Building 026 in Arnheim

Im Schwerkraftbiegeverfahren verformte Fassadenverglasung

In unmittelbarer Nähe zu der hoch aufragenden Eusebiuskirche und gegenüber dem Neuen Rathaus befand sich seit den 1970er-Jahren die öffentliche Bibliothek im Zentrum von Arnheim. Nach deren Umzug in das städtische „Kulturzentrum Rozet“ (s. Surftipps) stand die Umnutzung des fünfgeschossigen Bibliotheksgebäudes in ein Büro- und Geschäftshaus an. Damit einher ging eine komplette Neugestaltung durch V8 Architekten aus Rotterdam. Statt der Marmorverkleidung an der südlichen Schmalseite und der strengen horizontalen Gliederung der straßenseitigen Längsseite prägen nun zwei Materialien maßgeblich das Building 026: klinkerroter Beton und Glas.

Klinkerroter Beton und Glas prägen die neue Fassade des nun Building 026 genannten Gebäudes an der Koningstraat in Arnheim
Durch die markante Fassade gelang es, die städtebauliche Situation aufzulockern und zwischen Altstadt und Nachkriegsbebauung zu vermitteln (Blick Richtung Süden auf Rathaus und Eusebiuskirche)
Gleich nach Fertigstellung erhielt das Gebäude die Spitznamen Bieb-Bobbels oder Badkuipjes (Bibliothkesblasen oder Badewannen)

Durch die markante Fassade mit den großflächigen Verglasungen gelang es, die städtebauliche Situation am Rand des historischen Marktplatzes aufzulockern und zwischen Altstadt- und Nachkriegsbebauung zu vermitteln. Klar und gleichmäßig rhythmisiert, zugleich abwechslungsreich durch eine unterschiedliche Gestaltung der Geschosse gegliedert, beherbergt das Gebäude im Erdgeschoss Geschäfte, Restaurants und Cafés auf einer Fläche von 2.300 Quadratmetern sowie darüber Büros auf 10.630 Quadratmetern. In den beiden unteren Etagen sind die bodentiefen Glaselemente von filigranen Betonrahmen gefasst, während sie im zweiten und dritten Stockwerk rahmenlos ausgeführt sind und durchgehende Bänder bilden. Bei dem zurückgesetzten Dachgeschoss wiederholen sich die rotbraunen Betonrahmen in kleinteiliger Form.

Die neue gläserne Hülle des Geschäftshauses lässt Ein- und Ausblicke zu und spiegelt gleichzeitig die stilistisch sehr unterschiedliche Nachbarbebauung. Die vormaligen Marmorplatten der Südfassade fanden übrigens im Inneren eine neue Verwendung – im Foyer als Wandverkleidung und Bodenbelag.

Glas
Kosenamen erhielt der Bau schnell: Bieb-Bobbels und Badkuipjes (zu deutsch: Bibliotheksblasen und Badewannen) ist der Schönste. Er bezieht sich auf die auffälligen Wölbungen in den Verglasungen im zweiten und dritten Obergeschoss. Sie bestehen aus Mehrscheiben-Isolierglas aus thermisch verformten Außenscheiben und planebenen Innenscheiben aus Verbundsicherheitsglas mit Wärmeschutzbeschichtung.

Zur Umsetzung des unüblichen Scheibenentwurfs arbeiteten die Architekten eng mit dem Glashersteller zusammen. Für die im Schwerkraftbiegeverfahren verformten und bis zu 1.800 x 3.500 mm messenden Außenscheiben galt es, eine größtmögliche Verformung bei zugleich verzerrungsfreier Durchsicht zu erreichen. Nach zahlreichen Versuchsreihen wurde schließlich die optimale Wölbungstiefe gefunden. In Scheibenmitte beträgt der Abstand zwischen verformter Außen- und ebener Innenverglasung bis zu 130 mm. Aufgrund dieser Tiefe war ein erhöhter Randverbund von 32 mm notwendig. Die Verbindung des Scheiben untereinander erfolgte mittels Verklebung als Structural-Glazing-Fassade. Von außen sind deshalb keine Profile sichtbar, was insbesondere an den Glasecken bemerkenswert ist.

Bautafel

Architekten: V8 Architects, Rotterdam
Projektbeteiligte: ABT Ingenieure, Arnheim (Tragwerksplanung und Gebäudetechnik); Alkondor, Hengelo (Fassadenbau); Saint-Gobain Glassolutions: Veromco, Arnheim (Fassadenberatung), Döring Glas, Berlin (gebogene Verglasung SGG Contour Climaplus Planitherm XN II), Objekt-Center, Radeburg (plane Verglasung SGG Climaplus XN II, SGG Climaplus Cool Lite SKN 165 II)
Bauherr: Arnhem Real Estate
Standort: Konigsstraat 26, 6811 Arnheim
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: Olaf Rohl, Aachen, für Saint-Gobain Glass und Ossip van Duivenbode, Rotterdam

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