Bürogebäude Timber-Office in Hamburg-Ottensen

Keramikfassade für Holzhybridbau

Täuscht der Eindruck oder entscheiden sich Architekt*innen bei Fassadenfliesen überdurchschnittlich oft für die Farbe Grün? Wir berichteten in den vergangenen Monaten zumindest schon einige Male über kleine und große Bauten, die in die Farbe der Hoffnung gehüllt wurden (siehe Bauwerke zum Thema). Inmitten der heterogenen, teils gewerblich geprägten Umgebung von Hamburg-Ottensen fügt sich nun das Timber-Office im dunkelgrünen Fliesenkleid um einen ortstypischen Innen- und Werkhof in die Nachbarschaft ein. Laut Pressetext des verantwortlichen Architekturbüros LH Architekten soll das Projekt Lösungen für die Herausforderungen des „neuen Arbeitens“ und des „neuen Bauens“ formulieren.

Die geschlossenen Fassadenflächen sind mit tief blaugrün changierenden, keramischen Fliesen im Riemchenformat bekleidet.
Das Fischgrätmuster der Fliesen wirkt dynamisch und geordnet zugleich und unterstreicht die klare Linienführung des Gebäudes.
Die glänzend, changierende Glasur der Fliesen erzeugt zudem eine lebendige Oberfläche, die je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel unterschiedliche Nuancen aufweist.

Während der fünfgeschossige Baukörper an der Daimlerstraße die Straßenflucht schließt, staffelt er sich nach Westen zum denkmalgeschützten Gebäude des Hotels Gastwerk ab. Diese Gestaltung verschafft den Büroräumen auf mehreren Ebenen großzügige Terrassen und Außenbereiche, die als Rückzugs- und Verweilzonen genutzt werden können. Der Außenraum wird so zu einem integralen Bestandteil der Architektur, der Gemeinschafts- und Sozialräume bietet und zur Förderung einer positiven Arbeitsatmosphäre beiträgt.

Die Ökobilanz im Blick

Ein besonderes Augenmerk bei der Planung lag auf der ökologischen Bilanz des Gebäudes. Die Wahl der Materialien und die Konstruktion wurden daher unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen optimiert. Dementsprechend ist das Gebäude oberhalb einer konventionell in Beton gefertigten Tiefgarage in Holz-Hybridbauweise errichtet. Die Geschossdecken und Fassadenelemente bestehen aus Brettschichtholz, das materialsichtig verbaut wurde und somit zu einer warmen und natürlichen Innenraumatmosphäre beiträgt.


Vorfertigung und BIM für mehr Effizienz

Zudem ermöglichte die präzise Vorfertigung der Bauteile eine erhebliche Verringerung der Bauzeit. Dies reduzierte nicht nur die Belastung für die Anwohner*innen, sondern bot auch aufgrund der sehr beengten Baustelleneinrichtungsflächen Vorteile. Der gesamte Planungs- und Bauprozess wurde zudem durch die Open-BIM-Methode unterstützt. Damit konnten u. a. Materialmengen effizient berechnet und der Bauprozess durch eine präzise Abstimmung der Lieferketten optimiert werden.

Keramische Fassade ergänzt Gesamtkonzept

Die Fassaden des Neubaus folgen einer strengen, horizontalen Gliederung. Fensterbänder mit dunkler Rahmung wechseln sich mit geschlossenen Flächen ab, die mit tief blaugrün changierenden, keramischen Fliesen im Riemchenformat bekleidet sind. Diese sind in einem klassischen Fischgrätmuster verlegt, was der Gebäudehülle eine elegante Note verleiht. Dabei wirkt das Muster dynamisch und geordnet zugleich und unterstreicht die klare Linienführung des Gebäudes. Die glänzende, changierende Glasur erzeugt zudem eine lebendige Oberfläche, die je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel unterschiedliche Nuancen aufweist.

Dabei fügt sich die Keramik ideal in das Gesamtkonzept des Gebäudes ein, da sie ästhetische und funktionale Anforderungen erfüllt. Denn keramische Fassaden sind langlebig, wartungsarm und schadstofffrei. Darüber hinaus sind die von Hand auf den Fassadenfertigteilen aufgebrachten Fliesen ein Verweis auf die handwerkliche Geschichte des Ortes. Die Fliesen wurden im Werk auf Trägerplatten geklebt, die dann vor Ort an die Fassaden gehängt. 

