in denen sich Schlafzimmer mit kleinen integrierten Bädern befinden, entsprechen geometrisch den Feldern des Stahlfachwerks. Mit raumhohen Fenstern wirken diese neuen Räume innen hell, warm und behaglich. Eine neue Erschließungstreppe ist seitlich angesetzt, die gleichzeitig zur Aussteifung des weiter benutzten Fachwerks beiträgt (Architektur: Tonkin Liu, London).

Ehemaliges Bettenhaus des PC Caritas in Melle

Ein baufälliges Krankenhausgebäude, 1908 als Teil eines Campus-Ensemble im belgischen Melle errichtet, wurde zu einem „Park mit Räumen“ umgewandelt. Hier können sich die Patienten nun außerhalb der Betten- und Behandlungshäuser begegnen und zu Gesprächen treffen. Das Gebäude bestand nur noch aus ruinösen Rohbau-Resten ohne Fenster und Türen. Das Prinzip von Skelett und Haut wurde von den Architekten als Haus im Haus weitergespielt. Neue Fenster und Türen mit sichtbaren Bruchkanten und Nähten schließen das Volumen nur teilweise. In die überwiegend offen gelassene Struktur wurden mehrere gläserne Pavillons mit der Anmutung von Gewächshäusern eingestellt. Innen und Außen, Park und Haus sowie Alt und Neu bilden eine überraschend vielschichtige Gesamtheit mit visuell spannenden Kontrasten (Architektur: De Vylder Vinck Taillieu, Gent).

Ausbau der Vřesovice-Schule

Das Gebäude einer Grundschule in Tschechien hat bereits zahlreiche Nutzungsänderungen erlebt. 1689 als Teil eines Kirchhofs errichtet, wurde das barocke Gebäude zeitweise als Bauernhof, Feuerwehrstation, zwischenzeitlich einmal als Schule genutzt und war zuletzt wieder im Besitz der Kurie als Pfarrhaus, bevor es der Gemeinde als Erweiterung einer Schule zur Verfügung gestellt wurde. Bei der Umwandlung wurde das historische Gebäude als bedeutendes Monument behutsam saniert. Mehrere kleinere kubische Volumina wurden als neue Applikation hinzugefügt. Diese bauklötzchenartigen Erker dienen als Verbindungskorridore und Zwischenräume und sollen den Schülern die Orientierung innerhalb des Hofeinsembles erleichtern. Oberflächen von Türen, Wänden und Decken, die Profile der Fenster und sogar die Glasscheiben der Fensterflächen sind Ton-in-Ton je nach Erker entweder knallrot, sonnengelb, türkisblau oder giftgrün gestaltet. Die Fenster und Türen im barocken Altbau bleiben dagegen sichtbar als historische hölzerne Bauteile in einer hellbeige verputzten Wand. Dieses Konzept der Collage schreibt somit die Geschichte des Ensembles fort und lässt Spielraum für zukünftige Ergänzungen (Architektur: Public Atelier and Fuuze, Hlucin und Prag). -sj

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