Bildungszentrum Anda Kerkhoven der Universität Groningen

Vorgefertigte Mauerwerkselemente aus regional hergestellten Klinkern

Mit über 400 Jahren ist die Universität Groningen eine der ältesten Universitäten der Niederlande. Sie bietet ein vielfältiges Lehrangebot für mehr als 60.000 Studierenden, das nun durch das Innovations- und Bildungszentrums Anda Kerkhoven erweitert wurde. Der von KAAN Architecten geplante Neubau ist Teil des Healthy Ageging Campus und soll den neuen Mittelpunkt studentischen Lebens bilden. 

Der Standort des Gebäudes stellt die geplante Vereinigung der Universitätsklinik und der Medizinfakultät dar, denn mit dem neugebauten Bildungszentrum soll die geographische und sinnbildliche Lücke zwischen Praxis und Lehre aufgehoben werden.
Neben dem Neubau wird bereits Platz für die geplante Campuserweiterung geschaffen. Dort sollen Räume für die Forschung, Lehre und Praxis entstehen.
Das Bildungszentrum setzt sich aus fünf unterschiedlich großen, quaderförmigen Volumina zusammen, in denen verschiedene Nutzungen untergebracht sind.

Durch seine Lage zwischen der historischen Innenstadt und dem Campus der medizinischen Fakultät (UMCG) spielt der Neubau eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung des zentral gelegenen Universitätsklinikums mit Forschungsschwerpunkt und der Lehre des UMCG. Das Kerkhoven-Zentrum soll zudem den Auftakt für eine Reihe neuer, gemeinsam nutzbarer Einrichtungen auf dem Campus bilden. Ziel dieser ist die Unterstützung und Förderung von Kliniken, Forschungsbereichen und der Industrie. Zugleich dient das Vorhaben der Brückenbildung zwischen Praxis und Theorie und dem Austausch zwischen Studierenden und Praktiker*innen. 

Fünf Boxen mit reichlich Programm

Das Bildungszentrum setzt sich aus fünf unterschiedlich großen, quaderförmigen Volumina zusammen, in denen verschiedene Nutzungen untergebracht sind. Während vier der Quader von einer gemeinsamen Hülle umschlossen werden und den Sockel des Gebäudes bilden, überragt der fünfte diesen um sechs Geschosse. 

Ein gemeinsames Foyer verbindet die Volumina und schafft einen Ort der Zusammenkunft. Die unterschiedlich großen und hohen Baukörper bilden sich im Innenraum ab und kreieren ein interessantes Raumgefüge mit horizontalen und vertikalen Blickachsen. Im Zentrum des Foyers steht einer der Quader auf Stützen und macht so die Fläche für ein Universitäts-Café frei.

Das Gebäude beherbergt ein Auditorium, Hörsäle, Seminarräume sowie Projekt- und Besprechungsräume. Im sogenannten Lernturm befinden sich Unterrichts- und Computerräume sowie ein Skills Lab. Zudem entstand ein unabhängiger Bereich, der von Gewerben genutzt werden kann.

Treppen sind da, um genutzt zu werden

Eine gesundheitsfördernde Umgebung zu schaffen, ist einer der Schwerpunkte des Entwurfs des Bildungszentrums. Entsprechend wird das Gebäude mit möglichst viel natürlichem Licht und frischer Luft versorgt. Aber auch clevere Einfälle, wie unregelmäßig fahrende Aufzüge, sollen die Gesundheit der Studierenden durch mehr Bewegung im Alltag fördern. Hierzu erschließen eine dreiläufige U-Treppe aus weißem Stahl sowie eine breite Treppe mit hölzernen Sitzstufen die unterschiedlichen Ebenen des Bildungsbaus. Auf Höhe des dritten Geschosses befindet sich eine Dachterrasse, die von begrünten Flächen gerahmt wird. Abgerundet wird das stimmige Gebäudekonzept durch die hochwertige Materialwahl, bei der Nachhaltigkeit und Gesundheit ein zentrales Kriterium darstellten.

Massiv und luftig

Die Fassaden und Innenwände des Foyers sind mit Sichtmauerwerk aus regional hergestellten, sandsteinfarbennm Klinkern bekleidet. Der warme Farbton der Verblendziegel im Modulformat und der fast weiße Fugenmörtel tragen zur ruhigen und harmonischen Atmosphäre des Gebäudes bei. Das Mauerwerk wurden aus vorgefertigten Elementen erstellt, die sich durch durchgehende Fugen auf den großen Flächen zu erkennen geben. Die im Wilden Verband erstellten Module weisen leichte Unregelmäßigkeiten auf und kreieren so ein dynamisches Fassadenbild. 

Die unbehandelten Oberflächen der Verblender und der tragenden Betonbauteile im Innenraum ergänzen sich und sorgen für ein ausbalanciertes Raumgefühl. Im Foyer sorgt im Bereich der Treppe ein künstlerischer Umgang mit den Stoßfugen für ein eindrucksvolles Bild: Diese wurden nach oben hin zunehmend vergrößert, sodass das Mauerwerk sich aufzulösen scheint.

Trotz ihrer Massivität, sieht die Gebäudestruktur eine flexible Umnutzung für zukünftige Neuordnungen auf dem Campus vor. Durch den Verzicht auf feste Bestuhlung und den Einsatz von abbaubaren Podesten sind die Hörsäle größtenteils für individuelle Lehrmodelle geeignet und lassen sich bei Bedarf mit nur wenigen Eingriffen umgestalten.

Bautafel

Architektur: KAAN Architecten, Rotterdam
Projektteam: Koen Bosman, Javier Cuartero, Sebastian van Damme, Luuk Dietz, Raluca Firicel, Lisa Goes, Narine Gyulkhasyan, Aleksandar Hrib, Wouter Langeveld, Guilherme Miranda, Hana Mohar, Theodossis Montarnier, Alexis Oh
Projektbeteiligte: Felixx Landscape Architects & Planners, Rotterdam (Landschaftsplanung); Aannemingsmaatschappij Hegeman, Nijverdal; De Groot Installatiengroep, Emmen (Ausführende Bauunternehmen); abt Wassenaar, Haren (Qualitätssicherung); Harwig Installatietechniek, Emmen (Eleketroinstallation); Peutz, Haren (Bauphysik, Brandschutz, Akustik Beratung)
Bauherr*in: Reichsuniversität Groningen (RUG)
Fertigstellung: 2024
Standort: Antonius Deusinglaan 1, Groningen, Niederlande
Bildnachweis: Sebastian van Damme

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