Low-Tech für New-Work

Die Innenräume zeichnen sich durch einen zurückhaltenden, freundlichen Mix aus Holzdecken, Sichtbetonstützen, weiß verputzten Wänden und kontrastierenden schwarzen Türen und Rahmen sowie beige-grauen Teppichböden aus. Im Foyer findet sich zudem eine Akzentwand, die die grünen Fassadenfliesen aufgreift.

Bei der technischen Ausstattung des Timber-Office setzten die Planenden auf ein Low-Tech-Prinzip mit natürlicher Belüftung. Sämtliche gebäudetechnischen Leitungen und Rohre werden sichtbar unterhalb der Decken geführt. Das spart nicht nur Verkleidungsmaterial und erleichtert die Wartung, sondern verleiht den Innenräumen auch einen gewissen industriellen Charme, der gut zu den benachbarten historischen Industriebauten passt.

Bautafel

Architektur: LH Architekten Landwehr Henke + Partner, Hamburg
Projektbeteiligte: 3Raum-Architekten Martens & Prickner, Sittensen (Ausschreibung und Bauleitung); Mertins Landschaftsarchitektur, Hamburg (Landschaftsplanung); KFP Ingenieure, Hamburg (Tragwerksplanung, Brandschutz, Schallschutz / Bauphysik); BDKplan Ingenieurgesellschaft, Hamburg (Haustechnik); Taubert und Ruhe, Hamburg (Raumakustik); Brüninghoff, Heiden (Generalunternehmer Hochbau, Fassadenplanung, Holz-Hybrid Fertigteilhersteller); Ingenieurbüro Anke Koch, Hamburg (DGNB Zertifizierung, Simulationen); METCON Umweltmeteorologische Beratung, Hamburg (Lüftungsgutachten Tiefgarage)
Bauherr*in: AVW Immobilien, Hamburg
Fertigstellung: 2023
Standort: Daimlerstraße 73, 22761 Hamburg
Bildnachweis: Dorfmüller Klier, Hamburg

BauNetz Architekt*innen

Bauwerke zum Thema

Der Bürobau Mundo-a nach Entwürfen von B-architecten befindet sich an einer wichtigen Verkehrsachse Antwerpens.

Der Bürobau Mundo-a nach Entwürfen von B-architecten befindet sich an einer wichtigen Verkehrsachse Antwerpens.

Büro/​Gewerbe

Bürogebäude Mundo-a in Antwerpen

Das junge Architektenduo M2.senos entwarf ein architektonisch herausragendes Toilettenhäuschen für den Friedhof des Stätchens Ílhavo

Das junge Architektenduo M2.senos entwarf ein architektonisch herausragendes Toilettenhäuschen für den Friedhof des Stätchens Ílhavo

Sonderbauten

Friedhofstoilette in Ílhavo

Um die Entwicklung des Stadtteils Alte Neustadt voranzubringen, lobte die Gewoba im Jahr 2017 einen Wettbewerb zur Bebauung des Hohentorplatzes aus, der bis dahin als Parkplatz gedient hatte.

Um die Entwicklung des Stadtteils Alte Neustadt voranzubringen, lobte die Gewoba im Jahr 2017 einen Wettbewerb zur Bebauung des Hohentorplatzes aus, der bis dahin als Parkplatz gedient hatte.

Wohnen

Grünes Haus in Bremen

Das Büro Feilden Fowles konnte mit seinem Entwurf einer neuen Mensa für das Homerton College in Cambridge den 2017 international ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden.

Das Büro Feilden Fowles konnte mit seinem Entwurf einer neuen Mensa für das Homerton College in Cambridge den 2017 international ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden.

Hotel/​Gastronomie

Mensa des Homerton College in Cambridge

Das Gebäude scheint mit dem umgebenden Grün verschmelzen zu wollen.

Das Gebäude scheint mit dem umgebenden Grün verschmelzen zu wollen.

Wohnen

Villa Kameleon in Zoersel

In Wien entstand nach Plänen des Architekturbüros Clemens Kirsch ein mit Fliesen bekleideter Wohnblock explizit für Alleinerziehende.

In Wien entstand nach Plänen des Architekturbüros Clemens Kirsch ein mit Fliesen bekleideter Wohnblock explizit für Alleinerziehende.

Wohnen

Wohngebäude für Alleinerziehende in Wien