Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
Zum vorbeugenden Brandschutz gehört selbstverständlich, das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen zu betrachten. Dämmstoffe verhalten sich sehr unterschiedlich bei Bränden bzw. starker Hitzeeinwirkung. Das Brandverhalten wird beeinflusst vom Material und dem Produktaufbau (zum Beispiel dem Vorhandensein von Kaschierungen oder Bindemitteln), aber auch von der Einbausituation und der Zündquelle.
Vielfalt des Brandverhaltens
Die große Vielfalt unterschiedlicher Arten, zu brennen, zu schmelzen und zu qualmen, ist in den EU-Normen berücksichtigt, insbesondere in der Klassifizierung gemäß DIN EN 13501-1: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten – Teil 1: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten.
Demnach fallen gängige Dämmstoffe in diese sogenannten Euroklassen:
- A1 / A2 (kein / geringer Beitrag zum Brand):
Steinwolle, Glaswolle, Schaumglas, Mineralschaum, Blähton. - B / C (sehr begrenzter / begrenzter Beitrag zum Brand):
EPS mit Flammschutz, PUR, PIR, spezielle Holzfaserdämmplatten, Resol-Hartschaumplatten. - D / E (hinnehmbarer Beitrag zum Brand / hinnehmbares
Brandverhalten):
viele nachwachsende Dämmstoffe wie Holzfaser, Schafwolle, Zellulose
Des Weiteren werden Rauchentwicklung (s = smoke) und brennendes Abtropfen oder Abfallen (d = droplets) berücksichtigt. Mitunter kommt auch noch ein Index hinzu: Hier verweist „fl“ auf Bodenbeläge (floorings) und „L“ auf lineare Rohrdämmungen (linear pipe thermal insulation products).
Der Anwendungsfall entscheidet
Zusätzlich zur europäischen Norm sind weitere Anwendungsregeln zu beachten. Ob ein Dämmstoff zulässig ist, hängt also auch davon ab, welche Anforderungen die jeweilige Landesbauordnung (LBO) und die Technischen Baubestimmungen für den konkreten Einsatzfall verlangen. Im deutschen Bauordnungsrecht wird dabei zwischen Baustoffen und Bauteilen unterschieden. Baustoffe sind Werkstoffe wie Sand, Gipskarton oder Dämmstoffe. Bauteile setzen sich aus Baustoffen zusammen, beispielsweise Wände, Decken, Fenster und Treppen. Während man auf nationaler Ebene von „Bauteilen“, „Sonderbauteilen“ und „Bauarten“ spricht, wird auf europäischer Ebene der Begriff „Bauprodukte“ verwendet.
Beispiele für typisches Brandverhalten
Generell lässt sich sagen, dass mineralische Dämmstoffe wie Steinwolle praktisch nicht brennen. Thermoplaste wie EPS und XPS können schmelzen und brennend abtropfen, bei Duroplasten wie PUR und PIR kann sich zusätzlich starker Rauch entwickeln. Biobasierte Dämmstoffe sind unbehandelt ebenfalls brennbar.
1) Glas- und Steinwolle brennen praktisch nicht und liefern kaum oder keinen Beitrag zum Brand. Sie schmelzen erst bei sehr hohen Temperaturen, Steinwolle oft erst bei über 1.000 °C. Während eines Brandes bleiben Mineralwollen in der Regel formstabil, ein brennendes Abtropfen ist nicht zu erwarten und die Rauchentwicklung ist in der Regel gering. Bindemittel und Deckschichten (Kaschierungen) können sich allerdings negativ auf das Brandverhalten auswirken.
2) Das Brandverhalten von Polystyrol-Schäumen wie EPS und XPS ist stark produktabhängig. Unbehandelt und ungeschützt beginnen sie bei hohen Temperaturen zu schmelzen und mitunter zu brennen und brennend abzutropfen. Sie werden daher meist mit Flammschutzmitteln behandelt oder im Rahmen eines Fassadensystems oft mit Mineralwolle-Brandriegeln kombiniert.
3) Auch bei PUR/PIR-Hartschäumen gibt es je nach Produkt große Unterschiede beim Brandverhalten. Generell sind aber auch sie brennbar. Starke Rauchentwicklung und Abtropfen sind ebenfalls möglich. Deckschichten verbessern das Brandverhalten.
4) Holzfasern, Zellulose und andere biobasierte Dämmstoffe sind unbehandelt ebenfalls brennbar. Sie verkohlen oder schwelen, anstatt zu schmelzen und abzutropfen. Auch hier haben Additive (etwa Beschichtungen mit Borsalzen oder Ammoniumphosphat) und die Einbausituation großen Einfluss auf das Verhalten im Brandfall.
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