Bürogebäude Mundo-a in Antwerpen

Grüne Tondachziegel als Fassadenfliesen

Borgerhout ist zwar der kleinste Distrikt in Antwerpen, aber dafür sehr lebendig und multikulturell. Von einer historischen Mauer und einer Schnellstraße durchtrennt, teilt sich er sich in zwei Teile: Innerhalb befindet sich eine der größten Shoppingmeilen Antwerpens: An der Turnhoutsebaan treffen nordafrikanische Einwanderer auf belgische Hipster, exotische Gewürzläden auf szenige Bars und Clubs. Sie ist auch eine pulsierende Verkehrsachse und führt die Straßenbahn, Autos, Fahrräder und Fußgänger durch Antwerpen. An dieser Straße befindet sich das Bürogebäude Mundo-a nach Entwürfen von B-architecten mit einer Hülle aus zu Fassadenfliesen umfunktionierten lindgrünen Dachziegeln.

Weil sich auf dem Grundstück ein Metro-Notausgang befindet und es zudem Durchgang zum dahinterliegenden EcoHuis ist, ist der Neubau als eine Art Brücke zwischen den Bestandsgebäuden konzipiert.
Die glänzend grün glasierten Tondachziegel, die wie Fassadenfliesen die Flächen zwischen den Fensterbändern bekleiden, wecken Assoziationen an ein schimmerndes Schuppenkleid oder die windgekäuselte Oberfläche eines Sees.
Die Wahl für eine keramische Fassadenbekleidung erfolgte unter anderem auch aus ökologischen Gesichtspunkten. Keramik besteht aus natürlich vorkommenden Mineralien wie Quarz, Ton und Kalk und weist eine enorm hohe Lebensdauer auf.

Büro als Brücke

Der viergeschossige Baukörper mit zweigeteiltem Staffelgeschoss ist wie eine Art Brücke konstruiert: Er spannt sich als massiver Balken zwischen zwei siebengeschossigen Mehrfamilienhäusern und lässt unter sich einen sechs Meter hohen Durchgang frei. Diese Spezialkonstruktion ist die Antwort auf die anspruchsvollen Voraussetzungen des Bauplatzes. Auf dem Gelände befindet sich ein Notausgang der Metro, welcher nicht verbaut werden darf. Zudem muss der Bauplatz den Weg für die Feuerwehr und Lieferungen zum dahinterliegenden EcoHuis freilassen – einem städtischen Informationszentrum zum Thema naturnahes Bauen. Lange Zeit blieb daher das Gelände unbebaut und eine klaffende Lücke im sonst dicht bebauten Gebiet. Mit der „Bürobrücke“ wurde das Straßenbild nun vervollständigt und darunter entstand ein wettergeschützter Platz, der auch für Veranstaltungen genutzt wird. 

Sichtbares Holzfachwerk

Konstruktiv handelt es sich bei dem Neubau um einen Holz-Beton-Hybridbau mit einem Fachwerk aus Vollholzbalken, die über Metallplatten verschraubt sind und von drei Betonwänden unterstützt werden. Aus Brandschutzgründen wurden die Balken überdimensioniert und feuerfest imprägniert. Durch die schmalen, horizontalen Fensterbänder sind die dahinterliegenden Balken sichtbar und die Konstruktion somit von außen ablesbar. Böden sowie Decken und sogar der Treppenhauskern sind aus Holz gefertigt.

Die Büroflächen verteilen sich auf die vier Vollgeschosse. Alle Arbeitsräume öffnen sich zum Korridor visuell über wiederverwendete Glastrennwände und Türen, die aus anderen Bürohäusern stammen. Grüne Linoleumböden geben an, wo gearbeitet wird. Auf den gelben Böden kann flaniert und pausiert werden. Auf den Ebenen zwei und drei sind außerdem Meeting- und Lunchbereiche untergebracht. Im Staffelgeschoss befinden sich ein Besprechungsraum, der Technikraum und eine Dachterrasse für die Mitarbeitenden. Ein vertikaler Kern mit Treppe und Lift verbindet die Etagen miteinander.

Ausgezeichnete Nachhaltigkeit

Für das Mundo-a haben die Verantwortlichen nur Baustoffe verwendet, die umweltschonend hergestellt wurden, leicht austauschbar sind und beim Rückbau sortenrein getrennt werden können. Die nachhaltige Planung und Ausführung des Gebäudes war auch ein Anliegen des Geldgebers und Betreiber des Hauses – dem Mundo-Lab. Das Immobilienunternehmen vermietet seine Büroplätze nur an NGOs und Firmen, deren Werte seinen ethischen Vorstellungen entsprechen. Das Gebäude wurde mit dem ARC19 Architecture Award ausgezeichnet.

Tondachziegel als Fassadenfliesen

Das Bürohaus sticht nicht nur aufgrund der ungewöhnlichen Konstruktion, sondern insbesondere durch seine Fassade aus der Nachbarschaft hervor. Die glänzend grün glasierten Tondachziegel, die wie Fassadenfliesen die Flächen zwischen den Fensterbändern bekleiden, wecken Assoziationen an ein schimmerndes Schuppenkleid oder die windgekäuselte Oberfläche eines Sees. Die Wahl für eine keramische Fassadenbekleidung erfolgte unter anderem auch aus ökologischen Gesichtspunkten. Keramik besteht aus natürlich vorkommenden Mineralien wie Quarz, Ton und Kalk und weist eine enorm hohe Lebensdauer von im Schnitt über hundert Jahren auf. Darüber hinaus ist sie sehr wartungsarm. Für die Montage konnte zudem auf umweltschädliche Klebstoffe verzichtet werden, da die Elemente mit Nägeln befestigt wurden. Die grüne Glasur ist UV-beständig und verleiht der Straße mit ihren vorwiegend grauen und beigefarbenen Fassaden einen lebendigen Farbtupfer. -sh

Bautafel

Architekten: B-architecten, Antwerpen
Projektbeteiligte: dhulst’, Lier (Baustellenmanagement); wienerberger, Wien (Hersteller Tondachziegel; Produkt: Koramic 401, grün glasiert)
Bauherrschaft: Ethical Property Europe, Brüssel
Fertigstellung: 2018
Standort: Turnhoutsebaan 139 A, 2140 Antwerpen, Belgien
Bildnachweis: Lucid, Zoersel

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