Bildungscampus Heidemarie Lex-Nalis in Wien
Schiff mit Landungsbrücken
Im 11. Wiener Bezirk Simmering, wo einst der Au-Wald an einen Donauarm grenzte, liegt heute der Bildungscampus Heidemarie Lex-Nalis. Schräge Dachflächen spannen sich, wie grüne Landungsbrücken, vom schiffsartigen Bau zur ehemaligen Uferlinie. Entworfen wurde der Campus von Pos Architekten, gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro Outside.
Namensgeberin für die Bildungseinrichtung ist die 2018 verstorbene Soziologin Heidemarie Lex‑Nalis, eine Impulsgeberin der Frühpädagogik. Damit wird ein Bezug zu den Kindern geschaffen, die dort den Kindergarten, die Ganztagsgrundschule oder sonderpädagogische Einrichtungen besuchen. Insgesamt bietet der Bildungscampus Platz für 825 Kinder auf zwei Geschossen mit rund 8.000 Quadratmetern. Eine ruhige Farb- und Materialgestaltung im Inneren soll eine freundliche und sichere Umgebung schaffen.
Die Klassen-, Projekt- und Teamräume sind in Clustern zusammengefasst, in deren Mitte jeweils offene und großzügige Gemeinschafts- und Bewegungsflächen liegen. Die Clusterstruktur ermöglicht ein kommunikatives und altersübergreifendes Lernumfeld und gleichzeitig einen reibungslosen Betriebsablauf. Das Konzept zieht sich bis nach außen: Über drei Landungsbrücken gelangt die Kinder unmittelbar in den ebenerdigen Garten. Die kurzen und breiten Wege ermöglichen auch kleine, ausgelassene Pausen im Freien.
An den geschwungenen Erschließungswegen im umzäunten Garten liegen Spiel- und Sportflächen, die durch dicht bepflanzte und modellierte Randbereiche in einzelne Zonen abgegrenzt sind. Die Spielbereiche wirken wie angeschwemmte Sandbuchten, während sich im Süden große, offene, von Bäumen gerahmte Spielwiesen erstrecken.
Auf dem Vorplatz verschneiden sich der Freiraum des Campus und der angrenzende Straßenraum. Grüne Inseln mit Bäumen und Sitzmauern gliedern die Fläche und bilden schattige, öffentlich zugängliche Treffpunkte. Zwischen den geneigten Landungsbrücken entstehen geschützte Buchten. Hier liegen die Zugänge zum Gebäude.
Landungsbrücken und Dachflächen sind mit Systemen zur Schrägdach- und Solarbegrünung ausgestattet. Die Begrünung der geneigten Flächen wird durch ein Schubsicherungssystem ermöglicht. Die Technik basiert auf recycelten Kunststoffschwellen und fixierenden Edelstahlseilen. Das Solargründach wird durch seine Auflast gehalten und ermöglicht die Montage von Photovoltaik ohne Dachdurchdringung.
Der Bildungscampus strebt einen Plusenergiestandard an. Wärme- und Kälteenergie werden durch Grundwasser und Erdwärmesonden bereitgestellt. Photovoltaik deckt einen Teil des Strombedarfes ab, zudem sind weitere PV-Module auf den Dachflächen geplant.
Bautafel
Architektur: POS architekten ZT (Architektur); outside (Landschaftsarchitektur)
Projektbeteiligte: KS-Ingenieure ZT, Wien (Tragwerksplanung); team gmi Ingenieurbüro, Wien (Gebäudetchnik); Kubik Project, Gießhübel (Elektrotechnik); Hoyer Brandschutz, Wien (Brandschutz); IBO-Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie, Wien (Bauphysik); Optigrün international, Wien (Begrünungssytseme); Pokorny Lichtarchitektur, Wien (Lichtplanung); IB Ronge Stria, Baden bei Wien (Küchenplanung); Sportatelier Novak, Traunkirchen (Turnsaal Planung); BGG Consult Dr. Peter Waibel, Wien (Kulturtechnik und Versickerung); Strabag AG, Wien (Ausführung Freianlagen)
Bauherr*in: Stadt Wien
Standort: Rappachgasse 44, 1110 Wien, Österreich
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Paul Sebesta
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